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Klimakonferenz von Bali Tummelplatz der Aktivisten

13.12.2007 ·  Eine bunte Schar von Lobby-Gruppen will die Klimakonferenz von Bali beeinflussen. Sie wollen ihre Botschaften loswerden, wie man die Welt retten kann. NGOs beraten und beeinflussen die Politiker und bringen sich öffentlichkeitswirksam ins Gespräch.

Von Konrad Mrusek, Nusa Dua
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„Hello, I'm Cindy from Greenpeace“, säuselt die junge Dame von der Seite, und schon bekommt man ein neues Papier in die Hand gedrückt. Kurz danach kommt ein Mann von der Organisation Oneworld, und wenige Minuten später taucht eine Frau vom World Wide Fund For Nature (WWF) im Pressezentrum auf. Die tägliche Zahl der Flugblätter und elektronischen Nachrichten der sogenannten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) geht in die Dutzende, denn bei der Klimakonferenz fühlen sie sich alle wie Öko-Missionare und wollen ihre Botschaften loswerden, wie man die Welt retten kann.

NGOs prägen stärker denn je die Klimakonferenzen. Sie verteilen nicht nur Papiere, sie beraten und beeinflussen die Politiker und schaffen mit Aktionen bildkräftige Motive für Fernsehkameras. Hin und wieder gibt es sogar kleine Demonstrationen, so etwa wenn Weltbank-Chef Robert Zoellick auftritt. Etwa die Hälfte der gut 11.000 Teilnehmer der Klimakonferenz gehört zur Kategorie „Non-Governmental“.

Überall präsent

Die Palette dieser Gruppen wird immer bunter, sie ist nicht mehr vorrangig grün gefärbt, es gibt immer mehr wissenschaftliche und wirtschaftliche Vereinigungen. Die Liste der akkreditierten Lobbyisten ist fast hundert Seiten lang. Sie reicht vom australischen Aluminium-Rat über die globale Vereinigung für Windenergie bis zum Internationalen Emissionshandels-Verband. Dieser ist mit 330 Delegierten angerückt und somit die größte NGO-Gruppe. Darunter sind neben Industrievertretern etliche Börsianer und Banker, denn die Finanzindustrie hat ein großes Interesse an der Fortsetzung des Handels mit Emissionszertifikaten, der mit dem Kyoto-Protokoll eingeführt wurde und inzwischen ein Volumen von 30 Milliarden Dollar hat.

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Während die Wirtschaftslobbyisten eher im Stillen wirken und im Gewusel der Mammutkonferenz nicht so auffallen, sind die Umweltgruppen überall präsent. Auch ihnen mangelt es weder an Geld noch an Leuten. Greenpeace ist mit siebzig Leuten vertreten, der WWF mit über achtzig. Es gibt zwar Unterschiede zwischen ihnen in Taktik und öffentlicher Lautstärke, doch in einem gleichen sie sich: Bei Öko-Themen verfügen sie inzwischen über einen Sachverstand, der jenen von Journalisten weit übertrifft und auch den von Stabsstellen in Unternehmen. Sie sind zudem global vernetzt und nicht nur Profis in der Mobilisierung von Öffentlichkeit, sondern auch Profis im politischen Geschäft.

Enge Bande

Bevor Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch seine Rede vor der Konferenz hielt, sprach er eine Stunde lang mit Umweltgruppen. Die wissen wegen ihres internationalen Netzwerks teilweise viel besser, was in den Delegationen anderer Länder vorgeht und welche Verhandlungstaktik diese haben. Gabriel benutzt den NGO-Kanal selbstverständlich auch, um seine Politik im Ausland zu verkaufen und dabei ausländische Kritik an der wenig klimafreundlichen deutschen Kohle zu entkräften. Auch zwischen Wissenschaft und NGOs gibt es enge Bande: So sieht man etwa abends im Hotel den Klimaforscher und Kanzlerin-Berater Hans Joachim Schellnhuber mit der Führung der Umweltgruppe Germanwatch speisen.

Der Einfluss der Umweltgruppen ist immens. Sie setzen faktisch die öffentliche Messlatte, die über Erfolg oder Misserfolg des Treffens entscheidet. Die NGOs reden nicht gern darüber, weil sie wissen, dass Eigenlob stinkt. Regine Günther vom WWF versucht sich daher in Bescheidenheit. „Wir haben uns bemüht, dass das wichtige Thema Klimaschutz wahrgenommen wird“, sagt sie. Sie verweist auf die Kraft der Argumente, die sich durchsetze. „Die Wirtschaft hat unterschätzt, mit welcher Ernsthaftigkeit wir dieses Thema verfolgt haben.“

„Wir wissen, dass sie eine hohe Kommunikationswirkung haben“

In der Politik unterschätzt niemand den Einfluss der Öko-Aktivisten. „Wir wissen, dass sie eine hohe Kommunikationswirkung haben“, sagt der Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren. Ohne ihre Mitwirkung wäre Klimaschutz nie zum Thema dieses Jahres geworden. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagt: „Man kann gegen die NGOs Einzelkritik vorbringen, sie machen aber den Regierungen Dampf beim Klimaschutz.“

Sind die Klimakonferenzen zu emotional geworden, weil die NGOs eine größere Rolle spielen? Karsten Sach, seit acht Jahren deutscher Delegationsleiter, sieht keine größere Emotionalisierung der Debatten. „Davor bewahrt uns die wissenschaftliche Basis dessen, worüber hier verhandelt wird“, meint er. Andere Diplomaten halten es für unvermeidlich, dass auf Klimakonferenzen die Emotionen hochschlagen. Im Klimaschutz gehe es um „Gute gegen Böse“, sagt ein europäischer Delegierter.

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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