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Weltklimavertrag : „Kollektive Versprechen werden niemals eingehalten“

Bild: AFP

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole ist enttäuscht vom neuen Weltklimavertrag. Ohne ein weltweites System für den Emissionshandel und Kontrollen seien die Ziele nicht erreichbar.

          Der französische Wirtschafts-Nobelpreisträger Jean Tirole hat sich enttäuscht über den Ausgang der Pariser Klimakonferenz geäußert. „Leider bleibt der Kompromiss weiterhin hinter den Zielen zurück. Wir sind kaum weiter als vor sechs Jahren“, schreibt er in einer Analyse für die F.A.Z., die „Financial Times“ sowie die französische Zeitung „L’Opinion“.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Tirole beschäftigt sich an der Toulouse School of Economics seit langem mit Klimafragen. 35 Forscher und Doktoranden arbeiten dort an Fragen der Umweltökonomie. Tirole hatte die Pariser Konferenz von Beginn an skeptisch beobachtet, weil eine Preisfindung für Kohlendioxidemissionen im Rahmen eines Emissionshandels ausgeschlossen wurde. Die meisten Ökonomen glauben, dass die Emissionen am effizientesten zu reduzieren sind, wenn die Verschmutzer dafür bezahlen. „Dieses Prinzip empfehlen Ökonomen seit rund hundert Jahren. Dennoch wird es zu selten angewandt“, hatte Tirole vor einigen Monaten in einer Vorlesung gesagt.

          Sein Vorwurf: Gleichgültigkeit gegenüber Emissionshandel

          Nun wirft der Wirtschaftswissenschaftler den Verhandlungsführern eine „allgemeine Gleichgültigkeit“ gegenüber der Forderung eines Emissionshandels vor. „Leichten Herzens“ sei sie verworfen worden, denn für Saudi-Arabien und Venezuela sei das Thema „ein rotes Tuch“. Das gefährde „ernsthaft das Klimaziel“. Es stimme zwar hoffnungsvoll, dass heute „mehr als vierzig Länder, darunter die Vereinigten Staaten, China und wichtige europäische Nationen, Märkte für den Emissionshandel haben, auch wenn die dort gehandelten Emissionsmengen oft zu großzügig und die Preise für Kohlenstoff daher zu niedrig sind“. Doch das reiche nicht, es müsse ein weltweites System für den Emissionshandel aufgebaut werden. Tirole weiß, wie schwierig das aus geopolitischen Gründen ist. Doch er warnt vor den Folgen unterschiedlicher Preise: Wenn Schwellenländer etwa einen niedrigen Preis verlangen, dann drohe eine Verlagerung von Produktionsstätten in die günstigeren Länder. Es wäre daher sinnvoll, dass sich die heute existierenden Klimabörsen für den Emissionshandel zusammenschlössen, „um einen Weltmarkt zu formen“.

          „Die Freiwilligkeit hat zu viel Raum erhalten“, sagt Nobelpreisträger Jean Tirole
          „Die Freiwilligkeit hat zu viel Raum erhalten“, sagt Nobelpreisträger Jean Tirole : Bild: dpa

          Am Klimaabkommen von Paris kritisiert Tirole auch, dass „die entwickelten Länder ihre Leistungen für die Entwicklungsländer nicht detailliert“ haben. „Die Freiwilligkeit hat zu viel Raum erhalten. Doch kollektive Versprechen werden niemals eingehalten.“ Neben einer stärkeren Konkretisierung der Transfers müssten die reichen Länder auch wirklich „neues Geld“ aufbringen, anstatt existierende Mittel umzulenken oder „unsichere Steuereinnahmen“ für den Kampf gegen den Klimawandel in Aussicht zu stellen.

          Dabei sei es auch bedauerlich, dass der Pariser Vertrag kein Datum setzt, von dem an die Treibhausgasemissionen sinken sollen. Die Formulierung „so schnell wie möglich“ sei zu weich, findet Tirole. „Die Strategie des Wartens auf freiwillige Engagements hat sich durchgesetzt.“ Doch die Klimaversprechen der einzelnen Länder seien nicht nur miteinander kaum zu vergleichen, sie seien auch unzureichend, aber dennoch teuer, „sodass man gut darauf wetten kann, dass sie gar nicht umgesetzt werden“, heißt es in der Analyse.

          Tirole spricht auch beim Bemühen um mehr Transparenz von einem Misserfolg. Er verstehe nicht, warum die Länder des Südens „nicht den gleichen Prozessen der Registrierung und Überprüfung unterworfen werden wie der Norden“. Der Norden solle großzügig sein, dürfe „aber nicht die Augen verschließen“. Tirole sieht dabei einen Haken für kommende Gipfeltreffen: Die Musterschüler könnten schlechtere Verhandlungspositionen haben als die Nachzügler. „Man verlangt von den guten Schülern immer mehr.“ Dabei sollten künftige Verhandlungen auch auf weniger Nationen und Ländergruppen beschränkt werden.

          Quelle: F.A.Z.

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