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Weltklimavertrag angenommen : „Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben“

  • Aktualisiert am

Jubel nach der Annahme des Entwurfes: UN-Klimachefin Christiana Figueres, UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, der französische Außenminister Laurent Fabius und der französische Präsident Francois Hollande (von links) Bild: AFP

Die internationale Gemeinschaft hat sich auf einen Weltklimavertrag verständigt. Die Pariser UN-Klimakonferenz nahm am Samstag die Vereinbarung zur Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad an.

          Erstmals verpflichtet ein Abkommen alle Staaten zum Kampf gegen die Erderwärmung. Delegierte aus 195 Ländern beschlossen den globalen Vertrag am Samstag zum Abschluss der Weltklimakonferenz in Paris. „Das Abkommen ist angenommen“, sagte Konferenzpräsident Laurent Fabius am Abend unter dem Jubel der Delegierten, nur wenige Minuten, nachdem er das Schlussplenum eröffnet hatte und keine Einwände mehr geäußert worden waren. Bei der Vorstellung des finalen Entwurfs hatte er am Nachmittag sichtlich bewegt um die Zustimmung der Staatenvertreter geworben. Er sprach von einem „Wendepunkt in der Geschichte“.

          Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte sich nach den zweiwöchigen Verhandlungen „froh und erleichtert“. Das Abkommen sei „anspruchsvoll und wirksam“. Paris sei allerdings nicht das Ende, sondern der Anfang eines langen Weges: „Ich bin zurückhaltend mit großen Worten. Aber heute kann ich sagen: Wir haben hier zusammen Geschichte geschrieben.“

          Ziele alle fünf Jahre überprüfen und verschärfen

          Der Vertrag tritt 2020 in Kraft und setzt das Ziel, die Erderwärmung auf weit unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und die Anstrengungen zu erhöhen, den Temperaturanstieg bereits bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen die Netto-Emissionen auf null gesenkt werden.

          Anders als das 2020 auslaufende Kyoto-Protokoll schreibt der Vertrag keine bindenden Ziele zur CO2-Reduktion für einzelne Staaten fest. Stattdessen haben 186 Länder freiwillige Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz vorgelegt. Laut Vertrag sollen diese selbstgesetzten Ziele alle fünf Jahre überprüft und verschärft werden. Die Industriestaaten sollen konkrete, quantifizierbare Selbstverpflichtungen zur CO2-Minderungen vorlegen, während die übrigen Länder dazu „ermutigt“ werden.

          Verbindlich für alle ist ein Mechanismus zur Nachbesserung der staatlichen Klimaschutz-Pläne: Alle fünf Jahre sollen sie überprüft und verschärft werden. Zu diesem Zweck wird ein System einheitlicher Berichtspflichten aufgebaut.

          Den armen Ländern wird finanzielle Unterstützung für den Klimaschutz und die Anpassung an die Erderwärmung zugesichert. Konkrete Zahlen nennt das Abkommen nicht, dafür aber eine begleitende Entscheidung der Konferenz. Demnach wird das Versprechen der Industrieländer bekräftigt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Eine Steigerung der Mittel nach 2025 ist vorgesehen. Nicht-Industrieländer werden „ermutigt“, armen Staaten ebenfalls zu helfen. Unter anderem dieser Passus war zwischen Industriestaaten und Schwellenländern bis zuletzt umstritten. Darüber hinaus wird besonders bedrohten Ländern Unterstützung im Fall klimabedingter Schäden zugesichert, etwa durch Frühwarnsysteme und Klimarisikoversicherungen.

          „Meisterstück der Klimadiplomatie“

          Die Umweltorganisation WWF Deutschland lobte die zweiwöchige Konferenz als „Meisterstück der Klimadiplomatie“. „Paris hat geliefert“, sagte Regine Günther, Generaldirektorin Politik und Klimaschutz beim WWF Deutschland. Erstmals hätten sich alle Staaten auf gemeinsame, transparente Zielen und Regeln geeinigt, um den Klimawandel zu bekämpfen.

          Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wertete das Abkommen als positives Signal. Noch klaffe aber eine Lücke zwischen Anspruch und Realität, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Bisher würden die vorgelegten freiwilligen Klimaschutzpläne der Staaten auf eine Erwärmung von 2,7 Grad Celsius zulaufen. „Wenn die Klimaziele, wie vorgesehen, erst 2023 überprüft und nachgeschärft werden, ist das eindeutig zu spät, um wieder auf den Pfad der Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu kommen“, sagte Tschimpke.

          Aus Sicht des Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, hat die Welt mit dem Abkommen ein „Instrument, das den Klimaschutz stärkt“. Doch liefere der Vertrag keine angemessenen Antworten auf die Klimakrise. „Das Paris-Abkommen befreit die Welt nicht von ihrer Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas“, kritisierte Weiger.

          Quelle: FAZ.NET

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