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Kommentar : Klima-Überstunden

Das Ende der Pariser Klimakonferenz verzögert sich. Bis Samstagmorgen soll der neue Klimavertrag fertig sein. Warum fällt die Einigung so schwer?

          Der Klimagipfel geht in die Verlängerung. Das allein muss kein schlechtes Zeichen sein. Denn erstens sind Klimagipfel noch nie pünktlich am Freitag beendet worden. Zweitens heißt länger miteinander reden eben immer noch: miteinander reden. Und drittens müssen die Delegationen dem Publikum zuhause und in der Welt zeigen, dass sie hart verhandelt und alles versucht haben, um auch noch das Letzte herauszuholen. Das unterscheidet Klimaverhandlungen nicht von Tarifgesprächen.

          Ihre Tragweite allerdings schon. Man muss nicht so weit gehen und glauben, dass in Paris über das Schicksal der Erde und den Frieden auf der Welt verhandelt wird. Aber was auf dem Tisch liegt, betrifft Hunderte Millionen Menschen und ihre Aussichten auf den Erhalt und den Gewinn von Wohlstand und Wachstum.

          Der Traum vom besseren Leben wird seit Beginn der Industrialisierung beflügelt von Kohle, Öl und Gas. Sie halten bis heute überall in der Welt Kraftwerke unter Dampf, Wohnungen warm und den Verkehr in Gang. Doch so, wie das infernalische Kohlenstofftrio Milliarden Menschen heute ein gutes Leben garantiert, schickt es sich an, morgen die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Der Wandel ist längst im Gang und trifft Menschen, Tiere, Pflanzen.

          Klimagipfel sind im Kern Wirtschaftsgipfel

          Warum also fällt eine Einigung auf Gegenmaßnahmen so schwer? Es steht nicht nur das westliche Lebensmodell zur Debatte. Es gibt auch kein anderes Modell, das Entwicklungs- und Schwellenländern als Vorbild für „sauberes“ Wachstum dienen könnte.

          Solange sie Klimaschutz als Instrument zur wirtschaftlichen Einschnürung betrachten, so lange werden sie ihn nur so weit ernst nehmen, wie die Geldzusagen der Geberländer reichen. Auch Staaten wie Saudi-Arabien oder Venezuela, die vom Ölverkauf leben, wird man mit einer Verzichtstrategie kaum gewinnen können. Klimagipfel sind im Kern eben doch Wirtschaftsgipfel, bei denen Umweltminister verhandeln.

          Nicht übersehen werden sollte ein Aspekt, der die Lage noch komplizierter macht. Auf der Klimakonferenz sind alle Staaten vertreten. Es geht also auch um die Fähigkeit, Koalitionen zu bilden, Führungsfähigkeit zu zeigen, sich als Schutzmacht zu präsentieren. Nicht alles, was die um die Führungsrolle der Entwicklungsländer streitenden Rivalen China und Indien als Hindernisse in Le Bourget auf den Parcours getürmt haben, hat mit dem Klimaschutz zu tun.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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