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Klimawandel in Moçambique : Eine Stadt wird weggespült

Unter Wasser: Die Veranda eines Hauses am Meer in Beira bricht unter den Fluten weg. Bild: Thomas Trutschel/photothek.net

Die Staatslenker der Welt wollen von heute an in Paris Mittel gegen die Erderwärmung finden. Für wen das wichtig ist, zeigt ein Besuch in Moçambique, wo die ersten Häuser im Meer versinken.

          Das kleine Stück Betonboden, das eine Welle mit sich ins Meer gerissen hat, war nur der Vorbote. Gerade haben sich einige Neugierige auf der Veranda des Fischerhäuschens versammelt, da kracht es laut im Gebälk. Erschrocken springen sie ins Freie, die halbe Veranda bricht in die Fluten. Eine Betonsäule, die eben noch das Dach stützte, hängt nun frei in der Luft. Darunter nagen sich die Wellen des Indischen Ozeans unablässig ins Fundament des kleinen Hauses.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Fischer und die anderen konnten sich rechtzeitig retten. Doch wie es nun weitergehen soll, das weiß Chanderique Chigure nicht. Dem kleinen Mann in dunkelblauem Kragenhemd und schwarzer Lederkappe gehört das Haus in den Marktstraßen von Beira, der zweitgrößten Stadt des ostafrikanischen Staats Moçambique. Hier lagert und verkauft er seinen Fisch, hier lebt er die meiste Zeit des Jahres. Drei Kinder und seine Frau ernährt der 48 Jahre alte Fischer von seiner Arbeit. „Ich bin verzweifelt“, sagt Chigure und blickt auf die Wellen, durch Augen, die Seewind und Sonne zu schmalen Schlitzen geformt haben. Das Wasser komme schon seit dem vorigen Jahr immer näher an die Häuser heran, sagt er. „Jetzt ist es da.“

          Der Verwalter des Marktes ist dazugekommen und zeigt auf die braunen Fluten. „Wir haben schon Mauern gebaut, aus Beton und Säcken“, erklärt er. Doch wo er hinzeigt, ist jetzt, bei höchster Flut, nichts von den Schutzwällen zu sehen. Mit jeder Welle frisst sich der Ozean weiter in die sandigen Wege hinein. Er umspült die Fundamente der Häuser, die die Marktleute notdürftig mit Beton, Müll und Treibgut befestigt haben.

          Videografik : Per Klimawandel in die Katastrophe

          Wenn die Pole schmelzen

          Beira gilt als die afrikanische Stadt, die am stärksten vom Klimawandel bedroht ist. Mit geschätzten 700.000 Einwohnern, mit einem der größten Häfen des Landes mit Bahnverbindungen zu mehreren Steinkohle- und Kupferminen von Moçambique, Zimbabwe und Sambia ist sie ein wichtiges Wirtschaftszentrum des Landes. Doch weite Teile der Stadt liegen nur knapp über dem Meeresspiegel, einige Gebiete sogar darunter. Vielen Orten an der 2700 Kilometer langen Küste des Landes geht es ähnlich.

          Wenn sich die Politiker dieser Welt vom 30. November an in Paris zum Klimagipfel treffen, um Mittel gegen den Klimawandel zu finden, wird es auch wieder um das Ansteigen der Meere gehen. Um fast einen oder auch mehrere Meter - je nach Berechnung - könnten sich die Ozeane in den nächsten hundert Jahren anheben, wenn sich die Wassermassen infolge einer schnelleren Erderwärmung ausdehnen und das an den Polen und in Gletschern gebundene Eis schmilzt. Es sind Städte wie Beira, Menschen wie Chigure und seine Nachbarn, die davon als Erste betroffen wären.

          Nicht nur an dem kleinen Markt, an vielen Stellen drängt das Wasser schon jetzt immer weiter in die Stadt. Entlang der Uferpromenade, einer der Hauptverkehrsstraßen, schlagen die Wellen bei Flut oft über die Schutzmauer - an mehreren Stellen ist sie schon eingestürzt und kann die Wellen nicht mehr zurückhalten. Auch in einem besseren Wohnviertel haben die Wellen schon Häuserteile abgerissen. Die Reste stehen nun als Mahnmal am Wasser. Auch hier haben die Anwohner notdürftige Wehre gebaut, Müllsäcke mit Sand gefüllt, Drahtnetze mit Steinen, und alles mit Beton übergossen.

          Wer nah am Wasser wohnt, baut kleine Barrieren aus Müll und Beton, um sich bei Flut vor den Wellen zu schützen.
          Wer nah am Wasser wohnt, baut kleine Barrieren aus Müll und Beton, um sich bei Flut vor den Wellen zu schützen. : Bild: Tim Kanning

          Dass das Meer der Stadt schon heute so nah kommt, liegt nicht unbedingt am Klimawandel, auch an mangelndem Umweltbewusstsein und fehlenden Kenntnissen über ökologische Zusammenhänge. Wichtige Mangrovenwälder, die einst die Küste vor Erosion bewahrten, wurden abgeholzt. Viele Häuser sind schlicht zu dicht ans Wasser gebaut. Doch wenn das Meer erst steigt, verschlimmert sich die Lage.

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