http://www.faz.net/-gqe-8b5vp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Aktualisiert: 09.12.2015, 20:53 Uhr

Klimagipfel in Paris Die Streber schließen ihre Reihen

Die Minimalisten können sich warm anziehen: Auf dem Klimagipfel hat sich eine große Koalition mit Berlin, Brüssel und Washinton an der Spitze gebildet. Ihr Ziel: Zu verhindern, dass der Vertrag verwässert wird. Die Allianz hat allerdings auch ein Handikap.

von , Paris
© AFP Umweltaktivistenkommen immer wieder aufs Gelände, um zu demonstrieren, wohin die Reise gehen soll.

Sie nennen sich die „Koalition der Hochambitionierten“, die Leistungseliten der Klimapolitik, und sie könnten an den Pariser Pokertisch einiges an Gewicht mitbringen: Die Vereinigten Staaten, Deutschland, die Europäische Union, Mexiko und Dutzende weiterer Entwicklungsländer – insgesamt mehr als 90 Nationen, fast die Hälfte der Vertragsstaaten. Entsprechend selbstbewusst ist die Gruppe bei ihrer Präsentation kurz nach Vorstellung des neuen Pariser Klimavertragstextes am Abend aufgetreten. Die Sache hat nur einen Haken: Die Streber-Koalition darf offiziell nicht mitverhandeln. Sie ist ein informelles Bündnis, das sich auf Betreiben der Marshall-Inseln umso schneller gefunden hat, je mehr offenbar andere Staaten den Vertragstext zu verwässern versuchen. 

Joachim  Müller-Jung Folgen:

Informell freilich, das machte der altgediente amerikanische Verhandlungsführer Todd Stern deutlich, heißt nicht machtlos. „Ein Vertrag mit minimalem Anspruch ist mit uns nicht machbar.“ Wie viele Druckmittel, sprich Erpressungspotential, in den verbleibenden 48 Stunden hinter solchen Aussagen steckt, lässt Stern offen. Gegrummelt wird schön länger, dass Indien und China, die beiden Schwergewichte, die gewaltige Kohleblasen mit sich herumschleppen, ständig versuchen, ambitionierte Formulierungen für den Vertragstext zu torpedieren. 

Umweltministerin betont 1,5-Grad-Ziel

„Wir stehen zusammen und sind bereit zu liefern“,  sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, und war sichtlich zufrieden, dass die nur einen Tag zuvor geschmiedete Allianz der Europäer mit den 79 Staaten in der Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten für einen „ambitionierten Klimavertrag“ auf diesem Wege eine prominente Erweiterung erfahren hat.

37617618 © Joachim Müller-Jung Vergrößern Die Koaltion der „Hochambitionierten“ bei der öffentlichen Präsentation.

Im Kern geht es der neuen Koalition darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner im Abschlussdokument zu verhindern. EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete hat die Richtung vorgegeben: „Der Vertragstext bisher ist uns jedenfalls nicht mutig und nicht anspruchsvoll genug.“ Das ist für alle, die sich von dem Pariser Abschluss einen wirklichen Fortschritt in der Klimapolitik versprechen, ein gutes Signal. Auch Todd Sterns Bemerkung, die Vereinigten Staaten sähen gerne, dass „das 1,5 Grad-Ziel zumindest erwähnt wird“ und das Ziel „unterhalb von zwei Grad festgeschrieben wird“, ist praktisch eine Kampfansage an die Bremser von Le Bourget - wozu neben Indien und China traditionell auch Saudi Arabien als Hauptölexportland zählen.

Barbara Hendricks © dpa Vergrößern Ehrgeizig: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Jeder Fortschritt aber hat auch seinen Preis. Der globale Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in den nächsten Jahrzehnten wäre das Mittel, ja sogar die Voraussetzung, um Ziele wie die 1,5-Grad-Obergrenze zu erreichen. Fällt das Dekarbonisierungsziel, weil etwa Saudi Arabien bis zum letzten Öltropfen gegen die Billionen Dollar Vermögensverluste kämpfen wird, wären die hoch ambitionierten 1,5 Grad Maximalerwärmung Makulatur, sagt auch der Klimaforscher und Politikberater Hans Joachim Schellnhuber: „Nötig wäre die weitgehende Dekarbonisierung bis zur Mitte des Jahrhunderts, eine laue Forderung nach einem Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft bis zum Jahrhundetrende in 85 Jahren wäre zu wenig“. Mit anderen Worten: Am Ende zählt nicht nur, ob „Dekarbonisierung“ als Langfristziel im Vertragstext enthalten ist, sondern, ob sie auch schnell genug wirksam wird, um die Erwärmung rechtzeitig zu bremsen.  

Aus dem Schneider beim Atommüll

Von Andreas Mihm

Der Weg für einen Staatsfonds zur Deckung der Altlasten der Atomstromerzeugung ist endgültig frei. Aber die wichtigste Frage bleibt ungeklärt. Mehr 2 7

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage