15.12.2007 · Die Politiker haben sich entschlossen, die Abschlusserklärung des Klimagipfels in Bali als Erfolgsdokument zu feiern. Ohne Zweifel erfolgreich ist ein bestimmter Typus Politiker: Jener, der Ängste mobilisieren und Emotionen schüren kann.
Von Winand von PetersdorffEuropas Politiker haben sich entschlossen, die Abschlusserklärung des Klimagipfels in Bali als Erfolgsdokument zu feiern. Fotos und Filme zeigen fröhliche Gesichter. Die Delegierten haben sich darauf geeinigt, in den nächsten zwei Jahren ein neues Kyoto-Programm auszuarbeiten. Wie es genau aussehen wird, weiß man noch nicht. Und es bleibt auch schwierig, einem verständigen Zwölfjährigen zu erklären, was Bali gebracht hat. Oder überhaupt irgendwem.
Doch Sieger gibt es. Die Politiker erleben ein Comeback. Gestern noch standen sie verbittert, staunend und klamm am Wegesrand. Die Globalisierung, so schien es, raubte ihnen die politischen Entscheidungsspielräume und das Geld aus den Staatskassen. Jetzt sind sie wieder da mit Al Gore an der Spitze und Sigmar Gabriel am Ende.
Die Furcht ihrer Bürger hat die Politiker wieder ins Spiel gebracht. Um die Klimaerwärmung einzudämmen, können sie sich erlauben, viel Geld zu mobilisieren und umzuschichten. Das muss nicht schlecht sein, ist es aber oft. Denn solche Hypes bleiben niemals folgenlos. In Deutschland ist es heute leichter, Staatsgeld für Sonnenkollektoren auf öffentlichen Schulen zu bekommen als für mehr Lehrer und bessere Schulbücher.
Die Sorge besteht: Wird, wenn die Welt sich auf ein Klimaprogramm verständigt hat, noch genug Geld da sein zur Bekämpfung von Aids und Malaria? Ein bestimmter Typus Politiker scheint jetzt wieder besonders erfolgreich zu sein. Jener, der Ängste mobilisieren und Emotionen schüren kann. Die Warner und Knutküsser haben Konjunktur.
Winand von Petersdorff-Campen Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.
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