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Klimaforschung „Kohle und Öl sind die Energieträger des 21. Jahrhunderts schlechthin“

Kohle und Öl bleiben auf Dauer billiger Schmierstoff für die Weltwirtschaft. Wer das Klima schützen will, sagt Ottmar Edenhofer, muss sie deshalb verteuern, mit Steuern oder durch den Emissionshandel. Ein Interview mit dem Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

© www.marco-urban.de Ottmar Edenhofer gehört zu den bekanntesten deutschen Klimaökonomen. Der 51-Jährige ist Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Direktor des neuen Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change sowie Professor an der Technischen Universität Berlin. Im Weltklimarat ist er als Ko-Leiter der Arbeitsgruppe zur Verringerung des Klimawandels der ranghöchste Deutsche. Auch berät er die Weltbank in Fragen grünen Wachstums.

Herr Edenhofer, seit Jahren wird über Klimaschutz verhandelt. Doch die Emissionen wachsen, die Temperatur steigt wohl auf Werte über dem als vertretbar geltenden Plus von 2 Grad. Versagen die Institutionen und die Instrumente?

So düster sehe ich das nicht. Die Verhandlungen wie jetzt wieder in Doha sind äußerst zäh, das stimmt. Aber der Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen bleibt politisch wichtig. Die UN stehen für Legitimität - aber nicht unbedingt für Effizienz. Daher muss man zugleich schauen, ob Verhandlungen im Rahmen jener 20 Staaten, die 80 Prozent der Klimagase ausstoßen, nicht produktiver wären. Deshalb sollte die internationale Gemeinschaft dringend auf mehreren Pfaden zugleich vorangehen. Bei aller Kritik am Emissionshandel, ein besseres Instrument haben wir nicht. Man muss es nur nachjustieren. Die Kernfrage bleibt, wie lange die Menschheit noch Öl und Kohle verbrennen will und in Kauf nimmt, dass die Ozeane versauern, die Atmosphäre belastet wird und viele Menschen unter den Folgen des Klimawandels leiden werden.

Vielfach wird Kohle durch emissionsärmeres Gas ersetzt. Seit die Vereinigten Staaten unkonventionelles Gas in riesigen Mengen fördern, sind die Kohlendioxid-Emissionen so stark gesunken, dass sie sogar ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll einhalten könnten.

Das ist eine Seite der Medaille. Der Shale-Gas-Boom führt dazu, dass die Vereinigten Staaten ihre Öl-Importe aus dem Nahen Osten drastisch reduzieren. Dann sinkt der Preis, und es kommen andere Konsumenten zum Zuge. Saudi-Arabien wird auf seine Einnahmen nicht verzichten wollen. Zum Zweiten wird Amerika die Kohle, die dort durch heimisches Gas ersetzt wird, verkaufen. Es könnte zum Nettoexporteur von Kohle werden. Am Ende ist mehr Kohlenstoff im System als vorher und damit letztlich mehr vom Treibhausgas CO2. King Coal ist nicht enttrohnt. Der Höhepunkt der Ölförderung ist nicht in Sicht. Kohlenstoffe sind der Energieträger für das 21. Jahrhundert schlechthin. Es wäre schön, wären die knapp, dann zwängen uns die Marktkräfte auf den Pfad der Tugend.

Infografik / Klimakonferenz Katar 2012 / Kohlendioxid-Ausstoß seit 1990 um 51 Prozent gestiegen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Was schlagen Sie vor?

Die Subventionen für den Verbrauch von Öl und Kohle, die es fast überall in der Welt gibt, müssen abgeschafft werden. Immerhin subventionieren wir CO2 im Schnitt mit 9 Dollar pro Tonne. Europa hat den Emissionshandel eingeführt, der den Verbrauch von Kohlenstoffen verteuert. Andere Staaten folgen: China und Südkorea denken darüber nach, Kalifornien hat ihn eingeführt, auch Australien. Die wollen ihr System mit dem europäischen verlinken, was gut wäre. Anderswo kommt ein Handelssystem nicht in Frage. Dort sollten die Staaten den Verbrauch von Kohlenstoffen besteuern.

Eine klimaschützende Wollmilchsau?

Ich habe mal eine Bierdeckelrechnung gemacht, die das Potential beschreibt. Nehmen wir einmal an, wir würden in Deutschland den Bundeshaushalt nur über eine CO2-Steuer finanzieren. Wir schafften alle anderen Steuern ab und verzichteten auf weitere Staatsverschuldung. Dann würde die so entstehende Einnahmelücke rechnerisch durch einen CO2-Preis von 500 Euro je Tonne geschlossen werden. Natürlich wird niemand die gesamten Staatsausgaben nur über eine CO2-Steuer finanzieren wollen, aber es veranschaulicht die Dimensionen. CO2 kann, ob durch Besteuerung oder Auktionierung von Emissionsrechten, ein neuer Faktor für die Staatsfinanzen werden. Es ist doch offenkundig sinnvoller, zusätzliche Finanzierungsspielräume durch die Besteuerung von schädlichem Verhalten zu finanzieren statt produktive Investitionen, Konsum oder Lohneinkommen zu besteuern. Vor allem für die Schwellenländer bietet eine CO2-Steuer eine zusätzliche Quelle zur Finanzierung notwendiger Infrastrukturausgaben. Investoren müssen überall auf der Welt einen Preis für Kohlendioxid berücksichtigen.

Zum Beispiel für Kraftwerke, die - einmal gebaut - 40 Jahre lang arbeiten?

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