30.01.2010 · Toyota war für sorgfältige Fertigung und wenig Pannen bekannt. Jetzt leidet das Image unter einer riesigen Rückrufaktion. Aber Rückrufe sind immer auch ein Zeichen, dass ein Hersteller seine Verantwortung wahrnimmt.
Von Holger AppelMan muss nicht nach Japan fahren, um die Erfolgsgeschichte von Toyota kennenzulernen. Ein Ausflug nach Stuttgart-Zuffenhausen reichte schon. Richtig, da steht keine Fabrik von Toyota, im Schwäbischen laufen die Sportwagen von Porsche vom Band. Die sind bekanntermaßen von höchster Qualität und seit geraumer Zeit auch mit beeindruckender Effizienz gefertigt. Wendelin Wiedeking hatte, als er seinerzeit als Retter von Porsche angetreten war, die Expertise der Japaner ins Haus geholt und die Fertigung des schlingernden Sportwagenbauers auch damit wieder in die Spur gebracht.
Die Japaner bauen schon seit Jahren ihre Autos nach engen Vorgaben. Der Grundgedanke: Alles kann verbessert werden. Darauf sind vom Manager bis zum Bandarbeiter alle Mitarbeiter eingeschworen. Materiallager sind teuer, also gibt es keine. Jeder Fertigungsschritt folgt taktgenau geplanten Vorgaben. Genau in dem Moment, in dem ein Teil in der Fertigung gebraucht wird, kommt es am Band an. Das müssen alle Lieferanten gewährleisten. Kurzum: Toyota will mit weniger Personal mehr Autos bauen als die Wettbewerber und dabei null Fehler produzieren. Fällt ein Fehler auf, wird die Produktion angehalten und das Problem beseitigt. Durch die strenge Qualitätskontrolle sollen teure Nacharbeiten überflüssig werden.
Das hat lange sehr gut funktioniert, so gut, dass Toyota den gleichzeitig schlecht geführten amerikanischen Hersteller General Motors vom Thron des größten Automobilherstellers der Welt gestoßen hat. Mit seinem Modell Camry hat Toyota um das Jahr 2000 herum die versammelte amerikanische Autoindustrie gedemütigt, als es ein Jahr nach dem anderen der meistverkaufte Personenwagen war. So war es auch 2009 wieder. Jetzt scheint den strengen Augen etwas entgangen zu sein. Die erfolgsverwöhnten Japaner, seit Jahr und Tag die Unauffälligkeit auf Rädern in den Pannenstatistiken, kämpfen mit angeblich klemmenden Gaspedalen. In den Vereinigten Staaten von Amerika, wo fast ausschließlich Automatikautos verkauft werden, ist das erst recht kein Spaß. Womöglich reicht der beherzte Tritt auf die Bremse nicht aus, wenn das Kupplungspedal den Kraftfluss nicht unterbrechen kann und der Motor weiter anschiebt. Mindestens ein schwerer Unfall soll schon darauf zurückzuführen sein.
Mit aller Vorsicht: Das kann so sein, muss aber nicht so sein. Amerika ist schnell bei der Hand, wenn es darum geht, Schuld auf den Hersteller eines Produkts abzuschieben. Audi kann davon ein Lied singen. Vor vielen Jahren gab es den Verdacht, die Autos aus Ingolstadt beschleunigten ungewollt von selbst. Bis heute ist das ebenso unwahrscheinlich wie ungeklärt, aber Audi hat sich in Amerika davon ewig nicht erholt. Zu denken gibt, dass sich die stolzen Mannen von Toyota nach dem Verkaufsstopp in den Vereinigten Staaten nun auch zu einem Rückruf in Europa entschieden haben. Das kann eine Vorsichtsmaßnahme zur Imagewahrung sein, es kann aber auch tatsächlich ein technischer Defekt vorliegen.
Für die Entscheidung ist das indes fast zweitrangig. Wer mit solch einem Vorwurf konfrontiert ist und ihn nicht umgehend entkräften kann, dem bleiben nur der Rückruf und die Reparatur in den eigenen Werkstätten. Auch wenn an Toyota – und in der Branche wohl auch an dem Zulieferer CTS – ein Makel hängenbleiben wird, Rückrufe sind auch ein Zeichen, dass ein Hersteller seine Verantwortung wahrnimmt. Es wird immer wieder vorkommen, dass trotz Millionen Testkilometern Defekte erst im harten Alltagsbetrieb auftreten. Unabhängig von den Kosten gibt es für Toyota & Co. dann nur eine Antwort: Wir schaffen das Problem aus der Welt. Sofort.
Verantwortung übernehmen
Erich Arnold (olderich)
- 30.01.2010, 20:14 Uhr
Todsicher?
Gerhard Rinker (GerdR)
- 30.01.2010, 21:41 Uhr
Ist mir ...
Frank Geiser (geiser123)
- 31.01.2010, 01:46 Uhr
Antworten
Günter Blümel (guenterbluemel)
- 31.01.2010, 08:56 Uhr
Grenzbereich
Horst Günther (MarkTwain)
- 31.01.2010, 09:30 Uhr
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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