26.04.2007 · Klaus Kleinfeld hat den Siemens-Konzern so entschlossen umgebaut wie keiner seiner Vorgänger. Richtig angekommen im Konzern ist er nie: Er galt als jugendlicher Störenfried im alteingesessenen Club der Mächtigen.
Von Marcus TheurerAm Mittwoch nachmittag, kurz nach 17 Uhr war für den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld die Uhr abgelaufen. Die Aufsichtsräte des Münchner Elektrokonzerns tagten noch, doch die brisante Personalie musste sofort an die Öffentlichkeit: „Kleinfeld verlässt Siemens“, meldeten die Nachrichtenagenturen um 17.19 Uhr als Eilmeldung.
Der Aufsichtsrat wolle die anstehende Vertragsverlängerung für Kleinfeld verschieben. Diese Hängepartie mache der Konzernchef nicht mit. Das Erdbeben war da. Wie eine Bombe hatte schon am Dienstag die Meldung eingeschlagen, Siemens-Aufsichtsräte suchten einen Nachfolger für Kleinfeld. Seitdem schien alles möglich zu sein.
Erfolgreicher Manager - in die Wüste geschickt
Kleinfeld hat sich nicht kampflos in sein Schicksal ergeben. Ohne Widerstand wollte er dem Druck seiner Gegner im Aufsichtsrat um Josef Ackermann von der Deutschen Bank und Gerhard Cromme von Thyssen-Krupp nicht weichen. Dienstag abend zog der Siemens-Chef die Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse des Konzerns vor. Sie waren wie erwartet glänzend. Der Schachzug sollte offensichtlich seine Widersacher unter Druck setzen. Die suggerierte Botschaft war eindeutig: Wie können die Konzernkontrolleure einen so erfolgreichen Manager in die Wüste schicken?
Kleinfelds Sturz wird wohl in die deutsche Unternehmensgeschichte eingehen. Derart schnell hat sich selten das Blatt für einen Topmanager gewendet. Noch am Wochenende erschien Kleinfeld als der Triumphator im Schmiergeld-Skandal, der seit Monaten den Konzern erschüttert. Der vor einer Woche angekündigte Rücktritt des Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer war allenthalben als Stärkung für Kleinfeld gedeutet worden. Pierer war nachgesagt worden, er sei mit so manchen Weichenstellungen seines Nachfolgers als Vorstandschef nicht einverstanden gewesen. Doch tatsächlich war Kleinfeld da schon angezählt.
Nie richtig angekommen
Es ist eine sarkastische Randnote, dass der jähe Abgang beim größten deutschen Industriekonzern zu diesem ungestümen Manager passt. Nur zwei Jahre hat sich Kleinfeld an der Siemens-Spitze gehalten. Richtig angekommen ist er nie in die konsensorientierten Welt der Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz. Sein Vorgänger Pierer, ein leutseliger Franke, galt als Diplomat in der Vorstandsetage, der stets den richtigen Ton fand. Ein lupenreiner Vertreter der deutschen Manager-Kaste alter Prägung.
Kleinfeld war ein Störenfried in diesem Club der Mächtigen, ein junger Wilder. Er war von Anfang an laut, impulsiv, manchmal ungehobelt. Gleich bei seiner Vorstellung als neuer Siemens-Chef versenkte er das Handy eines Journalisten, der kritische Fragen gestellt hatte, im Wasserglas. Das sollte ein Scherz sein. Doch Mitarbeiter und Öffentlichkeit wunderten sich das erste Mal über diesen trotz seiner mittlerweile 49 Jahren noch immer jugendlich wirkenden Kronprinzen.
Als kalter Abwickler am Pranger
Es blieb nicht dabei. In seinen zwei Jahren als Vorstandschef brachte Kleinfeld den trägen Industrietanker radikal auf Profitabilitätskurs. Unter ihm standen Sparten, die für längere Zeit die Zielvorgaben nicht erreichten, ohne Wenn und Aber zur Disposition. Die verlustreiche Handysparte, einst ein Vorzeigebereich des Konzerns und Lieblingskind Pierers, schob er kurzer Hand nach Asien ab. Der taiwanische Neueigner BenQ schickte die Sparte vergangenen Herbst in die Insolvenz. Vergeblich verwies Kleinfeld darauf, er sei nicht mehr für den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen im früheren Handygeschäft des Konzerns verantwortlich.
Fortan stand der Siemens-Chef endgültig als kalter Abwickler am Pranger. Als in den folgenden Monaten die Schmiergeld-Affäre über Siemens hereinbrach, war Kleinfeld nur noch in der Defensive, auch wenn ihm selbst bisher keine Verstrickung angelastet wird.
Kleinfeld hat sich hochgearbeitet
Vor seinem Amtsantritt hatte er dagegen als Wunderkind gegolten. Aus einfachen Verhältnissen stammend hatte sich der Bremer Arbeitersohn hochgearbeitet. Der Vater war früh gestorben, das Geld war knapp daheim. Doch Kleinfeld studierte Betriebswirtschaft, promovierte später. 1987 fing er bei Siemens an und stieg rasch auf.
Die Zeit, die Kleinfeld am meisten geprägt hat, waren seine Jahre in den Vereinigten Staaten. Von 2001 bis Ende 2003 leitete er das Amerikageschäft von Siemens und brachte es erfolgreich auf Vordermann. Er brachte mehr zurück nach Deutschland als nur seine Vorliebe für Cola light. Er wurde in seiner Radikalität der erste Siemens-Chef, der den Konzern konsequent nach amerikanischem Managementmuster führte. Alles musste auf einmal viel schneller gehen. Damit hat er viele im Unternehmen verstört.
Es heißt, vergangenen Herbst soll Kleinfeld der Chefposten beim amerikanischen Autokonzern General Motors angeboten worden sein. Es wäre verständlich, sagen Leute, die ihn gut kennen, wenn er nach dem Abschied von Siemens nun tatsächlich Deutschland den Rücken kehre.
Machtspiele
H.R. Jakob (mcjakob)
- 26.04.2007, 17:28 Uhr
Managerleistungen???
Dieter Linde (linde-buch)
- 26.04.2007, 17:29 Uhr
Klaus Kleinfeld - follow that man!
Fionn Huber (fionn)
- 26.04.2007, 18:37 Uhr
K. Kleinfeld, Das verstoßene Wunderkind?
Bernhard Bauer (berniebauer)
- 26.04.2007, 18:57 Uhr
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