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Veröffentlicht: 18.01.2016, 07:38 Uhr

Klage gegen Deutsche Bank Notenbanker wollen Schadensersatz von der Deutschen Bank

Der Devisenskandal bringt dem Geldinstitut neuen Ärger. Zwei Klagen auf Schadensersatz in London stehen bevor. Wurden sogar mächtige Zentralbanken zum Opfer?

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© Reuters Was tut sich bloß hinter diesen Fenstern?
 
Klage gegen Deutsche Bank: Notenbanker wollen Schadensersatz von der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank ist in viele Skandale verwickelt, doch dass europäische Notenbanker deshalb von Deutschlands führendem Geldinstitut Schadensersatz fordern, wäre ein Novum. Genau das aber sei der Fall, sagt Christopher Rother, Partner der amerikanischen Anwaltskanzlei Hausfeld in Berlin: „Zu den von uns vertretenen Mandanten aus Europa zählen neben Pensionsfonds, Großkonzernen und Geschäftsbanken auch Notenbanken“, sagte Rother in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

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Es geht um den seit zweieinhalb Jahren schwelenden Skandal um die Manipulation der Devisenmärkte. Internationale Großbanken mussten deshalb schon Geldstrafen in Milliardenhöhe bezahlen. Sie haben bei Devisengeschäften Wechselkurse zum Nachteil ihrer Kunden manipuliert, um selbst Profite einzustreichen.

Keine Stellungnahme von EZB

Zunächst konzentrierten sich die Ermittlungen der Aufsichtsbehörden in Europa und den Vereinigten Staaten vor allem auf Absprachen zwischen Händlern verschiedener Institute im hochgradig intransparenten Devisenmarkt. Eine Reihe neuer Schadensersatzklagen der Kanzlei Hausfeld zielen dagegen auf Softwaretricks im elektronischen Devisenhandel. Der Währungshandel ist mit Tagesumsätzen von mehr als 5 Billionen Dollar das größte Segment des globalen Finanzmarkts.

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Die Deutsche Bank, die in diesem Geschäft zu den Weltmarktführern zählt, kam im Devisenskandal bisher ungeschoren davon. Aber jetzt wächst auch an dieser Front der Druck: Die Kanzlei Hausfeld werde bis Jahresmitte zwei Schadensersatzklagen gegen das Institut in London einreichen, sagte Rother – und nach seinen Angaben glauben auch Notenbanken, die mit der Deutschen Bank im Devisenmarkt Geschäfte gemacht haben, von dem Institut geprellt worden zu sein.

In den Vereinigten Staaten hat Hausfeld im Devisenfall bereits zwei andere Sammelklagen gegen die Deutsche Bank angestrengt (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Januar). Rother sagte nicht, welche Notenbanken seine Kanzlei vertrete, doch zählten die Europäische Zentralbank und die Bundesbank nicht zu den Mandanten. „Wir prüfen den Vorgang“, sagte ein Bundesbank-Sprecher am Wochenende auf Anfrage zu den Vorwürfen gegen die Deutsche Bank. Die Bundesbank habe nicht vor, selbst zu klagen, bestätigte er. Von der EZB war keine Stellungnahme zu erhalten.

Scheu vor Aufarbeitung

Nach Darstellung der Deutschen Bank sind die Anschuldigungen substanzlos: „Wir weisen diese Vorwürfe zurück und werden uns dagegen vor Gericht zur Wehr setzen“, sagte ein Sprecher des Instituts auf Anfrage. Doch mit der Kanzlei Hausfeld hat die Deutsche Bank einen veritablen Gegner: Der New Yorker Kanzleichef Michael Hausfeld ist einer der renommiertesten amerikanischen Schadensersatzanwälte.

Hausfeld hat unter anderem nach der Havarie des Tankers „Exxon Valdez” Ölpest-Opfer vertreten und im Auftrag von Holocaust-Opfern gegen Schweizer Banken verklagt. Der Berliner Partner Rother leitete bis vor kurzem die Kartellrechtsabteilung der Deutschen Bahn. Im Devisenskandal hat Hausfeld vergangenen Sommer in Amerika bereits einen ersten Vergleich erstritten: Neun internationale Großbanken, darunter Barclays, Citigroup, Goldman Sachs und UBS, erklärten sich bereit, insgesamt mehr als 2 Milliarden Dollar zu zahlen. Die Deutsche Bank, die ebenfalls zu den Beklagten zählt, beteiligte sich nicht. Dieses Verfahren wegen mutmaßlicher Kartellabsprachen läuft weiter.

Im Gegensatz zu anderen Instituten scheue sich die Deutsche Bank – trotz aller Besserungsgelöbnisse – die Fehltritte der Vergangenheit aufzuarbeiten, sagt Rother: „Die spielen toter Mann.“ Jetzt legen die Schadensersatz-Jäger nach und beginnen eine neue Attacke gegen die Bank: Der Hausfeld-Anwalt Rother wirft dem führenden Kreditinstitut des Landes Manipulationen vor, die ähnlich dreist seien wie die des Volkswagen-Konzerns im Abgasskandal. Konkret geht es um die hauseigene Plattform des Geldhauses für den elektronischen Devisenhandel, welche die Deutsche Bank „Autobahn“ getauft hat.

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