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Kirch-Insolvenz Netzer erwirbt WM- und Bundesligarechte

10.10.2002 ·  Der Sportrechtehandel der insolventen KirchMedia wird auf Wunsch der Gläubiger an eine Investorengruppe um Günter Netzer verkauft.

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Günter Netzer ist seit Donnerstag einer der stärksten Männer im deutschen und internationalen Fußball. Denn die Sportrechte der insolventen KirchMedia, darunter die Rechte an der Fußball-Bundesliga und der WM 2006, wurden an eine Investorengruppe um den 58-jährigen ehemaligen Nationalspieler verkauft.

Der zwölfköpfige Gläubiger-Ausschuss segnete auf seiner Sitzung am Donnerstag in München den Verkauf ab. Der Kaufpreis liege im dreistelligen Millionen-Bereich, sagte KirchMedia-Geschäftsführer Hans-Joachim Ziems.

Keine Chance für Leo Kirch

Zum Sportrechte-Bereich der KirchMedia gehören die KirchSportAG in der Schweiz und die Buli GmbH in München, die die Rechte am WM- und Bundesligafußball halten. Die Entscheidung über den Verkauf der restlichen Teile der KirchMedia soll am 30. Oktober fallen.

Für einen Erwerb der Sportrechte hatte sich auch Leo Kirch selbst interessiert. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Stellvertreter Dieter Hahn wurde er als Drahtzieher hinter der Schweizer Investoren-Gruppe „Invison“ vermutet.

Auch der deutsch-französische Sportvermarkter „Sportfive“, in dem nach einer Fusion der ehemalige Kirch-Konkurrent und Bertelsmann-Ableger Ufa sports aufgegangen war, hatte Interesse signalisiert und wollte mitbieten. Dies bestätigte CEO Jean-Claude Darmon.

Fifa favorisierte Investoren um Netzer

Nun setzte sich aber erwartungsgemäß das Modell eines „Management-Buy-Out“ bei der KirchSport AG durch. Auch der Welt-Fußballverband Fifa favorisierte dem Vernehmen nach diese Lösung. Als Kaufpreis waren zuletzt Beträge zwischen 300 und 500 Millionen Euro im Gespräch.

Das Management um Netzer wird vom früheren adidas-Chef Robert Louis- Dreyfus als Finanzier unterstützt. Es erwirbt nun die Kirch Sport AG mit Sitz im schweizerischen Zug, die Buli GmbH, in er nach der Insolvenz im Sommer die Bundesliga-Rechte ausgegliedert wurden, und weitere Firmen.

„Das Gebot der Gruppe um Günter Netzer war eindeutig besser als das der Konkurrenz“, erklärte der vom Insolvenzverwalter eingesetzte Ziems. KirchMedia hatte für die Bundesliga-Rechte in dieser und der nächsten Saison je 290 Millionen Euro garantiert. Für die WM-Rechte 2006 ist über eine Milliarde Euro an die Fifa zu bezahlen

DSF und Sport1 nicht verkauft

Nicht im Paket sind der Spartensender DSF, für den sich nach wie vor der französische Eurosport-Betreiber TF1 interessiert. Gleichfalls nicht verkauft wurden vorerst der Internet-Anbieter Sport1, die Rechtefirma ISPR und die Datenfirma ISM.

Damit wird auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) warten, eine Option einzulösen, sich mit 25 Prozent am defizitären Sportsender DSF und dem Online-Sportkanal zu beteiligen. Dies will die Liga davon abhängig machen, wer die restlichen Anteile mit welchen Sportrechten hält.

ARD bemüht sich um Übertragungen

Damit ist aber noch keine Entscheidung gefallen, welche Sender künftig Bundesliga und / oder WM 2006 übertragen können. Darum bemühte sich die ARD, zügig ihre Zusammenarbeit mit Günter Netzer als TV-Kommentator bis 2006 zu verlängern. Offiziell soll die Vertragsverlängerung auf einer Pressekonferenz in der kommenden Woche verkündet werden.

Der 58 Jahre alte ehemalige Nationalspieler kommentiert die Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seit 1998 zusammen mit Gerhard Delling und hat dafür bereits den angesehenen Grimme-Preis erhalten.

Schlüsselpositionen für Netzer

Netzer hat somit als Rechteinhaber und Kommentator eine überragende Doppel-Position eingenommen. Dazu ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf: „Ich gehe davon aus, dass der Geschäftsmann Günter Netzer beide Bereiche auseinanderhalten kann.“

Von den Spielen in Japan und Südkorea hatten die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF nur 24 der 64 Partien übertragen.

DFB und DFL zufrieden

Die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs begrüßten im Vorfeld des Länderspiels der Nationalelf am Freitag in Sarajevo gegen Bosnien-Herzegowina den Deal mit dem Mitglied des Aufsichtsrates für die WM 2006.

„Damit ist die Wahl auf einen verlässlichen Partner gefallen. Im Grunde bleibt jetzt alles, wie es ist. Ich hoffe natürlich, dass auch in Zukunft möglichst viele Länderspiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei ARD und ZDF ausgestrahlt werden“, sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.

Auch Liga-Vorstandschef Werner Hackmann nahm die Kunde aus München positiv auf: „Ich gehe davon aus, dass die Bundesliga durch die Gruppe um Netzer professionell vermarktet werden kann. Wir haben jetzt Partner, die vom Geschäft mehr verstehen. Der deutsche Fußball wird davon profitieren.“

Keine kurzfristigen Änderungen

Die Fußball-Übertragungen im Fernsehen werden sich nach dem Verkauf an das Netzer-Konsortium vorerst nicht ändern. Das versicherten die DFL und der Bundesliga-Sender SAT.1. „Wir sehen das sehr entspannt. Die Entscheidung hat keinerlei Auswirkungen auf unser Bundesliga-Magazin ran. Es wird weiterhin samstags um 18 Uhr ausgestrahlt“, erklärte SAT.1-Sprecherin Kristina Faßler.

„Unser Partner hat jetzt einen neuen Gesellschafter, der finanziell besser da steht. Wir haben weitergehende Sicherheiten und befinden uns im ruhigen
Fahrwasser“, begrüßte DFL-Direktor Wilfried Straub den neuen Bundesliga-Deal.

Film- und Fernsehgeschäft noch nicht vergeben

Nachdem die Sportrechte vergeben sind, verbleiben im Rennen um den Filmrechtehandel und den TV-Konzern ProSiebenSAT.1 noch drei Konsortien. Die Commerzbank bestätigte am Donnerstag, dabei die Seiten gewechselt zu haben. Das Kreditinstitut schloss sich dem Konsortium um die Altgesellschafter an.

Bisher hatte die Commerzbank gemeinsam mit dem US-Studio Columbia geboten. „Dieses Bündnis konnte nicht konkurrenzfähig bieten“, sagte ein Commerzbank- Sprecher in Frankfurt.

Die Chancen des Altgesellschafter-Konsortiums mit der US-Bank Lehmann Brothers, dem saudischen Prinz Al Walid und dem Handelskonzern Rewe dürften mit der Unterstützung eines deutschen Kreditinstituts jetzt gestiegen sein.

Gebote liegen eng aneinander

Daneben sind derzeit auch noch der Hamburger Bauer-Verlag und der Springer-Verlag mit der HypoVereinsbank sowie der französische Fernsehsender TF1 und der US- Milliardär Haim Saban im Rennen. Columbia wird sich voraussichtlich in den nächsten Tagen noch dem Bauer-Bündnis anschließen.

Die derzeitigen Gebote liegen laut Branchenschätzungen bei etwa zwei Milliarden Euro. „Sie liegen alle sehr nah aneinander“, sagte Ziems. Es gebe keinen Sympathie-Bonus, die Entscheidung Ende Oktober werde sich vor allem am Preis orientieren.

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