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Kinderbetreuung : Raus aus der Kita-Warteschlange

Lange Schlange vor Leipziger Kita: Ineffiziente Mehrfachbewerbungen sind einer der Punkte, die die Forscher vermeiden wollen. Bild: dpa

Das Thema bewegt junge Eltern wie kaum ein anderes: Kriegen wir einen passenden Kita-Platz? Nicht nur Juristen finden, dass es beim Verteilen der Plätze manchmal ziemlich ungerecht zugeht.

          Der viel diskutierte Leipziger Kita-Streit ist erst einmal beigelegt: Beide Parteien einigten sich am vergangenen Freitag außergerichtlich. Mehrere Frauen hatten zuvor geklagt, weil sie viel zu spät einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen hatten und ihnen dadurch ein Verdienstausfall entstanden war. Anspruch auf Schadenersatz haben sie, so viel ist schon länger klar. Zuletzt war es um die Frage gegangen, ob die Stadt Leipzig auch Schuld daran trägt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Eine schnelle, gerechte und effiziente Verteilung von Betreuungsplätzen ist nach Einschätzung von Fachleuten das nächste große Kapitel, das es beim Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland zu beackern gilt. Denn die Zuteilung von Kitaplätzen ist nicht nur in Leipzig, sondern auch in vielen anderen deutschen Großstädten trotz Rechtsanspruch weiter ein Problem. Eines, dem sich zunehmend auch Ökonomen widmen: Am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gibt es eine neue Forschungsgruppe, die sich unter anderem damit beschäftigt, die Verteilung von Kita-Plätzen effizienter zu machen.

          So funktioniert der Kita-Verteil-Algorithmus Bilderstrecke

          Zwar mag Leipzig ein Extremfall sein, weil die Stadt durch stark steigende Geburtenzahlen und Zuzüge eine besonders große Lücke zwischen Kitaplatz-Angebot und Nachfrage hat: Im Mai standen vor einer einzelnen neuen Kita hunderte Menschen an, sodass die Polizei einschreiten musste. Und nach Angaben des zuständigen Sozialdezernenten Thomas Fabian müssen noch 1000 zusätzliche neue Plätze geschaffen werden, um den Bedarf zu decken. Doch auch anderswo müssen Eltern oft monatelang zittern, bis sie wissen, ob ein Betreuungsplatz für ihr Kind zur Verfügung steht, wie nah dieser an ihrem Wohnort ist und ob die Einrichtung lange genug geöffnet hat, damit sie ihrem Beruf nachgehen können.

          Die Marktdesigner des ZEW wollen nun interessierte Städte dabei beraten, ein zentrales Vergabesystem für Kitaplätze einzuführen. Städten, die schon zentrale Systeme haben, wollen sie helfen, diese zu verbessern. „Wir können zwar nicht mehr Kitaplätze schaffen“, sagt Thilo Klein, der innerhalb der ZEW-Forschungsgruppe für das Kitathema verantwortlich ist. „Aber wir können Familien und Kitas dabei unterstützen, die vorhandenen Plätze optimal zu nutzen.“ Schließlich funktionieren von Ökonomen entworfene Verteilsysteme in anderen Ländern schon ziemlich gut – zum Beispiel beim Zuordnen von Schülern zu Sekundarschulen in England oder New York, oder beim Verteilen von Lehrpersonal in Frankreich.

          Kein einheitliches System

          Wie genau Familien und Kitas zusammenfinden – dafür gibt es in Deutschland kein einheitliches System. Oft müssen sich Eltern schon kurz nach der Geburt eines Kindes um die begehrten Plätze bewerben. Mal müssen sie bei den Kitas einzeln vorbeigehen, mal ein Sammel-Formular ausfüllen. In manchen Städten gibt es auch schon elektronische Plattformen, zum Beispiel das „Kindernet“ in Frankfurt, den „Kita Navigator“ in Düsseldorf oder „Kivan“ in Leipzig. „Die meisten Portale machen aber elektronisch genau dasselbe, was früher auf gedruckten Listen stand“, sagt Klein. „Nur wenige haben ein dahinterliegendes System, das berechnet, welche Kita welcher Familie ein Angebot machen sollte.“ Der Rechtsanwalt Klaus Füßer, der zwei Leipzigerinnen im aktuellen Streit vertreten hat und Städte hinsichtlich der Kita-Platzverteilung berät, schätzt, dass maximal 20 Prozent der Großstädte ihre Kita-Bewerbungen überhaupt über eine Internetplattform abwickeln. „Ein noch kleinerer Teil nutzt schon Verteil-Algorithmen“, sagt er. „Aber das Interesse wächst.“

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