07.04.2007 · Beim Krippenstreit offenbaren sich drei Modelle: Zum einen könnte der Staat die Krippen bauen - oder er gibt Direktzahlungen oder Betreuungsgutscheine an die Eltern. Welche Option ist die beste?
Von Tim HöfinghoffWenn es um die Krippen geht, scheint der Handlungsdruck enorm: „Ohne jeden Zweifel“, bestätigt Gert Wagner, Volkswirtschaftsprofessor an der TU Berlin, „der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß.“ Es gebe Wartelisten für Krippenplätze. Auch wenn Familienministerin Ursula von der Leyen ihre Krippenoffensive mit diesem Argument vorantreibt: Unter Ökonomen ist umstritten, wie hoch der Bedarf an Krippen ist.
Außerdem streiten sie darüber, wo das zusätzliche Geld herkommen soll. Und: Wer soll es konkret bekommen? Zumal es für die Familienförderung schon viele Zulagen, Steuererleichterungen und Extras gibt, die sich im vorigen Jahr auf 184,4 Milliarden Euro summierten. Kein Wunder, dass Kritiker im Krippenprogramm nur ein neues Subventionsprogramm sehen.
Zur Finanzierung der neuen Krippen gibt es viele Möglichkeiten: Nicht nur das Ehegattensplitting steht zur Debatte. Auch die geplante Erhöhung des Kindergeldes ließe sich kassieren.
Drei Modelle im Krippenstreit
Beim Krippenstreit offenbaren sich drei Modelle: Zum einen könnte der Staat die Krippen bauen. Die zwei anderen Optionen lauten: Der Staat gibt Direktzahlungen oder Betreuungsgutscheine an die Eltern.
Krippenbefürworter argumentieren, dass im Bildungsmarkt der Wettbewerb nicht funktioniert. Daher müsse der Staat das Geld der Bürger einsammeln und Krippen finanzieren. Der Vorteil: Mütter würden nach der Geburt ihrer Kinder schneller als bisher wieder in den Job einsteigen. Das Wissen und die Berufserfahrung der Mütter sollen eben nicht länger ungenutzt bleiben. Viele Ökonomen plädieren jedoch für mehr Wahlfreiheit: Hat der Staat schon Geld zu verteilen, dann sollte es den Eltern selbst überlassen sein, wie sie ihre Kinder aufziehen und die Betreuung finanzieren. Würden die Eltern Direktzahlungen vom Staat bekommen, könnten sie entscheiden, ob sie davon Windeln kaufen, eine Tagesmutter bezahlen oder einen Krippenplatz finanzieren. Doch diese Idee wehren Politiker gerne ab - so viel Freiheit scheint untauglich. „Ich frage mich, warum die Krippenbefürworter nicht stärker auf das Gutscheinsystem setzen“, sagt Ökonom Wagner. Jede Familie mit kleinen Kindern bekommt Voucher, mit denen sie Tagesmütter, Krippen oder andere Betreuungseinrichtungen bezahlen. Zwar haben davon Eltern wenig, die ihre Kinder daheim aufziehen. Doch die Wahlmöglichkeiten steigen. Und die Eltern können die Steuergelder nicht für andere Zwecke ausgeben.
Freie Bürger - Freie Wahl !
Wolfgang Maison (w.maison)
- 08.04.2007, 00:35 Uhr
Krippen-Vielfalt und Krippen-Kosten
Eckhard Behrens (ebehrens)
- 09.04.2007, 02:38 Uhr
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