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Kinderbetreuung Kommerzielles Kinderhüten

Die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen ist riesig. Trotzdem wagen sich nur wenige private Investoren wie ein Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet auf den Markt. Ein Wust von Vorgaben schreckt viele ab.

© dapd Vergrößern Mehr Nachfrage als Angebot: Noch immer fehlen 220000 Kita-Plätze

Oliver Wirfs verdient sein Geld mit Kindern. Vor rund drei Jahren gründete der Diplom-Kaufmann die „Glückskinder GmbH“ in Hofheim, einer Stadt im Frankfurter Speckgürtel. Wer sein Kind in Wirfs’ Einrichtung unterbringen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ein Ganztagesplatz in der Krippe samt Vollverpflegung kostet 760 Euro im Monat, der Kindergartenplatz schlägt mit 440 Euro zu Buche. Trotz des stolzen Preises kann sich Wirfs vor Anfragen kaum retten, alle 60 Plätze in seiner Einrichtung sind ausgebucht. „Aus unternehmerischer Sicht ist die Nachfrage gigantisch groß“, sagt der Geschäftsführer. „Ginge es nur nach meiner Reservierungsliste, könnte ich die Zahl der Plätze verdoppeln.“ Anfang Oktober eröffnete Wirfs eine zweite Einrichtung im Rhein-Main-Gebiet. Auch diese bietet längere Öffnungszeiten und eine mehrsprachige Erziehung. Auch diese war bereits vor dem Start ausgebucht.

Christoph Schäfer Folgen:      

Überraschend ist das nicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fehlten in Deutschland zuletzt noch immer 220.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige. Um den Bedarf zu decken, müssten die vorhandenen Kapazitäten um 40 Prozent ausgebaut werden. Die Not ist groß, und die Zeit drängt: Anfang August erhalten alle Eltern, deren Kind älter als zwölf Monate ist, einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs.

Schwierigkeiten bei Standortsuche

Angesichts dieser Rahmenbedingungen hätten Investoren aus der Privatwirtschaft allen Grund, in den Markt der Kinderbetreuung einzusteigen. Wie wenige kommerzielle Anbieter das aber tatsächlich machen, zeigt eine andere Erhebung des Statistischen Bundesamtes. Demnach hat sich die Zahl der privaten Kindertagesstätten seit dem Jahr 2007 zwar fast verdoppelt, dennoch werden von den 52.000 Kitas und Kindergärten in Deutschland lediglich 1014 als privatgewerbliche Unternehmen geführt. Die anderen 98 Prozent der Einrichtungen sind zu einem Drittel in kommunaler Trägerschaft. Zu zwei Dritteln gehören sie freien Trägern wie der Caritas, der Diakonie oder dem Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die Frage liegt nahe, was private Investoren davon abhält, trotz zahlungswilliger Eltern und riesiger Nachfrage eine Kita zu eröffnen. „Eine ganze Reihe von Gründen“, antwortet Kita-Betreiber Wirfs. Die Probleme begännen schon bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. „Eigentlich sind Kitas traumhafte Mieter“, sagt der Kaufmann. Die Mietverträge in der Branche liefen meist länger als zehn Jahre. Zudem könne der Vermieter sehr sicher sein, am Ende des Monats an sein Geld zu kommen; auch weil die Auslastung fast aller Kitas das ganze Jahr über hoch ist. „Dennoch legen 99 Prozent der Makler das Telefon auf, wenn wir an einem Bürostandort das Erdgeschoss mieten wollen“, berichtet Wirfs aus eigener Erfahrung. 40 Standorte habe er besichtigt, bevor er eine Immobilie für seine „Glückskinder“ fand. 30 davon hätte er gerne gemietet, doch nur für eine habe er am Ende den Zuschlag bekommen. Die meisten Makler lehnten aus Sorge um die anderen Hausbewohner ab. „Die Anwaltskanzlei kann im Sommer eben nicht mehr ihre Fenster aufmachen, wenn wir etwas tiefer unser Außengelände aufmachen.“

Viele Vorschriften verlangen Fleiß und Ausdauer

Viele Gründungswillige werden zudem durch einen Wust an Vorgaben abgeschreckt. „Selbst als Diplom-Kaufmann habe ich vier Monate gebraucht, um mich durch alle Vorschriften zu arbeiten“, sagt Wirfs. Am Ende wusste er, wie weit die Handtuchhalter aus hygienischen Gründen auseinanderliegen müssen und welche Rutschklasse die Bodenfließen im Badezimmer mindestens haben müssen. „Da muss man schon sehr überzeugt sein von seiner Idee, um durch dieses Tal der Tränen zu gehen.“ Fleiß, Ausdauer und eine geeignete Immobilie seien aber immer noch nicht alles, sagt Wirfs. Ohne einen Fürsprecher in der kommunalen Verwaltung gehe ebenfalls nichts. „Wenn der Bürgermeister Sie in seiner Stadt nicht haben will, werden Sie es nicht schaffen.“

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Veröffentlicht: 02.01.2013, 20:43 Uhr

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