07.04.2012 · Sollen Eltern, die ihr Kind nicht in eine Krippe geben, ein Betreuungsgeld vom Staat erhalten? Der Zeitgeist ist strikt dagegen und sucht das Heil in der Krippe. Aber jeder will Geld vom Staat.
Von Rainer HankRichtlinien für Lesermeinungen
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Wirschaftspolitik ist auch nicht alles
Das ist ja ganz nett zu lesen, dass einmal nicht die Krippe zur
alleinseligmachenden Veranstaltung erklärt wird. Aber allein der
Wirtschaftsliberalismus und die Herrschaft der Marktpreise hilft auch
dem gläubigen Neoliberalen hier kaum weiter.
Das Problem ist doch, salopp gesagt, dass sich viele Mitglieder der
Mittelschicht eben keine oder wenn nur ein Kind leisten wollen oder
können. Da gibt es viele Gründe – aber auch ein Menge
materielle. Dummerweise mag der Staat oder die Gesellschaft jetzt nicht
sagen: "Super, ganz marktkonform: Kinder sind eben sehr teuer und
bringen den Eltern keinerlei finanziellen Nutzen. Sehr clever, wenn ihr
keine wollt!"
Und solange man diese Konsequenz nicht tragen will, muss man do wohl
weiter drum herumdoktern
Wenn ein gutes Gelingen der Lebensabschnitte resultiert,kann man von einem Glück sprechen.
Für die Zeitabschnitte des Kindes,des Schülers,des ggf Studierenden ist je nach Phase von Begriffen wie Betreuung, Kita,Kindergarten,Schule,Ausbildung,Hochschule die Rede.Wo geschieht eigentlich noch kindgerechte Erziehung und später Selbsterziehung im Studium? Erziehung und Entwicklung ist nie zeitlinear hinzubekommen.Wenn man heute manche Erwachsene anguckt,die heute in z.B.auch in Managementfunktionen sind,wo es auch auffällig werden kann,fragt man sich ,ob diese je eine gute Kindererziehung erlebt haben.Da werden Dinge ausgelebt,die auf frühkindliche Störungen hinweisen,die besonders in kritischen Situationen an die Oberfläche kommen(siehe Jürgen Geissler,"Psychologie der Karriere",Neurosen im Beruf und ihre Überwindung.)Ich finde,dass vor allem Erziehung in den Kinderjahren gefördert werden soll.Wie das am besten geht ,gibt es sicherlich verschiedene Wege,das Urvertrauen eines Kindes sollte dabei nicht nachhaltig beschädigt werden.- Schwierig zu beantworten.-
Der Staat soll eine vernünftige Kindererziehung unterstützen.
Ob das durch das Betreuungsgeld oder auf anderen Wegen geschieht. Warum
ist die familiäre Umgebung so wichtig ist, schreibt Herr. Prof.
Hüther.
Elterliches Engagement gehört anerkannt und gefördert
Danke, Rainer Hank. Wir brauchen dringend mehr finanzielle Wertsetzung
für elterliches Engagement in Form von Liebe, Bindung und
familiärer Kindererziehung. Eltern bieten die wichtigste Basis der
emotionalen Bildung, und sie müssen sich leisten können,
für ihre Kinder da zu sein.
Wesentliche Leidtragende elterlicher Armut sind die Kinder, m.E.
insbesondere, wenn sie in Krippen betreut werden. Ihnen bleibt ein
für ihre emotionale Entwicklung existentieller Faktor für
viele Stunden am Tag vorenthalten: Die emotional-verbindliche liebevolle
elterliche Zuwendung als bedeutsame Grundlage der Entwicklung einer
kompetenten Stressregulation sowie eines positiven Selbstwerts.
Persönlichkeitsmerkmale, die man als späterer Erwachsener
für die dauerhafte Bewältigung der Berufssphären sowie
emotional-kompetente liebevolle Elternschaft gut brauchen kann.
Viele Familien brauchen heute 2 Vollverdiener, um einen Lebensstandard
deutlich über Hartz IV zu erreichen. Diese Tatsache ist traurig,
aber wahr. Daher müssen für diese gute und ausreichend lange
geöffnete Krippenplätze verfügbar sein.
Ansonsten sind Krippen für Kinder verwahrloster Familien meist
besser als der Aufenthalt zu Hause. Bei intakten Migrantenfamilien
reicht dagegen ein rechtzeitiger Sprachkindergarten vor der 1. Klasse.
Auch in einer guten Kita kann ein Kleinkind bei weitem nicht so gut
gefördert werden wie von seiner Mutter in einer intakten Familie.
Damit müßte das Betreuungsgeld auf diese beschränkt
werden. Leider ist dies juristisch und praktisch unmöglich.
Eine Kita ist damit eine mäßige bis schlechte Notlösung.
Leider manchmal nötig, aber immer die zweitbeste Lösung. Die
Verherrlichung kollektiver Fürsorge und Erziehung ist teils
fragwürdig, teils verdächtig.
Die pauschale Annahme, dass Kinderglück in der Krippe liegt, und dass Kinder, die zuhause erzogen werden, nur vor dem Fernseher verlottern, während sich ihre arbeitsunwilligen Mütter vom Betreuungsgeld einen schönen Lenz machen (von 150 Euro? Ha!) ist eine Frechheit gegenüber allen Müttern (oder Vätern, die in dieser Diskussion kaum vorkommen), die sich Mühe damit geben, mit Zuwendung und Kreativität eine zukunftsfähige Generation von jungen Menschen heranzuziehen. Wer sich dafür entscheidet, sich zumindest während der ersten Lebensjahre seinen Kindern zu widmen, sollte nicht zusätzlich zu finanzieller Benachteiligung auch noch sozial stigmatisiert werden, in dem er oder sie als arbeitsunwillig oder unzeitgemäß hingestellt werden.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.04.2012 10:21 UhrVolle Zustimmung
Elterliche Erziehungsarbeit wird nicht nur mit bestimmten Begriffen
gezielt herabgewürdigt ("Herd- oder
Verdummungsprämie"), sie wird auch für viele Familien
finanziell erschwert bis verunmöglicht, weil die
Kinderalltagskosten privatisiert sind - im Gegensatz zu den Altenkosten.
Bedauerlicher Weise sind es nicht nur einzelne bornierte Männer,
die so reden, sondern gibt es auch viele Frauen in Politik und Medien,
die sich im Kielwasser des "Fossilfeminismus"(dessen
Protagonistinnen großenteils gewollt kinderlos blieben und die
selbstverständlich von den Kinderen der anderen ihre
großzügigen Altersbezüge annehmen) an die Spitze der
Elternfeindlichkeit stellen und z.B. derzeit sogar noch gegen das
winzige bisschen Betreuungsgeld polemisieren.
Wir brauchen umgehend ein Kindergrundeinkommen, eine Wertsetzung
elterlicher Erziehungsarbeit, ein Familiensplitting und einen Abbau der
einseitigen Subventionierung der staatlichen Tagesgruppenbetreuung
für Kinder von 0 - 3 Jahren.
Was ist denn das für eine verquere Logik? Hier geht es doch nicht um Marktversagen. Natürlich funktioniert der Markt. Allerdings bleiben bei der Marktlösung Gering- und Nichtverdiener außen vor, da diese die "Marktpreise" für die Kinderbetreuung nicht bezahlen können. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus Thüringen - Kindergrippen-Kinder haben einen körperlichen und geistigen Vorsprung gegenüber zu hause betreuten Kindern - ist es doch besser Kindergrippen zu subventionieren anstatt (wie es doch oft ist) Eltern auch noch Geld dafür zu geben, ihre Kinder Nachmittags vor den Fernseher zu setzen.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.04.2012 21:22 UhrHerr Vogts,
sind sie eventuell zu „studiengläubig“. Wer hat diese Studie durchgeführt, wie war das Design der Studie, was waren die Zielparameter, wie wurden die Vergleichsgruppen gebildet, was waren die vorab definierten statistischen Auswertungsverfahren, usw.? Die große NICHD-Studie in Nordamerika, die den Lebensweg der Kinder schon über 15 Jahre beobachtet, zeigt andere Ergebnisse. Dort zeigen sich in den kognitiven Leistungen bei Kindern aus gehobenen Schichten keinerlei Unterschiede, Kinder aus asozialen Verhältnissen haben Vorteile durch Kinderkrippen und Kindergärten. Das dissoziale Verhalten von Kindern, die frühkindliche Fremdbetreuung hatten, ist aber auch in 15. Lebensjahr noch bei allen Vergleichsgruppen meßbar. Man kann Eltern, für die es finanziell machbar ist, nur raten, Kleinkinder zumindest in den ersten 3 Jahren in der Familie intensivst zu betreuen.
Dass das Recht auf frühkindliche Fremdbetreuung ab 2013 besteht soll,
kann man akzeptieren. Dr. Rainer Böhm schrieb am 4.4. in der FAZ
über die Wirkungen langer außerhäuslicher Betreuung in
Krippen: „Das zeigt sich dann später in dissozialem
Verhalten: Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen,
Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten begehen, Grausamkeit, Ungehorsam
und häufiges Schreien.“ Das passt dazu, daß bei diesen
Kindern abnormale Cortisoltagesprofile nachgewiesen werden,
unabhängig von der Qualität die Betreuungseinrichtung.
Bei Vorliegen von solch klaren Befunden, ist es unverantwortlich, die
arbeitende Mutter und die frühkindliche Betreuung als das zu
favorisierende Familienbild zu fördern. Das Betreuungsgeld sollte
eher der Standard, die Kinderkrippe die Ausnahme sein. Aber
Kinderinteressen haben hier gegen die Industrie und gegen die
VerfechterInnen „moderner“ Familienstrukturen keine Chance.
Ich nenne dieses Programm und die Zielsetzung unverantwortlich.
p.s. betrachtet man die Symptome, denkt man sofort an ADHS.
In der Tat, das ist Irrsinn hoch 3. Warum sollen Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen Säufer und Zigarettenraucher sein? Woher haben die Menschen die so etwas behaupten ihre "Weisheit"? Gerade diese, die so etwas behaupten, einschließlich ministerialer Behauptungen, müssen sich demnach ihrer Eltern schämen. Denn zu der Kindheit dieser Meinungsbesserwisser, gab es bekanntlich noch keine Kitas in diesem Ausmaß. Spaß beiseite. Der Staat muss anfangen sich neu zu bilden und auf seine eigentlichen Aufgaben besinnen. Bilden hinsichtlich darin, dass er nicht in allem und jedem sich einmischen darf. Seine eigentliche Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass der Familienvater als Alleinverdiener steuerlich und von den Sozialbeiträgen, anhand der Anzahl der Kinder, entlastet wird. Beispielgebend ist Frankreich, wo Eltern ab dem 3. Kind Steuerfreiheit erlangen. Subsidiarität ist angesagt. Dem muss sich der Staat beugen.
Die Gefahr besteht auch darin, dass mittlerweile kein Bereich mehr
ausgenommen ist, subventioniert zu werden. Dies verfestigt doch nur das
Anwachsen des Anspruchdenkens, will man doch dabei sein, wenn Geld mit
der Gießkanne verteilt wird.
Warum soll z.B. die Hausfrau, die partout keiner
außerhäuslichen Arbeit nachgehen möchte, subventioniert
werden? Das ist und bleibt nicht vermittelbar. Kindertagesstätten
einzurichten ist löblich und notwendig. Aber bitte keine
Staats-Kitas. Wenn Arbeitskräfte rar werden, ist die Zeit gekommen,
dass sich der Staat zurück hält. Warum sollen Unternehmen sich
an der Finanzierung von Kitas somit nicht beteiligen oder gar selbst
solche einrichten, wie es sie früher bereits gab?
das würde im grunde reichen. allerdings: für ELTERN, nicht für ehepaare. ich habe quasi null steuervorteil, darf aber schön unterhalt zahlen. für einen single ohne kinder muss im unterschied zu einem single mit kind der einkommensunterschied bei mindestens zehn prozent des verfügbaren netto liegen. ansonsten ist der anreiz zu gering. bezogen auf ein netto von 2000 wurde mir von kolleginnen gesagt, bei 500 euro netto unterschied würden sie die sache ernsthaft angehen, vorher nicht. das wären dann 1750 zu 2250 gehalt am monatsende.
Rainer Hank Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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