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Kim Schmitz Ein selbsternannter Star

 ·  Die amerikanischen Behörden sprechen im Fall Megaupload vom größten Schlag gegen Raubkopien im Internet - und im Mittelpunkt steht ein Deutscher. Der schillernde Internet-Unternehmer Kim Dotcom machte einst Schlagzeilen mit Partys und Straßenrennen.

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Das letzte für alle sichtbare Lebenszeichen von Kim Schmitz ist gut drei Wochen alt und steht auf der Videoplattform Youtube. Dort feiert sich der Internetunternehmer selbst, weil er in dem Kriegsvideospiel „Modern Warfare 3“ nach eigenen Angaben den ersten Platz unter mehr als 15 Millionen Onlinespielern belegt hatte. „Hasst mich nicht, weil ich Euch schlage“, schrieb Kim Schmitz unter das Video, „respektiert mich weil ich Euch etwas lehre“.

Wenn man so will, spiegeln die Sätze unter dem Internetvideo die Sehnsucht, die Kim Schmitz zu hegen scheint, seitdem er in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Internetunternehmer zum ersten Mal auf der Bildfläche erschien. Stets suchte er nach Anerkennung, und stets versuchte er sie als Unternehmer im Netz zu erreichen. Wenn das Wort „schillernd“ zu einem passt, dann wohl zu Schmitz. Das fängt bei dem Lebenswandel des Mannes an, der am heutigen Samstag 38 Jahre alt wird: große Häuser, schnelle Autos und schöne Frauen. Und das hört noch lange nicht auf bei den vielen Namen, die er sich selbst gab. Von „Kim Dotcom“, wie er sich zuletzt nannte, über „Kim Tim Jim Vestor“ bis hin zum Pseudonym „Dr. Kimble“ nach der Hauptfigur aus der amerikanischen Fernsehserie „Auf der Flucht“.

Auf der Flucht ist Kim Schmitz nun nicht mehr, doch scheint seine Suche nach Erfolg ein Ende gefunden zu haben: Am Donnerstag wurde Schmitz zusammen mit sechs anderen Betreibern der Datentauschplattform megaupload.com in Auckland, Neuseeland, festgenommen. Mit seinem Unternehmen soll er massiv die Urheberrechte gebrochen haben, weil auf den Megaupload-Servern illegale Kopien getauscht wurden. Von „organisierter Kriminalität“ ist die Rede.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schmitz in einer Sackgasse landet. Gestartet als Hacker in den neunziger Jahren brüstete er sich schon früh damit, in die Netzwerke der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, des Pentagons oder der Citibank eingedrungen zu sein. Gerüchten zufolge knackte er auch die Rechner von Telekommunikationsunternehmen und verursachte dort mehrere Millionen Mark Schaden. Um wieder freigelassen zu werden, soll er mit dem Verfassungsschutz kooperiert und andere Hacker verraten haben, geht die Legende weiter.

Rechtskräftig verurteilt wurde Kim Schmitz dann vor bald acht Jahren. Das Amtsgericht München verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße über 100000 Euro, weil er sich des Insiderhandels schuldig gemacht hatte. Vorausgegangen war eine Geschichte, wie sie nur die kurz zuvor geplatzte Blase am Neuen Markt zustande bringen konnte. Schmitz war beim in Schieflage geratenen niederländischen Internethändler letsbuyit.com eingestiegen. Kurz darauf signalisierte er dem damaligen Vorstandsvorsitzenden, 1,15 Millionen Euro investieren zu wollen. Das Unternehmen gab eine Adhoc-Meldung raus, der Aktienkurs stieg um 100 Prozent, und Kim Schmitz verkaufte seine Anteile mit Gewinn.

Ein klarer Fall von Dummdreistigkeit? Er führe seine Geschäfte sehr klug, verlautet aus der deutschen Musikindustrie, die zu den Branchen zählt, die Schmitz nun mit der in Hongkong registrierten Megaupload Ltd. laut Anklage geschädigt haben soll. Eigentlich sollte das Unternehmen Schmitz’ Rückkehr ins große Geschäft einläuten. Und Schmitz tat alles dafür, sein neues Geschäft in einem sauberen Licht erscheinen zu lassen. Er überzeugte Schauspieler wie den Oscarpreisträger Jamie Foxx oder Musiker wie Will.i.am, PDiddy und Kanye West, für Megaupload Zeugnis abzulegen.

In einem Werbelied schwärmten die Künstler von der Schnelligkeit und der Leistungsfähigkeit des Datenaustauschdienstes. Dass ihre eigenen Filme und Musikwerke über genau diesen Dienst kostenlos heruntergeladen werden konnten, schien ihnen erst später aufzufallen. Es kam zwar zu einem Gerichtsverfahren, und der „Megaupload-Song“ wurde auf Youtube gelöscht, doch später stellte Schmitz ihn höchstpersönlich wieder auf seine Youtube-Seite.

Der nun in Haft sitzende Unternehmer tritt darin auch selbst auf. In einer Passage erklärt er mit starkem deutschen Akzent auf Englisch die Vorzüge seines Unternehmens: 1 Milliarde Nutzer insgesamt, 50 Millionen Zugriffe am Tag und ein Datenfluss, der 4 Prozent des gesamten Internet ausmache. „It’s a hit“, ruft Schmitz zu leichten Gitarrenklängen ins Mikrofon. Doch der Mann, der damit zum Star werden wollte, ist vom Himmel gefallen.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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