22.11.2009 · Die Karstadt-Quelle-Bank informierte ihre Kreditkartenkunden als erstes Institut über „Unregelmäßigkeiten“ in Spanien. Vorstandmitglied Theodor Knepper spricht über die Taktik organisierter Krimineller und die Reaktion der Kunden.
Die Karstadt-Quelle-Bank informierte ihre Kreditkartenkunden als erstes Institut über „Unregelmäßigkeiten“ in Spanien. Vorstandmitglied Theodor Knepper spricht über die Taktik organisierter Krimineller, die Reaktion der Kunden, Probleme mit dem Firmennamen und warum er glücklicher ist als manch anderer in der Finanzbranche.
Herr Knepper, „Deutschlands dümmste Bank“ ist schon gekürt. Ihr Institut wäre ein heißer Anwärter im Wettbewerb um den Titel „Deutschlands glückloseste Bank“.
Nein. Wie kommen Sie denn darauf?
Wahrscheinlich irritiert schon Ihr Name potentielle Neukunden. Und Ihr Hauptgeschäft, die Ausgabe von Kreditkarten, liefert gegenwärtig auch nicht uneingeschränkt Grund zur Freude.
Richtig ist, dass viele unser Haus verständlicherweise aufgrund unseres Namens mit Arcandor, den Karstadt-Warenhäusern oder Quelle in Verbindung bringen. Richtig ist, dass wir 1990 von der damaligen Karstadt AG gegründet worden sind. Aber das ist Vergangenheit. Seit April 2009 sind wir nicht mehr Teil des Arcandor-Konzerns - und daher auch nicht von der Insolvenz betroffen. Wir sind eigenständig und stehen auf soliden Beinen. Da sind wir sehr viel glücklicher als manch andere in unserer Branche.
Trotzdem wollen Sie sich umbenennen.
Ja, am 8. März kommenden Jahres erhält die Bank einen neuen Namen: Valovis Commercial Bank. Das liegt nahe. Die Valovis-Bank, die einem Pensionsfonds von Arcandor-Mitarbeitern gehört, ist unser Mutterunternehmen. Beide sind wie wir rechtlich und finanziell vom Arcandor-Konzern völlig unabhängig.
Wie kommen Sie über die Runden, jetzt, wo Ihre alten Kunden wegen Pleite wegfallen?
Wir haben gute Perspektiven: Karstadt soll weiterbetrieben werden, da wird ein Investor gesucht. Und wir sind weiter in Verhandlungen über eine Fortführung der bisherigen Zusammenarbeit.
Sie hatten bislang neun Bankfilialen in den Warenhäusern.
Von diesem Filialgeschäft haben wir uns getrennt. Wir konzentrieren uns künftig auf drei Bereiche: Die Kreditkarten, wo wir mit 850.000 Mastercards einer der größten Emittenten in Deutschland sind, das Factoringgeschäft sowie die Absatzfinanzierung.
Wie erfolgversprechend sind diese Bereiche?
Sehr. Wir wickeln für Händler Teilzahlungsmöglichkeiten für Kundeneinkäufe ab. Neben Karstadt arbeiten wir im Konzern mit Neckermann zusammen, mit einigen Spezialversendern und dem TV-Shopping-Sender HSE24. Wir bieten unseren Kunden einen einzigartigen Komplett-Finanzierungsansatz an, den so kein anderer hat.
Wie sehen Ihre Geschäftsprognosen aus?
Die Umstrukturierung bringt es mit sich, dass wir als Karstadt-Quelle-Bank in diesem Jahr noch rote Zahlen schreiben. Im kommenden Jahr erwarten wir ein ausgeglichenes, im übernächsten Jahr ein deutlich positives Ergebnis.
Ihr Eigentümer, der Karstadt-Quelle-Mitarbeitertrust, ist 100-Prozent-Aktionär der Bank. Bleibt das so?
Wir machen uns da nichts vor: Ein Pensionsfonds, der keine Einzahlungen mehr hat und nur noch Auszahlungen, der wird nicht auf ewige Zeiten eine Beteiligung halten wollen.
Wann steht der Ausstieg bevor? Und vor allem: Wer übernimmt die Anteile?
Das kann ich gegenwärtig nicht beurteilen. Wir werden uns mit Partnern zusammentun, die ein Wachstum mitfinanzieren. Mit unserem neuen Geschäftsmodell haben wir ein gutes Entwicklungspotential und sind für andere interessant.
Kommen wir zur Kreditkarte, Ihr zweites großes Geschäftsfeld. Ist das Image des Plastikgelds nach der Massen-Umtauschaktion jetzt nicht schwer angekratzt?
Die Kreditkarte ist und bleibt das sicherste Zahlungsmittel. Im Fall des Falles gehen betrügerische Abbuchungen zu Lasten der Bank. Der Kunde ist geschützt. Selbst im Fall grober Fahrlässigkeit, also wenn er zum Beispiel seine PIN auf die Kreditkarte schreibt und diese dann gestohlen wird, haftet der Verbraucher mit maximal 150 Euro. Unser Haus hat diese Summe aus Gründen der Kulanz noch nie eingefordert.
Aber in der öffentlichen Wahrnehmung hat die Karte doch nun den Nimbus eines ziemlich unsicheren Zahlungsmittels.
Die öffentliche Diskussion mag vielleicht zu mancher Verunsicherung führen. Aber: Keiner sagt - nur weil Geld aus Portemonnaies gestohlen wird -, dass Bargeld ein unsicheres Zahlungsmittel ist. In Wirklichkeit ist das Risiko bei keinem anderen Zahlungsmittel so gering wie bei der Kreditkarte. Die regelmäßigen Kreditkarten-Nutzer wissen das auch.
Wie haben Ihre Kunden auf die jüngsten Vorfälle reagiert?
Die Verunsicherung war zunächst groß, weil die Kunden nicht wussten, ob sie persönlich betroffen sind. Wir haben schon vor vier Wochen als erste Bank über die Unregelmäßigkeiten beim Karteneinsatz in Spanien informiert. Aufgrund der Medienberichte gab es dann in der Spitze mehr als 100.000 eingehende Anrufe pro Tag. Normalerweise sind es 2000 bis 2500. Dass da die Telefonleitungen zeitweise überlastet waren, kann man sich denken. Der allergrößte Teil der Anrufe war von Kunden, die gar nicht betroffen waren, die aber von der Berichterstattung aufgeschreckt waren und natürlich reagierten. Die konnten wir auch schnell beruhigen.
Insgesamt haben Sie 15.000 Karten sperren lassen - entsprach das 15.000 Betrugsfällen?
Nein. Es ist so: Wir bekommen von den Kreditkartenunternehmen regelmäßig Listen mit auffällig gewordenen Kartennummern. Dann müssen wir prüfen, wie wir verfahren. Gibt es eine Häufung von betrügerischen Handlungen, dann stellt sich die Frage nach dem Sperren der Karte. In diesem Fall fanden sich bei 100 Karten Abweichungen, also Kunden, die sagten, die Umsätze seien nicht von ihnen. Das war für uns eine statistisch relevante Größe, um zur Sicherheit alle 15.000 verdächtigen Karten zu sperren. Und wir sind kundenfreundlich vorgegangen: Wir haben schnell informiert und den Kunden ermöglicht, den Zeitpunkt des Kartentauschs selbst zu bestimmen.
Wie hoch war der Schaden?
Ob die 100 Karten mit betrügerischen Umsätzen mit dem Abgreifen von Daten in Spanien zu tun hatten, lässt sich nicht sagen. Insofern kann ich den Schaden nicht exakt beziffern. In der Regel geht es bei professionellen Betrügern um Größenordnungen von 1000 bis 1500 Dollar pro Karte.
Soviel wird dann also im Schnitt jedesmal illegal abgehoben, bevor ein Schwindel auffliegt?
Ja. Die Höhe hängt vor allem von den Sicherheitsvorkehrungen ab. In Ländern mit hoher Sicherheit, wie in Deutschland, ist die Halbwertszeit des gestohlenen Guts, also der abgefischten Kartendaten, gering. Dort, wo am meisten in Sicherheit investiert wird, findet auch weniger Betrug statt, weil das für die organisierten Kriminellen unattraktiv ist. Die sind in der Regel aufgestellt wie Wirtschaftsunternehmen: Sie schauen sich erst die Märkte an und entscheiden dann, wo es Sinn für sie macht.
Die Karstadt-Quelle-Bank informierte ihre Kreditkartenkunden als erstes Institut über „Unregelmäßigkeiten“ in Spanien. Vorstand Theodor Knepper spricht über die Taktik organisierter Krimineller, die Reaktion der Kunden, Probleme mit dem Firmennamen und warum er glücklicher ist als manch andere in der Finanzbranche.
„Die Kreditkarte ist das sicherste Zahlungsmittel“ und...
R. Clemens (ZyNik)
- 22.11.2009, 23:43 Uhr
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