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Karstadt Das Konzept von Nicolas Berggruen

31.08.2010 ·  Nicolas Berggruen ist der Investor, der einen Vertrag mit dem Insolvenzverwalter hat. Doch was taugen seine Pläne? Kritiker sehen in seinem Partner aus der Modebranche die Schwachstelle im Konzept.

Von Brigitte Koch
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Privatinvestor Nicolas Berggruen hat sich Anfang Juni im Gläubigerausschuss gegen die Mitbieter Triton und Highstreet durchgesetzt. Sein Konzept stützt sich stark auf den Geschäftsplan, den die beiden von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg eingesetzten Sanierungsfachleute Thomas Fox und Rolf Weidmann erarbeitet haben: Ziel des deutsch-amerikanischen Milliardärs ist es, die „Kultmarke“ Karstadt zu beleben und zu verjüngen.

Dazu soll sich die Warenhauskette künftig auf die Segmente Mode (Fashion), Wohnaccessoires (Living), Sport und persönliche Accessoires, Schmuck und Kosmetik (Personality) konzentrieren. Hier haben die Sanierungsfachleute deutliche Schwachstellen im Vergleich zu den relevanten Wettbewerbern wie Douglas und Christ oder Peek & Cloppenburg, C&A oder Zara ausgemacht.

Dieser Ansatz ähnelt zudem stark dem Konzept des Wettbewerbers Kaufhof, der sich seit geraumer Zeit als „Multispezialist“ positioniert. Zudem sollen alle Filialen modernisiert werden, wenn auch mit vergleichbar bescheidenen Mitteln. Die teure Förderung einzelner Leuchtturmprojekte wie des Berliner KaDeWe ist nicht vorgesehen. So waren unter der Ägide von Thomas Middelhoff hohe Millionenbeträge versenkt worden, indem beispielsweise das Münchener Haus Oberpollinger zu einem (hochdefizitären) Konsumtempel umgebaut wurde.

Berggruen verspricht alle Filialen zu erhalten

„Global denken, aber lokal handeln“, heißt ein weiteres Stichwort in dem Konzept. So sollen mehr Entscheidungen über Sortimente, Angebote und Werbeplanungen vor Ort erfolgen. Anders, als es das Triton-Konzept vorsah, ist nicht geplant, den Fremdvermietungsanteil stark auszuweiten und in den Filialen viele Shops aneinanderzureihen.

Berggruen verspricht, alle 120 Häuser zu erhalten. Allerdings will er drei einzelne rechtliche Einheiten für die Premiumhäuser, die Sporthäuser und die normalen Karstadt-Häuser etablieren. Das soll Transparenz und Flexibilität erhöhen, aber auch die Möglichkeit für strategische Partnerschaften eröffnen. Wie versichert wird, soll gleichwohl die Mehrheit an allen Einheiten bei Berggruen bleiben.

Diesen möglichen Eingriffen in die Unternehmensstruktur hat die Gewerkschaft Verdi mit der Verabschiedung eines entsprechend angepassten Sanierungstarifvertrages bereits zugestimmt. Berggruen, der mit Engagements bei dem insolventen Möbelhersteller Schieder, der portugiesischen Mediengruppe Media Capital oder dem amerikanischen Brillenhersteller FGX Sanierungserfahrungen gesammelt hat, besitzt persönlich keine Warenhaus-Expertise. Dazu hat er als Co-Investor BCBG Max Azria ins Boot geholt.

Ist der Patner aus der Modebranche die Schwachstelle?

Max Azria, ein schillernder Designer aus Kalifornien mit tunesischen Wurzeln, betreibt eigenen Angaben zufolge international mehr als 1200 Geschäfte, hat Zugriff auf rund 500 Fertigungskapazitäten und will Karstadt den Zugang zu mehr als 20 internationalen Marken verschaffen. In Deutschland hatte Azria im vergangenen Jahr zehn Läden des insolventen belgischen Modelabels Donaldson übernommen. Branchenbeobachter sehen in dieser Partnerschaft eine Schwachstelle des Konzepts, da der schwierige deutsche Einzelhandel und die Warenhausbranche nach ganz eigenen Regeln funktionieren und Azria sich nur in der Modebranche auskennt.

Berggruen verspricht, 70 Millionen eigenes Kapital mitzubringen. Davon entfallen 5 Millionen auf den Kaufpreis für die Marke Karstadt. Mit der Finanzspritze soll kurzfristig die Liquidität der aus der Insolvenz entlassenen Gesellschaft sichergestellt werden. Sollte sich durch eine schlechtere Geschäftsentwicklung ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf ergeben, sei er in der Lage, diesen ohne Zustimmungsvorbehalte Dritter zu decken, hat er dem Gläubigerausschuss seinerzeit versprochen. „Wir planen, auch auf lange Sicht bei Karstadt keine Mittel auszuschütten. Alles wird im Unternehmen bleiben und reinvestiert“, sagt Berggruen auf Anfrage.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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