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Karrieresprung „Wer nicht gespart hat, selber schuld“

24.10.2008 ·  Noch vor wenigen Monaten galten sie als die Goldjungs der Finanzmärkte: Investmentbanker. Es lockten Topgehälter, Superboni, hohes Ansehen und beste Karriereaussichten. Heute ist Finanzkrise und heute ist alles anders. Die Jobspirale dreht sich rasant nach unten.

Von Herta Paulus
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„Was machst du beruflich“, mit dieser Frage hat Peter Scholz, Doktorand an der Frankfurt School of Finance & Manangement, trotz der Anfeindungen der jüngsten Zeit kein Problem. Investmentbanker mit Schwerpunkt Asset Management möchte er werden, und damit Mitglied einer Berufsgruppe, die derzeit gerne schon mal als „Kriminelle“ oder „Bankster“ an den Pranger gestellt werden. „Ich stehe zu meinem Beruf“, sagt er. Anderen gehe die öffentliche Pauschalverurteilung durchaus ans Gemüt, beobachtet er. „Bei manchen kratzt das schon am Selbstbewusstsein, aber vermutlich leider nicht bei denen, die sich tatsächlich schämen sollten,“ sagt der Dreißigjährige.

Seit neun Jahren kennt Scholz die Bankenwelt von innen. Auf eine „ganz normale Ausbildung“ bei einer großen deutschen Bank folgte das BWL-Studium, in den Semesterferien arbeitete er weiterhin bei seinem Arbeitgeber. Richtiges Studium, richtiger Job, wie er sagt. Danach folgte ein knappes Jahr als Händler im Investmentbanking, der Doktortitel soll nun den nächsten Karriereschritt einleiten. Ob's klappt? „Den Wunschjob zu bekommen wird schwerer. Aber es gibt immer Möglichkeiten“, meint Scholz.

„Was ist dein Plan B“

Noch vor wenigen Monaten galten sie als die Goldjungs der Finanzmärkte, lockte das Investmentbanking mit Topgehältern und Superboni, hohem Ansehen und besten Karriereaussichten. Heute dreht sich für sie die Jobspirale rasant nach unten, räumen Bewerbungsagenturen in den Vereinigten Staaten den „Masters of the Universe“ wie sie im Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“ genannt werden, schon mal üppigen Rabatt ein.

Rund 120.000 Investmentbanker wurden weltweit bereits entlassen, auch in Deutschland regiert der Rotstift. So müssen bei der Commerzbank 6000 Mitarbeiter gehen, ein gutes Drittel davon aus dem Bereich Investmentbanking. Bei der Unicredit werden rund 1000 Investmentbanker abgebaut, betroffen davon ist vor allem die Abteilung Markets & Investment Banking in München. Wer bleibt, wer muss gehen, heißt hier die Frage der Stunde. „Was ist dein Plan B? Diesen Satz höre ich in der Bank täglich“, sagt Managing Director Hamada Iraki. „Ich habe noch nie so viel Angst in den Gesichtern der Leute gesehen. Zum ersten Mal müssen sich die Banker nach Alternativen außerhalb des Investmentbankings umsehen.“

Chance für die kleinen Boutiquen

„Willkommen im Club“, kommentiert die ehemalige Investmentbankerin Angela Hornberg, die sich 2002 mit ihrer Personalberatungsfirma Advance Human Capital in Frankfurt selbständig gemacht hat. Mit Verspätung sei nun auch in München angekommen, was in Mainhatten längst selbstverständlich ist. „Die machen jetzt durch, was wir in Frankfurt schon seit zehn Jahren erleben.“ Anders als noch in den Jahren 2001/2002, als die Entlassungen im Zuge des Börsencrashs von 9/11 die Frankfurter Bankerszene förmlich lähmte, werde die jetzige Situation vergleichsweise gelassen genommen. „Die Stimmung ist nicht super. Aber Angst? Davon ist hier nichts zu spüren“, meint Hornberg. Keinen sicheren Arbeitsplatz zu haben, sich nach alternativen Jobs und Arbeitgebern umzusehen sei hier mittlerweile selbstverständlich und die Aussichten - zumindest derzeit noch - so schlecht nicht. „Die neuen Jobs gibt es nicht in Hülle und Fülle, aber bisher sind alle untergekommen. Der Markt war short. Viele Boutiquen haben Leute bekommen, von denen sie früher nur zu träumen wagten“, sagt Hornberg.

Veränderung heiße zudem das Stichwort bei vielen ihrer Klienten. Sabbatical oder Segelschule, Auszeit oder Selbständigkeit - dank „goldenem Handschlag“ und in der Vergangenheit gebildeter Rücklagen sei der temporäre Rückzug oder der Weg in die Selbständigkeit für so manchen eine Option. Hornberg: „Das Gute ist, dass es viele sind. Da kann man insgesamt lauter nachdenken.“

Abschied von der schönen Zeit

„Mitleid ist nicht angebracht“, weiß auch Iraki. „Wer seit Jahren dabei ist, hat genug. Und wer nicht gespart hat, ist selber schuld.“ Nicht mit dem jährlich Bonus kalkulieren, den Lebensstil darauf einrichten, dass „die schöne Zeit“ auch schnell wieder vorbei sein kann, diese Lektion müssen auch Investmentbanker lernen. Denn klar ist: Die Hochzeiten sind vorbei. Die Bonuszahlungen der nächsten Jahre werden im Durchschnitt niedriger ausfallen, Jobwechsler nicht mit steigenden Gehältern rechnen können. „Wir sind in einer restriktiven Marktphase“, sagt Hornberg.

Dass es noch immer viel mehr sein wird, als der Normalverdiener nach Hause trägt: klar. Dass dies Neid weckt, auch klar. „Momentan sieht man das Bild des zockenden, gierigen Bankers“, weiß Scholz. „Aber wenn mich jemand in diese Ecke stellen würde, würde ich mich wehren, und das durchaus selbstbewusst.“ Auch Personalberaterin Hornberg ist die „geschürte Intoleranz“ mehr als leid. „Nur wenige wollen und können dieses Leben langfristig durchhalten. Der Druck ist enorm. Ich weiß von vielen, die nach zwei Jahren raus sind, weil sie ausgebrannt waren.“

Der Londoner Dresdner-Kleinwort-Wertpapierhändler Geraint Anderson jedenfalls, ließ sich länger Zeit für den Ausstieg. Um nun mit dem Buch „Citiboy-Bier und Abscheu im Finanzviertel“ als Autor ganz neu wieder einzusteigen und auszupacken über das ausschweifende Leben der Londoner Investmentbanker. Schuldbekenntnisse verkaufen sich eben gut, in Krisenzeiten sowieso, und als Verkäufer war Anderson nach eigener Einschätzung auch in der City Spitze.

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