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Karrieresprung : Von den Guten die Besten

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Viele deutsche Nachwuchswissenschaftler arbeiten in den Vereinigten Staaten. Viele wollen zurück nach Deutschland, das im internationalen Wettbewerb wieder attraktiv wird. Nachwuchsprogramme machen die Karriere planbar.

          Gut 5.000 deutsche Nachwuchswissenschaftler arbeiten derzeit in den Vereinigten Staaten. Viele wollen zurück nach Deutschland, das im internationalen Wettbewerb durchaus Boden gutgemacht hat und dank eingeleiteter Reformen wieder attraktiv wird - nicht nur für deutsche Wissenschaftler.

          Noch arbeitet Frank Rosenbauer als „Instructor“ am Harvard Institute of Medicine in Boston in den Vereinigten Staaten. Sein Ticket nach Berlin aber ist schon gebucht. Oneway wohlgemerkt. Familie, Freunde, Kultur und eine attraktive berufliche Perspektive - in dieser Reihenfolge benennt der promovierte Biomediziner die Gründe für seine Heimkehr nach fünf Jahren Harvard. Zum ersten November tritt er am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin seine neue Stelle als Nachwuchsgruppenleiter für den Bereich Krebsstammzellen an. Er komme gerne zurück, sagt Krebsforscher Rosenbauer. Aber er sagt auch: „Irgendwohin nach Deutschland wäre ich nicht zurückgegangen.“

          Spitzenuniversitäten sind auch in den Vereinigten Staaten die Ausnahme
          Wäre Rosenbauer Schauspieler, läge der Verdacht „Hollywood-Koller“ nahe. Doch Rosenbauer ist Naturwissenschaftler. Und wer es in der international aufgestellten Wissenschaftswelt in die obere Liga bringen will, muß genau hinschauen, wohin er seinen nächsten Karriereschritt setzt. Irgendwo in Deutschland ist da ebenso kontraproduktiv wie irgendwo in Amerika. Denn Spitzenforschung, die findet auch dort gerade einmal an zwei Dutzend Universitäten statt, allen voran an den als „Ivy League“ - titulierten Unis an der Ostküste und den Institutionen der „Bay Area“ an der Westküste. Spitzenuniversitäten, die sind auch im apostrophierten Wissenschaftseldorado so rar wie unteres Mittelmaß die Norm ist.

          Rosenbauers Haltung ist kein Einzelfall. Viele deutsche Nachwuchsforscher würden gerne zurückkehren, wenn die Bedingungen stimmen, weiß Eicke Weber, Vorstand der German Scholars Organization (GSO) mit Sitz in Berkeley. Um aktiv die Vernetzung zwischen deutschen Wissenschaftlern in den Vereinigten Staaten und Arbeitgebern aus Forschung und Industrie in Deutschland voranzutreiben, veranstaltet die Wissenschaftlervereinigung in regelmäßigen Abständen lokale und überregionale Treffen. Zudem organisiert sie online einen Talentpool, in den mittlerweile knapp 1.200 Adressen deutscher Nachwuchswissenschaftler hinterlegt sind.

          Reformen mit Signalwirkung

          Statt befristeter Verträge dauerhafte Perspektiven, flexiblere Beschäftigungsstrukturen, transparente und zügige Berufungsverfahren, die einheitliche Anerkennung akademischer Leistungen sowie eine bessere finanzielle Ausstattung lauten die Forderungen zahlreicher Nachwuchswissenschaftler. Als „Initiative Zukunft Wissenschaft“ formulierten sie diese jüngst “ am Rande der GSO-Jahrestagung als einen „spontan entstandenen“ offenen Brief an die Bundesbildungsministerin und die Wissenschaftsminister der Länder. „Wir sind überzeugt, daß die Umsetzung der hier genannten Punkte viele von uns zu einer Rückkehr nach Deutschland bewegen würden“, heißt es dort.

          Auf verlorenem Posten kämpfen sie dabei längst nicht mehr. „Deutschland befindet sich im Umbruch. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen verfehlen nicht ihre Signalwirkung“, bestätigt die promovierte Sozialwissenschaftlerin Katja Simons die neu gewonnene Anziehungskraft Deutschlands beim auslandsdeutschen Wissenschaftsnachwuchs. Optimismus paare sich mit Ungeduld und Unsicherheit, so die Leiterin des beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in New York angesiedelten Projekts „GAIN“ der Förderorganisationen AvHumboldt-Stiftung, DFG und DAAD, das mit der GSO eng kooperiert.

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