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Veröffentlicht: 08.11.2008, 00:02 Uhr

Karrieresprung Verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch

„Wie oft gehen Sie zum Frisör?“ Sandra König fühlte sich im Bewerbungsgespräch wie vor den Kopf gestoßen. Kein Einzelfall. Verbotene Fragen gelten als Test der besonderen Art. Aber wie lässt sich am besten darauf reagieren?

© Karrieresprung - bei FAZ.NET

Sandra König, 41 Jahre alte Industriekauffrau aus Karlsruhe, ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Eine Lokalzeitung braucht eine neue Kraft für ihre Anzeigenabteilung. König ist nervös, es ist erst ihr zweites Vorstellungsgespräch für den neuen Job. Das Gespräch führt der Geschäftsführer der Zeitung, ein seriös wirkender, graumelierter Herr. Kaum hat die Karlsruherin sich gesetzt, richtet er, mit Blick auf ihr Bewerbungsfoto, seine erste Frage an sie: „Wie oft gehen Sie zum Frisör?“

„Ich war wie vor den Kopf gestoßen“, erzählt König. „Warum haben Sie Ihre vorherige Stelle verlassen?“, auf diese Frage hatte sich die Industriekauffrau eine Antwort zurechtgelegt. Auf solch eine Indiskretion, die nichts mit ihrer beruflichen Qualifikation zu tun hat, ist sie jedoch nicht vorbereitet. Im ersten Moment will sie aufstehen und gehen. Dann aber denkt sie: „Er will mich prüfen, ich muss es ins Positive wenden.“ Und fängt an, sich zu erklären, sagt, wie oft sie zum Frisör geht. „Die Rechtfertigungsschiene war blöd“, sagt die Industriekauffrau im Nachhinein. „Ich hätte gerne souveräner reagiert.“ Die Stelle hat König nicht bekommen: „Dort hätte ich auch gar nicht mehr arbeiten wollen.“

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Diskriminierung verboten

Wie Sandra König fürchten viele Bewerber unangenehme Fragen im Vorstellungsgespräch. Die Angst, sich mit einem rhetorischen Fauxpas ins Aus zu manövrieren, ist groß. Doch es gibt auch „verbotene Fragen“, die ein Bewerber beim Vorstellungsgespräch gar nicht beantworten muss. Die Frage nach Königs Frisörbesuch gehört dazu, ebenso sind Fragen wie „Sind Sie katholisch?“, „Waren Sie schon mal im Gefängnis?“, oder bei Frauen gar „Sind Sie schwanger?“ seit Inkrafttreten des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes“ (AGG) im Jahr 2006 tabu. Und auch auf europäischer Ebene ist man als Arbeitssuchender vor Indiskretionen gefeit.

Juristisch gesehen ist es einem Personaler zwar nicht verboten, solche Fragen zu stellen. „Er muss aber damit rechnen, nach dem Vorstellungsgespräch wegen Diskriminierung verklagt zu werden“, sagt der Frankfurter Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulrich Fischer. Nicht nur Fragen nach Religions- oder Parteizugehörigkeit, der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, einer Vorstrafe oder der sexuellen Orientierung sollten Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch deshalb vermeiden.

Ein „Nein“ genügt

Auch das Nachhaken beim Thema Gesundheit könnte eine Klage nach sich ziehen. Die Frage nach einer genetischen Veranlagung zu Krankheiten oder einer nicht auf den ersten Blick zu erkennenden Schwerbehinderung (wie etwa ein gravierender Herzklappenfehler) sollte der Arbeitgeber deshalb lieber lassen.

Doch was antworten, wenn er es trotzdem tut? „Ein einfaches „Nein“ als Antwort ist zulässig“, sagt Fischer. „Außer natürlich, es ist schon nicht mehr zu übersehen, dass Sie schwanger sind“, scherzt er. Wird der Bewerber angestellt und seine Antwort erweist sich später als unwahr, kann er für seine Lüge rechtlich nicht belangt werden.

Offenbarungspflicht für Vorstrafen und HIV

Doch auch wenn das AGG dem Bewerber Schutz vor Diskriminierung bietet: In Ausnahme-Situationen ist er dennoch verpflichtet, indiskrete Fragen zu beantworten. „Bei berechtigtem Interesse von Seiten des Arbeitgebers gibt es die sogenannte Offenbarungspflicht“, erklärt Fischer.

Wer einen Job in einer Branche sucht, in der er offen mit Geldbeträgen in Berührung kommt, beispielsweise als Kassierer oder Bankangestellter, muss ungefragt angeben, sollte er bereits eine Vorstrafe wegen Diebstahls oder Veruntreuung erhalten haben. Auch wer unter einer infektiösen Krankheit wie HIV leidet, muss dies unaufgefordert angeben.

Nach dem Gesundheitszustand darf der Personaler prinzipiell fragen, wenn die Stelle, auf die sich ein Jobsuchender bewirbt, mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden ist. Wer mit Lebensmitteln zu tun hat, muss ebenfalls Fragen nach dem Wohlbefinden dulden, sogar ein Gesundheitszeugnis abgeben.

Die Parteizugehörigkeit kann eine Rolle spielen

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