Home
http://www.faz.net/-gqe-shfn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Karrieresprung Unterwegs - mit dem Chef

20.05.2006 ·  Sie wollen Ihren Vorgesetzten einmal ganz für sich haben? Dazu gibt es Gelegenheiten: Die gemeinsame Autofahrt zum Kunden, ein Flug zu einem Termin oder gleich der Geschäftsaufenthalt im Ausland. Chancen und Risiken für Ihre Karriere liegen dann ganz eng beieinander.

Von Ute Dorau
Artikel Lesermeinungen (2)

Sie wollen Ihren Vorgesetzten einmal ganz für sich haben - ohne Kollegen, die mit Ihnen um seine Gunst balzen? Dazu gibt es einige Gelegenheiten. Zum Beispiel die gemeinsame Autofahrt zum Kunden oder einer Messe, ein Flug zu einem gemeinsamen Termin oder gleich der gemeinsame Geschäftsaufenthalt im Ausland.

Aber was tun, wenn Ihnen dann nicht so recht einfallen mag, worüber Sie mit ihm beziehungsweise den Kunden reden können? Vielleicht trauen Sie ja auch Ihren Umgangsformen noch nicht so ganz?

Im folgenden Beitrag finden Sie Tips, wie Sie peinliche Situationen gar nicht erst aufkommen lassen und Ihr Vorgesetzter Sie als professionellen, gewandten Kollegen schätzen lernt.

Professionalität und Sympathiewert

Ihr Vorgesetzter ist einverstanden, Sie mit zu einem Kunden zu nehmen - sei es nun in dessen Firma, auf einer Messe, im Restaurant oder gar im Ausland. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Sie die gemeinsame Hinfahrt nutzen können, um mit ihm endlich einmal in Ruhe ins Gespräch zu kommen. Vertun Sie diese Chance nicht - hier „menschelt“ es gewaltig, und Ihr Chef wird Sie bei seinen Beförderungsüberlegungen nach Ihrer Professionalität in dieser Situation - aber ganz sicher auch nach Ihrem Sympathiewert - einschätzen.

Unterwegs im Auto oder Flugzeug zum Kunden

Ein Beispiel: In Hannover findet eine Messe statt, auf der Ihr Unternehmen vertreten ist. Ihr Chef bietet Ihnen an, Sie im Auto von Augsburg nach Hannover mitzunehmen. Noch am gleichen Abend wird er Sie zu einem Kundengespräch mit in ein Restaurant in der Innenstadt mitnehmen. Wie bereiten Sie sich vor, wie verhalten Sie sich?

So lieber nicht:

1. Ich sage ab. Da nehme ich doch lieber den Zug, denn ich kann mir Aufregenderes vorstellen, als stundenlang neben meinem Chef zu sitzen...

2.Oder: Ich packe ein interessantes Buch ein, kaufe mir zwei Päckchen Zigaretten für die lange Fahrt und mache es mir auf dem Rücksitz bequem. Die meiste Zeit schlafe oder lese und schweige ich. Der Chef ist sicher dankbar, wenn ich ihn bei der Fahrt nicht störe. Später bin ich dann zwar etwas zerknautscht, aber dafür werden die Kunden schon Verständnis haben.

3. Ich erzähle ihm mein Leben. So erfährt er mehr von mir, lernt auch meine private Seite, meine Sorgen und Freuden, die Geschichte meiner Scheidung und die Krankheiten meiner Kinder kennen und ist bestimmt dankbar, daß ich ihn mit langweiligem Fachgeschwätz verschone.

Besser so:

Ich beginne unsere gemeinsame Fahrt zuerst mit ein wenig Smalltalk. Vielleicht erzählt er auch ein wenig von sich. Etwa eine Stunde vor Hannover frage ich den Chef, worum genau es am Abend bei der Besprechung geht, ob er mir eine bestimmte Rolle in dem Gespräch zugedacht hat oder ob ich hauptsächlich zuhören soll. Während unserer Unterhaltung kann ich ihm zeigen, daß ich mich gut vorbereitet habe und schon einiges über den Kunden weiß, denn ich habe mich gut vorbereitet.

Denn diese gute Chance lassen Sie sich doch nicht entgehen, egal wie gerne Sie Zug fahren. Dazu zwei Tips: Nichts ist leichter als Smalltalk im Auto: Schon das Auto selber bietet reichlich Anregung für ein Gespräch - und sei es nur: „Schöner Wagen! Seit wann fahren Sie den schon?“ Hören Sie ihm zu und stellen Sie eher Fragen, als daß Sie reden. Wenn Sie entspannt bleiben, das Gespräch laufen lassen und immer wieder nach seiner Einschätzung fragen, bleibt die Plauderei garantiert unverkrampft.

Zeit für gute Ideen

Manchmal ergibt sich auf so langer Strecke natürlich eine Gesprächspause - die Sie aber nicht schrecken sollte. Neue Themen liegen oft am Wegesrand - wie zum Beispiel: eine hübsche Stadt nahe der Autobahn („Waren Sie schon mal in ....? Das Schloß sollten Sie sich unbedingt ansehen.“). Mit der Zeit kommen Sie sicher auf Berufliches zu sprechen: wie etwa den neuen Kunden oder auf Ihre Zukunftspläne. Sind Sie allein mit dem Chef im Auto, ist jetzt die richtige Zeit gekommen, Ihr Engagement, Ihre guten Ideen für den Job oder Ihre kluge Einschätzung eines Problems an den richtigen Mann zu bringen.

Ähnlich unkompliziert ist es, wenn Sie neben Ihrem Vorgesetzten im Flugzeug sitzen. Es sei denn, er vergeht vor Flugangst... Ein gemeinsames Thema ist schnell gefunden: Sei es die Qualität der Airline, Flughafen-Erlebnisse oder erfreuliche Reisegeschichten -schon sind Sie mitten im Smalltalk, der Ihnen einiges über Ihren Chef verrät. Zum Beispiel, daß er die Berge liebt und der ideale Urlaub für ihn ein vierwöchentlicher Aufenthalt als Senner auf einer Hütte ist. So vergeht die Reise sehr schnell. Spätestens, wenn der Sinkflug beginnt, können sie beide langsam zum Geschäftlichen kommen. Erzwingen Sie es aber nicht: Wenn er das Gespräch mit Ihnen so genießt, daß er den Job vergißt, brauchen Sie sich um seine Sympathie und Achtung keine Gedanken mehr zu machen.

Das Geschäftsessen im Inland

Sie hatten eine angenehme Anfahrt mit Ihrem Chef, nun stehen Sie vor dem Restaurant, in dem die Kunden erwartet werden. Ihre Aufgabe bei dem Gespräch ist vorher abgeklärt worden: Sie sollen einfach nur Erfahrungen sammeln und eventuell den stellvertretenden Geschäftsführer des Kunden ablenken. Dieser ist nämlich dafür bekannt, daß er viel redet, Ihr Vorgesetzter möchte allerdings bald zum Abschluß kommen. So punkten Sie für Ihre Karriere:

1. Ich bin für ein Essen im Sterne-Restaurant gekleidet, selbst wenn es nur zum Italiener um die Ecke geht.

2. Ich stehe auf, wenn die Gäste kommen, warte, bis der Chef sie begrüßt hat und begrüße sie dann selber.

3. Ich stelle mich mit meinem ganzen Namen und meiner Funktion im Unternehmen vor.

4. Ich nehme beim Grüßen die Hand aus der Jackett- oder Hosentasche.

5. Ich stelle schon beim Essen einen guten Draht zu meinem „Opfer“ her, damit ich ihn später unauffälliger in ein Gespräch verwickeln kann.

Da Sie mit Ihrem Vorgesetzten unterwegs sind, brauchen (und dürfen) Sie in diesem Beispiel keine Gastgeberrolle einnehmen - das heißt, Ihr Chef gibt das Thema, das Tempo und den Ablauf des Gespräches vor. Fast alle Geschäftsessen laufen nach dem gleichen Muster ab: Begrüßung - Smalltalk - Business-Smalltalk beim Essen - Geschäftliches beziehungsweise Grund des Treffens (frühestens beim Nachtisch, lieber aber danach) - kurzer Smalltalk - Verabschiedung. Bringen Sie den Ablauf nicht durcheinander, indem Sie zu früh vom Geschäftlichen reden und Ihrem Chef vorgreifen. Das wirkt oft ungeduldig und unprofessionell.

Abgesehen davon, daß Sie sich einige Lorbeeren bei Ihrem Vorgesetzten verdienen, wenn Sie das gemeinsame Geschäftsessen gut meistern, haben Sie damit auch die Chance, wichtige Leute außerhalb Ihres Unternehmens kennenzulernen. Vielleicht reizt es Sie ja später einmal, bei dem großen Kunden oder dem Lieferanten Ihres Betriebes ins Management hineinzuschnuppern. Kontakte haben Sie nach dem Essen ja bereits hergestellt.

Das Ausland

Spannend wird es für Sie auch dann, wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten ins Ausland geschickt werden. So manch ein enthusiastischer Karrierekandidat ist da schon ausgezogen, um beispielsweise von unseren direkten Nachbarn in England das Fürchten zu lernen. Die Teezeremonie in Großbritannien (Hauptprobleme für Uneingeweihte: Wohin mit dem Keks? Wohin mit dem Löffel? Warum hört die Dame denn niemals auf, mir Tee nachzugießen? Ich brauche eine dritte Hand! Ein wundervolles Beispiel dafür, wie man sich bei einer vermeintlich selbstverständlichen Beschäftigung - nämlich dem Teetrinken - gründlich blamieren kann. Gar nicht zu reden von der japanischen Teezeremonie, bei der man alle 150 Gäste eines Teehauses mit einem Schlag zum Schweigen bringen kann, indem man beispielsweise den Löffel scheppernd auf den Boden fall läßt...

So ein Fauxpas schadet Ihrer Karriere - einzeln betrachtet - natürlich nicht. Im Gegenteil: Wenn Sie Humor beweisen, können Sie bei Ihrem Chef und den Gastgebern Sympathien ernten und auf diese Weise auch nette Kontakte knüpfen. Wenn sich solche Vorfälle aber häufen - oder sie versehentlich einen Geschäftspartner ernsthaft beleidigen oder Ihren Vorgesetzten düpieren, dann sieht die Sachlage schon sehr viel ernster aus.

Deshalb empfiehlt es sich dringend, vor der Reise ins Ausland Erkundigungen einzuziehen: Welche Themen sind dort tabu und welche in Deutschland üblichen typischen Verhaltensweisen sollte ich dort nur wohl dosiert einsetzen? So können Sie sich - aber auch ihren Vorgesetzten - vor peinlichen Aktionen bewahren.

Ute Dorau ist freie Wirtschaftsjournalistin in Salzburg und hat ein Buch zum Thema rund ums berufliche Vorankommen verfaßt: Ute Dorau: Karrieretipps - Karrieretricks

Quelle: FAZ.NET
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
29.05.2012 15:21 Uhr
  Vortag
Dax 6.400,91 +1,23%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,64 +1,30%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2517 −0,19%
Rohöl Brent Crude 107,59 $ +0,31%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.