17.03.2006 · Auf dem Parkplatz vor der Firma gilt nicht nur die Straßenverkehrsordnung, sondern herrschen bereits die Regeln der unternehmensinternen Hackordnung. Das sollte beachten, wer seiner Karriere keinen Knick verpassen will.
Von Ute DorauLangschläfer können ein Lied davon singen: Morgens zwischen sechs und zehn ist das Bett am gemütlichsten. Die gleitende Arbeitszeit macht es möglich - warum sollte man früh um acht mit dem Job beginnen, wenn man sowieso nie vor 18.00 Uhr das Büro verläßt?
Aus Gewerkschaftssicht spricht nichts dagegen. Personalverantwortliche und Karriereberater sind sich allerdings einig: Deutsche Vorgesetzte schätzen frühes Erscheinen ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Obwohl es keinen Beweis dafür gibt, gehen diese nämlich diversen Umfragen zufolge davon aus, daß überpünktliche Kollegen besser arbeiten als die Morgenmuffel.
Wer befördert werden möchte, tut also gut daran, sich morgens sehr früh ins Auto zu setzen, um frisch und rechtzeitig anzukommen. Aber Achtung: In so manchem Unternehmen tobt der Kampf um den besten Job bereits vor der Eingangstür.
Ein Parkplatz als Schlachtfeld
Es ist punkt acht Uhr und Sie biegen in die Auffahrt zu Ihrem Unternehmen ein - und denken nichts Böses. Doch Vorsicht ist angebracht; auch Vorgesetzte sind bekanntlich nur Menschen - und oftmals schon vor der Haustüre des Betriebs vehement auf ihre Vorrechte als Chef bedacht. Da aber kaum ein normaler Arbeitnehmer so früh am Morgen darüber nachdenkt, fand schon so manch eine vielversprechende Karriere auf dem Parkplatz ihr jähes Ende.
Zum Beispiel so:
1. Ich nehme meinem Chef täglich seinen Parkplatz weg.
2. Ich ramme beim rückwärts Ausparken mit meinem altersschwachen Kleinwagen namens „Beule“ seinen Daimler bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr.
3. Ich habe das bessere, teurere, schönere Auto und betone das auch gerne, weil es ihn zur Weißglut treibt.
4. Ich nehme ihm die Vorfahrt und schneide ihn, wenn er in die Auffahrt einbiegt.
5. Wenn es nicht anders geht, parke ich ihn schon mal ein. Er weiß ja, wo er mich findet.
6. Egal ob Chef oder nicht, wenn mein Vordermann nicht schnell genug ausweicht, hupe ich ihn von der Fahrbahn.
So verlockend einige dieser Möglichkeiten auch sein mögen - vermeiden Sie sie lieber… Auf dem Parkplatz gilt nicht nur die Straßenverkehrsordnung, sondern es herrschen bereits die Regeln der unternehmensinternen Hackordnung: Der Chef hat Vorfahrt, der Angestellte grüßt zuerst und im Zweifelsfall bekommt immer der Vorgesetzte den letzten freien Parkplatz.
Auch wenn es schwer fällt
Die Erfahrung zeigt, daß dieses Verhalten nicht als Schmeichelei oder Unterwürfigkeit, sondern als Respekt ausgelegt wird. Man erkennt damit an, daß der Chef eine Vorbildfunktion erfüllt und pünktlich im Büro sein muß und daß seine Termine Vorrang vor den eigenen haben.
Ein weiteres Gebot: Parken Sie Ihren Rolls Royce möglichst unauffällig und weit weg von seinem Trabi. Sie meinen, daß Ihnen das nicht passieren kann, weil vor Ihrer Türe kein Rolls/roter Porsche/silberner BMW/weißer Mercedes steht? Das kann ja noch kommen. Doch es ist - gerade unter Männern in der Chefetage - selten sympathieförderlich, wenn ein Untergebener ein um Klassen besseres Auto fährt als sein Vorgesetzter (und ihm das bei jeder Gelegenheit mitteilt). Neid ist ein sehr menschliches Gefühl - aber es ist niemals karriereförderlich, wenn der Chef seinem Mitarbeiter mit Mißgunst begegnet.
Umgang mit Statussymbolen ist nicht unerheblich
„Da fahre ich doch gleich mit dem Rad“, denkt sich da so manch ein heller Kopf. Denn als Radler sind Sie von der Hackordnung ausgenommen und gefährden Ihre Karriere nur selten direkt. Es sei denn, Sie nehmen Ihr Hollandrad täglich unter den Arm und tragen es ins Büro. In diesem Fall werden Sie zumeist belächelt - was Ihrer Karriere gar nicht gut tut. Oder Sie schieben/tragen es regelmäßig am Wagen Ihres Chefs vorbei und zerkratzen damit immer wieder versehentlich seinen Lack - auch das ist Ihrem beruflichen Vorankommen nicht förderlich.
Insgesamt allerdings bewerten (vor allem männliche) Vorgesetzte ihre Mitarbeiter auch nach dem Umgang mit Statussymbolen - und dazu gehört das Auto in Deutschland nun einmal zweifelsohne. Oft registrieren sie daher den kleinen schwarzen BMW ihres Marketingassistenten als ein Zeichen für Ehrgeiz und Karrierebewußtsein, während das Rad oder der verbeulte Golf des Vertriebsassistenten sehr abschätzig beurteilt wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,53 | +1,29% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2539 | −0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 107,61 $ | +0,33% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?