02.06.2006 · Nicht nur für Investitionen bietet die Region östlich der Oder ein gutes Klima - personell gibt es mittlerweile interessante Aufstiegschancen. Verschiedenen Wege führen auf die attraktiven Posten in Osteuropa.
Von Jens KemleNicht nur für Investitionen bietet die Region östlich der Oder ein gutes Klima - personell gibt es mittlerweile interessante Aufstiegschancen. Verschiedenen Wege führen auf die attraktiven Posten in Osteuropa. Wer also seine berufliche Laufbahn nach Osteuropa ausrichten möchte, sollte vor allem folgende Punkte berücksichtigen:
Die Stellensuche
Wenn Sie noch kein bestimmtes Unternehmen oder Land im Visier haben, sollten Sie vor allem beim Zeitunglesen die Augen offen halten. Erstens ist es immer noch Usus, daß die Konzernzentralen ihre Stellen in den großen Tageszeitungen ausschreiben, und zweitens ist es überaus wichtig, über die aktuelle Nachrichten- und damit Marktlage informiert zu sein. Welches Unternehmen ist in Osteuropa vertreten? Wo sind neue Investitionen geplant? Wenn Sie über diese Schiene nicht fündig werden, gibt es noch andere Möglichkeiten.
Die Bundesagentur für Arbeit und hier insbesondere die Abteilung Zentralstelle für Arbeitsvermittlung Internationale Arbeitsvermittlung (ZAV) ist zuständig für die grenzüberschreitende Jobsuche. Vor allem wenn Sie sich für eine Tätigkeit in Tschechien, Polen, Ungarn oder Rußland interessieren, können Sie hier in vielen Berufsbildern fündig werden: Vom Architekten für Kasachstan bis zum Top-Hairstylisten für Polen gibt es die verschiedensten Angebote.
Die Auslandshandelkammern Die deutschen Außenhandelskammern können in begrenztem Umfang ebenfalls Hilfestellung leisten. Die Außenstellen der Industrie- und Handelskammern vermitteln zwar selbst keine Jobs, als Ansprechpartner vieler Unternehmen vor Ort wissen sie aber, welche Branchen und Firmen aktiv sind. Auf den jeweiligen Internetseiten finden Sie meist auch Adressen und weitere Informationen zu Projekten. Nicht zuletzt erhalten Sie auch Hilfestellung bei administrativen oder organisatorischen Fragen (Aufenthaltsgenehmigungen, Arbeitserlaubnis, etc.)
Die Bewerbung
In Osteuropa werden vor allem Mitarbeiter mit Berufserfahrung gesucht. Im Mittelpunkt des Anschreibens sollten Sie deshalb ihre praktische Arbeit stellen und weniger die Ausbildung. Zudem kommt es gut an, wenn Sie ihre Erfahrungen mit Beispielen aus der täglichen Arbeit belegen können. Eine schlichte Aufzählung von Stationen und Tätigkeiten ist weniger eindrucksvoll. Die Darstellung sollte möglichst genau auf das Profil in der Stellenausschreibung zugeschnitten sein.
Auch sogenannte Initiativbewerbung können zum Erfolg führen, diese liegen dann vor, wenn sich die Bewerbung auf keine konkrete Stellenausschreibung bezieht. Deshalb sollten Sie zumindest vorher anrufen. Im Anschreiben können Sie dann auf einen Kontakt verweisen und Ihre Bewerbung zudem konkreter gestalten. Im Gespräch sollten Sie erfragen, welche Qualifikationen dem Unternehmen bei einem Kandidaten wichtig sind, und welche Bewerberprofile generell in Frage kommen.
Vor allem sollte die neue Tätigkeit zu Ihrer eigenen Persönlichkeit passen (Branche, Tätigkeit, Ausrichtung, etc.). Praktika oder Studienaufenthalte in den angestrebten Breitengraden wirken sich dabei generell positiv aus.
Die Sprachkenntnisse
Die Sprache des Ziellandes zu sprechen ist immer von Vorteil. Stefan Kasperek von der EAST Personalberatung für Osteuropa: „Kenntnisse der jeweiligen Landessprache müssen nicht vom ersten Tag an vorhanden sein, aber zügig erworben werden.“ Wie gut sie beherrscht werden sollte, hängt letztlich von der Art der Stelle ab: Wenn Sie in Rumänien ein einheimisches Team leiten wollen, müssen Sie weitgehend sicher im Rumänischen sein. Wenn Sie hingegen für einen polnischen Produzenten Kunden in Deutschland finden sollen, wird Ihre Arbeitssprache in erster Linie Deutsch sein. Da Ungarisch als eine der schwersten Sprachen der Welt gilt, sind die Regelungen hier meist lockerer. Die Amtssprache bei den Auslandstöchtern ist meistens Englisch und dann Deutsch, weiß Kasperek.
Sie sollten auf jeden Fall deutlich machen, wie gut ihre Sprachkenntnisse sind. Auch der deutsche Vertriebsmitarbeiter in der tschechischen Firma hat einheimische Kollegen und wird sich wesentlich leichter eingliedern, wenn er die Sprache beherrscht. Die Sprachkenntnisse sollten Sie in der Bewerbung erläutern und nicht nur lapidar nach dem Muster „Russisch: gut“ angeben. Auch der Hinweis auf einen Studienaufenthalt im Zielland oder der Verweis auf osteuropäische Wurzeln bei den Vorfahren können sich positiv auf den Gesamteindruck auswirken.
Wenn Sie nicht auf optimale Sprachkenntnisse verweisen können, muß das nicht gleich das Ende aller Chancen sein. Zumindest im Management werden in der Praxis die Kosten für Sprachkurse übernommen. Eine andere Möglichkeiten sind zudem persönliche Assistenten oder Fremdsprachensekretärinnen, um die erste Zeit zu überbrücken.
Die interkulturelle Kompetenz
Neben der Sprache hat dieser Aspekt eine sehr große Bedeutung. Sie sollten sich möglichst gut in den Sitten und Gebräuchen einer anderen Kultur zurechtfindet und sicher darin bewegen können. Der Fall eines Düsseldorfer Kaufmanns, der vor polnischen Investoren einen Witz über den Papst zum Besten gab, um die Stimmung aufzulockern, ist ein Paradebeispiel dafür, wie Sie es nicht machen sollten. Wer Geschäfte abwickeln will, darf seine Geschäftspartner nicht vor den Kopf stoßen - Unwissenheit schützt hier nicht vor Schaden! Karl-Heinz Keth, Country Manager für Ungarn bei der Praktiker AG, rät: „Wir Deutsche müssen vorsichtig und umsichtig agieren.“
In Polen spricht man Personen etwa nur mit 'Sie' oder dem Titel an. Nachnamen zu verwenden gilt als unhöflich. Ähnliche Kodizes gibt es auch in den anderen osteuropäischen Ländern. Auch das Abtun der vermeintlichen Improvisation in geschäftlichen Angelegenheiten als mangelnde Professionalität ist oft ein Irrtum. Vielmehr ist sie ein Zeichen für Flexibilität.
Kenntnisse oder Kontakte zur Zielkultur sind wertvolle Faktoren. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Sie diese im Rahmen von Reisen, Praktika, Studienfahrten, anderer Anstellungen oder familiären Kontakten erworben haben, sondern nur, daß sie vorhanden sind. Solche Erfahrungen verdeutlichen, daß Sie ein Bewerber mit Auslandserfahrung sind, sie lassen auf kulturelle Kompetenz und mitunter auch auf eine besondere Affinität zum Zielland schließen.
Das Gehalt
Bei großen Unternehmen entspricht das Gehalt im Managementbereich in der Regel der Gehaltshöhe in Deutschland. Auf Facharbeiter-Niveau liegt es ein bißchen darunter. Gerade wenn Sie die Familie mitbringen, ist es wichtig zu wissen, daß man den gewohnten Lebensstil bei einem Auslandsaufenthalt in Osteuropa aufrechterhalten kann. Die Mitnahme von Familienmitgliedern ist in der Regel unproblematisch auch die Kosten für den Umzug werden meist übernommen. Dies ist allerdings von der Region und der Branche abhängig.
Das Auswahlverfahren
Wenn Sie sich bei einem großen deutschen oder internationalen Unternehmen bewerben, können Sie sich auf die typischen Auswahlverfahren wie Assessment Center, Einzelgespräche und Eignungstests einstellen. International orientierte osteuropäische Unternehmen verfahren meist ähnlich. Bei kleineren osteuropäischen Firmen kommen auf den Bewerber in der Regel vor allem ein oder mehrere Auswahlgespräche zu.
Fazit
Die Märkte im Osten prosperieren. Der Schritt Richtung Osten schadet Ihrer Karriere nicht. Wenn Sie sich dort bewähren, haben Sie auch Vorteile beim Widereinstieg zu Hause. Durch die Erfahrungen und neuen Problemlösestrategien werden Sie nicht zuletzt auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt wertvoller!
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,53 | +1,29% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2539 | −0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 107,61 $ | +0,33% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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