31.10.2008 · Nur ein Bruchteil der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügt über eine exzellente wertschöpfungs- und umsetzungsorientierte Personalarbeit. Das zeigt eine Studie der Managementberatung Kienbaum. Die Autoren erläutern die wichtigsten Ergebnisse in einem Gastbeitrag.
Von Paul Kötter, René Werthschütz und Christian SiemenFür moderne und wettbewerbsfähige Unternehmen ist es wichtiger denn je, ihre Mitarbeiter als entscheidenden Wert ihrer Organisation zu begreifen. Ein professionelles Human Resource (HR) Management hilft den Unternehmen, den wachsenden Herausforderungen und Ansprüchen gerecht zu werden. Die Ergebnisse der Kienbaum-Studie „HR Strategie und Organisation 2008/2009“ zeigen, dass nur zehn Prozent der 290 teilnehmenden Konzerne und mittelständischen Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits heute über eine exzellente wertschöpfungs- und umsetzungsorientierte Personalarbeit verfügen.
Diese so genannten HR-Excellence Unternehmen leiten Ihre HR Strategie aus der Unternehmensstrategie ab, haben ein modernes HR-Geschäftsmodell und effektive HR-Prozesse. Dabei ist die Personalarbeit auf das Kerngeschäft ausgerichtet, wird als leistungsorientiert und wertschöpfend wahrgenommen und die Personaler selbst sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Ein Vergleich der HR-Excellence Untenehmen zu den jeweiligen Branchendurchschnitten zeigt deutliche Unterschiede.
Erfolgreiche Personalarbeit verknüpft Strategie, Organisation und Prozesse
Eine akzeptierte und gut verankerte HR Strategie wird als zentraler Grundstein erfolgreicher Personalarbeit gesehen. Im Vergleich zu den übrigen Unternehmen besteht bei den HR-Excellence Unternehmen ein deutlicher strategischer Vorsprung. Dies zeigt sich besonders durch die Einbindung des Personalbereichs in den Unternehmensstrategieprozess und mündet in einer breiteren Akzeptanz auf der Führungsebene.
In HR-Excellence Unternehmen gibt es einen jährlichen HR Strategieprozess, der für Nachhaltigkeit in der Personalarbeit sorgt. Im Kontrast zur klaren Businessorientierung der HR Themen in allen HR-Excellence Unternehmen, leitet sich nur bei gut jedem zweiten Unternehmen die HR Strategie überhaupt aus der Unternehmensstrategie ab. Zu geringe Kapazitäten und fehlende Kompetenzen des HR Management werden als die größten Umsetzungshindernisse der HR Strategie genannt. Darüber hinaus verhindert die Dominanz operativer Themen in HR oft eine stärkere strategische Einbindung.
Eine Vorreiterrolle
HR-Excellence Unternehmen nehmen in der Implementierung von State-of-the-Art-Geschäftsmodellen eine Vorreiterrolle ein. Das One Face to the Customer-Prinzip, welches einen Business Partner als festen Ansprechpartner für den internen Kunden empfiehlt, ist bei 75 Prozent dieser Unternehmen bereits vollständig implementiert, 60 Prozent bündeln konzeptionelle Aufgaben in Kompetenzcentern. Primäres Ziel der Anpassungen von HR Organisationsstrukturen ist bei diesen Unternehmen inzwischen nicht mehr die Kostensenkung, sondern die Qualitäts- und Wertschöpfungssteigerung der Personalarbeit. Die effektive und effiziente Gestaltung neuer Organisationsformen geht der Studie zufolge einher mit klar beschriebenen Prozessen und einer standardisierten HR IT-Infrastruktur.
Besonders in HR-Excellence Unternehmen wird der Prozesseffizienz eine hohe Bedeutung beigemessen. Verglichen mit den restlichen Unternehmen wickeln sie die Personaladministration und Abrechnung mit viel geringeren HR Kapazitäten ab. So können sie freigesetzte Kapazitäten für strategische HR Prozesse nutzen.
Demografie: In aller Munde und doch kein Thema
Nur etwas mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen beschäftigt sich nach eigener Aussage bereits in ausreichendem Maße mit Strategien, um der demografischen Entwicklung zu begegnen. HRExcellence Unternehmen haben das Bewusstsein für die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen bereits in doppelt so hohem Maße ausgeprägt. Erkennbar ist dies u. a. daran, dass die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen im Rahmen eines Personalplanungsprozesses doppelt so häufig wie in den übrigen Unternehmen simuliert wird.
Zur Sicherung des zukünftigen Personalbedarfs und der Steuerungsfähigkeit der Belegschaft hat sich im Rahmen eines Strategic Workforce Management die Anpassung der Personalbindungsstrategien als Trendthema herauskristallisiert. Führende Ansätze zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit sind in erster Linie die Überarbeitung der Personalentwicklungskonzepte, der Ausbau der qualitativen Personalplanung und die Förderung der Work-Life-Balance. Die Einführung spezieller Arbeitszeitmodelle ist zwar bei ungefähr einem Drittel der Teilnehmer in Planung, wird jedoch von ebenso vielen als nicht wirksam erachtet.
Mit attraktiven Arbeitgebermarken punkten
Neben den grundsätzlichen Rahmenbedingungen ist ein Strategic Workforce Management mit klarer Businessorientierung der ausschlaggebende Unterschied, der einen Wertbeitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Firma liefert. Nahezu die Gesamtheit der HR-Excellence Unternehmen ist sich der Bedeutung einer attraktiven Arbeitgebermarke im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte bewusst. Die Arbeitgeberattraktivität beeinflusst den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wesentlich.
Die Notwendigkeit der Gestaltung von Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität haben in erster Linie die HR-Excellence Unternehmen erkannt. Nur ein Drittel aller befragten Firmen ist der Meinung, dem Thema Employer of Choice genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Jedes vierte Unternehmen hat strategische Ziele zur Erreichung einer gewünschten Arbeitgeberattraktivität formuliert - jedoch transportiert nur ein knappes Drittel relevante Alleinstellungsmerkmale in Personalmarketingbotschaften. HR-Excellence Unternehmen setzen im Vergleich zu den übrigen Unternehmen auf andere Arbeitgeberattraktivitätsattribute. Die bekannten Themen wie z. B. Karrieremöglichkeiten rücken eher in den Hintergrund. Stattdessen sind Arbeitstätigkeit, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Qualität des Managements die entscheidenden Stellhebel.
Hohe Wertschöpfungs- und Umsetzungsorientierung
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass HR-Excellence Unternehmen durch eine aus der Unternehmensstrategie abgeleitete HR Strategie, ein State of the Art-Geschäftsmodell und effiziente HR Prozesse bereits heute ein effektives und erfolgsorientiertes Strategic Workforce Management gestalten. Sie haben dabei eine hohe Wertschöpfungs- und Umsetzungsorientierung ihrer Personalarbeit.
Die Kombination strategischer und qualitativer Maßnahmen in der Personalarbeit sowie das Erkennen von Zusammenhängen und Wechselwirkungen von Maßnahmen in den unterschiedlichen Themenfeldern ermöglicht es den HR-Excellence Unternehmen, Employer of Choice zu sein. Dabei steht bei allen HR Aktivitäten die Businessperspektive im Vordergrund. Alles in allem werden bei HR-Excellence Unternehmen die Mitarbeiter im Personalbereich als strategische Partner im Unternehmen angesehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,53 | +1,29% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2539 | −0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 107,61 $ | +0,33% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?