Home
http://www.faz.net/-gqe-nzi3
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 10. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Karrieresprung Persönliche Assistenten für alle

25.07.2003 ·  Gearbeitet wird von wo aus auch immer, Routineaufgaben übernimmt ein Software-Agent. Dieses Szenario skizziert das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt „Multimedia-Arbeitsplatz der Zukunft“ (MAP).

Von Birgit Obermeier
Artikel Lesermeinungen (0)

Ein ganz normaler Arbeitstag. Herr K. registriert sich morgens per Fingerabdruck bei seinem mobilen Gerät. Sein persönlicher „Agent“ bietet ihm an, für die wöchentliche Besprechung mit den Architekten einen Termin zu vereinbaren. Der Bauleiter stimmt zu. Auf der Baustelle erwartet ihn Ärger: Die Arbeit ist ins Stocken geraten, weil der Zement nicht rechtzeitig geliefert wurde. Herr K. beauftragt seinen Agenten, die nötige Menge möglichst schnell und günstig zu beschaffen. In der Zwischenzeit klärt er mit dem Polier weitere Fragen. Kurze Zeit später meldet sich der Agent mit einem guten Angebot. Er wickelt den Kauf ab und speist die relevanten Daten in das Warenwirtschaftssystem des Unternehmens ein. Den Termin mit den Architekten hat der virtuelle Helfer mit deren Agenten festgelegt - und sie dabei angewiesen, die nötigen Unterlagen bereit zu halten.

Schluß mit Routinetätigkeiten

Das Szenario entstammt dem kürzlich abgeschlossenen Projekt „Multimedia-Arbeitsplatz der Zukunft“ (MAP). Gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium entwickelten dabei insgesamt 15 Firmen und Forschungseinrichtungen Anwendungen, die den Arbeitsplatz dank der Verknüpfung der firmeneigenen IT-Infrastruktur mit öffentlich zugänglichen Services noch ortsunabhängiger machen sollen. Und den Mitarbeiter von Routinetätigkeiten befreien: Termine abstimmen, Nachrichten verwalten, Informationen beschaffen und Bestellungen ausführen - all das könnten künftig „Agenten“ übernehmen. Das sind kleine Software-Einheiten, die selbständig durch das Internet wandern und im Auftrag des Nutzers ohne weitere Anleitung bestimmte Aufgaben für ihn erledigen. Eine ständige Netzverbindung benötigen sie dazu nicht.

Im Rahmen von MAP wurden exemplarisch Anwendungen für die Bauwirtschaft getestet - eine Branche, die sich durch einen sehr hohen Kommunikations- und Abstimmungsbedarf sowie nicht vorhersehbare Situationen auszeichnet. Ein Schwerpunkt von MAP lag darauf, die agentenbasierten Transaktionen mittels Verfahren wie digitaler Signatur, Sprach- oder Gesichtserkennung sicher und rechtsverbindlich zu gestalten. Die parallele Nutzung von Sprache, Text und Handschrift sollte ebenso gewährleistet werden wie die Situationsbezogenheit der Services, sprich: Der Nutzer erhält nur jene Informationen, die er benötigt und mit dem Gerät, das er gerade nutzt, sinnvoll abrufen kann.

Neue Qualität von Nähe

Inwieweit elektronische Assistenten und unbegrenzte Mobilität die Arbeit in Zukunft tatsächlich erleichtern, wurde begleitend vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München untersucht. Zentrales Ergebnis: Das in vielen Branchen so notwenige erfahrungsgeleitete Wissen können Software-Agenten ebenso wenig ersetzen wie die informelle Kommunikation, resümiert ISF-Projektverantwortliche Sabine Pfeiffer. „Sie können dem Nutzer aber für diese genuin menschlichen Fähigkeiten den Rücken frei halten, indem sie ihm Routineaufgaben abnehmen.“ Und ihm damit die Chance gibt, sich wieder mehr auf seine „eigentliche“ Arbeit zu konzentrieren. Statt administrative Tätigkeiten im Büro zu erledigen - die meist noch nicht einmal ausreichend budgetiert sind - können Bauleiter ebenso wie Pfleger oder andere Berufsgruppen wieder verstärkt vor Ort arbeiten. Die notwendigen Unterlagen tragen sie auf dem mobilen Gerät immer mit sich. Auf diese Weise schaffe die technikunterstützte Arbeit aus der Distanz - paradoxerweise - eine neue Qualität der Nähe.

Sich von einem Software-Programm bestimmte Aufgaben abnehmen lassen, erfordert freilich ein gewisses Vertrauen. „Der Nutzer muß aktiv in die Entwicklung einbezogen werden - auf daß ihm die Technik tatsächlich sinnvolle Anwendungen bietet“, fordert Pfeiffer. Zudem müsse ihm verdeutlicht werden, nach welchen Prinzipien die Software-Agenten arbeiten, wo im virtuellen Raum sie sich gerade befinden und wie sie sich im Bedarfsfall von ihrer Einkaufstour zurückholen lassen. Auch im Falle von rechtlichen Unklarheiten, etwa bei einer fehlgeleiteten Bestellung, müssen ihre Bewegungen nachvollziehbar sein. Transparenz heißt das Zauberwort für die Akzeptanz der MAP-Szenarien. Ebenso wichtig ist das Vertrauen in die Sicherheit der Anwendungen.

Auszeit für den Agenten

Das läßt sich beim Nutzer am besten durch ein schrittweises Herantasten aufbauen. Generell müsse es ihm überlassen bleiben, ob und wann er seinen Agenten einsetzt, sagt Pfeiffer. „Viele Routinetätigkeiten haben schließlich auch Nebeneffekte. Manchmal kann ein Telefonat dazu dienen, die Stimmung des Gesprächspartners zu erkunden.“ Und wenn der intelligente Agent zu nerven beginnt, muß er per Knopfdruck zur Ruhe gestellt werden können. Ob das der Arbeitgeber akzeptiert oder dank der technischen Möglichkeit einen allzeit bereiten 24-Stunden-Mitarbeiter voraussetzt, ist eine andere Frage.

Buchtip: Alcatel SEL Stiftung/Forum Soz. Technikgestaltung (Hg.): Mobile Arbeitswelten. Talheimer Verlag, 24,- €, ISBN 3-89376-087-3

Quelle: @ober
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Der große Knall

Von Holger Steltzner

Noch mehr Kredit löst die Strukturprobleme Griechenlands nicht. Das hilft nicht gegen Korruption, Steuerhinterziehung, unfähige Verwaltung und Klientelpolitik. Wenn stattdessen weiter nur Renten und Gehälter gekürzt werden, droht der große Knall. Mehr 6 69

09.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.788,80 +0,59%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.788,80 +0,59%
FAZ-INDEX 1.515,08 +0,60%
TecDAX 773,23 −0,05%
MDAX 10.356,30 +0,39%
SDAX 5.020,58 +1,11%
REX 421,13 +0,02%
Eurostoxx 50 2.522,34 +0,37%
F.A.Z. EURO INDEX 81,31 +0,42%
Dow Jones 12.890,50 +0,05%
Nasdaq 100 2.563,93 +0,72%
S&P500 1.351,95 +0,15%
Nikkei225 9.002,24 −0,15%
EUR/USD 1,3274 −0,07%
Rohöl Brent Crude 118,23 $ −0,39%
Gold 1.748,00 $ +0,11%
Bund Future 137,23 € −0,37%