23.03.2007 · Die Arbeitsmärkte der EU-Staaten wachsen zusammen - zumindest in der Theorie. Die Realität sieht oft anders aus. Eine Studie belegt: Sprachbarrieren, bürokratische Hindernisse und Integrationsprobleme berhindern die Mobilität der Arbeitnehmer in Europa.
Von Louis de VriesEin freier Binnenmarkt für Güter, Dienstleistungen und Kapital und ein grenzenloser Arbeitsmarkt - soweit die Vision einer funktionierenden EU. Doch die Realität ist eine andere - zumindest dann, wenn es um die Mobilität der Arbeitnehmer geht. Das zeigt eine Studie mit dem Titel „Managing Mobility Matters“, von PricewaterhouseCoopers (PWC). 445 europäische Unternehmen aus 13 EU-Mitgliedstaaten und der Schweiz hat PWC zu dem Thema befragt - zum mit Teil ernüchternden Ergebnissen.
Zwar stimmen alle befragten Unternehmen zu, dass Mobilität auf dem Arbeitsmarkt in Europa immer wichtiger wird, Netzwerke erweitert und die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt steigert. Das Idealbild vom grenzenlosen Arbeitsmarkt innerhalb der EU ist bis jetzt aber kaum Realität geworden. Lediglich jeder 20. Arbeitnehmer bewarb sich 2006 bei einem Unternehmen in einem anderen EU-Land. Das ist viel weniger als es beispielsweise im selben Jahr in den Vereinigten Staaten der Fall war.
Vielschichtige Ursachen
Die Ursachen für die bislang schleppende Entwicklung eines einheitlichen Arbeitsmarktes sind vielschichtig. Fest steht, dass sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer vor großen Herausforderungen stehen - sowohl wirtschaftlich als auch sozial - und auf ein hohes Maß an Komplexität treffen, wenn sie die Vision eines einheitlichen europäischen Arbeitsmarktes in die Wirklichkeit umsetzen möchten.
Doch was genau hemmt die Mobilität der Arbeitnehmer? Welches sind die Hindernisse für Unternehmen? Und warum ist es so schwer sie aus dem Weg zu räumen? Einige Antworten aus der Studie.
Hürden aus Sicht der Unternehmen
- Bürokratie-Hemmnisse: Unterschiedliche Steuer- und Sozialsysteme innerhalb der EU-Länder erschweren den Unternehmen die Einstellung von ausländischen Arbeitnehmern. Knapp 36 Prozent geben beispielsweise unterschiedliche Steuersysteme als ein Hindernis für die Mobilität in Europa an.
- Fehlende einheitliche Gesetzgebung: Unternehmen, die ausländische Bewerber einstellen möchten, sehen sich mit einem hohen Zeitaufwand und Kosten konfrontiert. So erklärten 35 Prozent der befragten Unternehmen, dass mangelnde einheitliche Gesetzgebung Grund für ihre zurückhaltende Einstellung sei.
- Unterschiedliche Vergütungsformen: Für dieselben Leistungen gibt es immer noch keine einheitlichen Vergütungssysteme in den einzelnen EU-Ländern. Für 30 Prozent der deutschen Unternehmen stellen unterschiedliche Vergütungsformen einen Grund für ihre zurückhaltende Einstellung gegenüber ausländischen Bewerbern dar.
- Integrationsprobleme aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse: Mit nahezu 90 Prozent stellen Sprachbarrieren für deutsche Unternehmen das größte Hindernis für die Zusammenarbeit dar. Kritischer schätzen nur schwedische Unternehmen mit 94 Prozent die sprachlichen Hindernisse ein.
- Schwierigkeiten bei der Rekrutierung ausländischer Arbeitnehmer: Eine nur beschränkte Auswahl an erfahrenen Arbeitskräften gestaltet die Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften mühsam und langwierig. Nahezu 29 Prozent der befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass die Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern für sie immer noch eine große Herausforderung darstelle. Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch, dass die Rekrutierung mobiler Arbeitnehmer für Unternehmen von stetig wachsender Bedeutung ist. So setzen 38 Prozent der befragten Unternehmen auf eine international einsetzbare Belegschaft, um die Internationalisierung voran zu treiben und darüber hinaus ihren Kundenservice zu verbessern.
Hürden aus der Sicht der Arbeitnehmer
- Familiäre und soziale Gründe: Die Angst vor dem privaten Neuanfang und dem Verlust sozialer Bindungen hält viele von einer Auslandsbewerbung ab. Dies war für 40 Prozent der Befragten der wichtigste Hinderungsgrund für einen Ortswechsel.
- Probleme bei der Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen: Unterschiedliche Ausbildungsabschlüsse in den EU-Ländern erschweren eine einheitliche Bewertung der Qualifikation eines Mitarbeiters. Für etwa 25 Prozent der potentiellen Bewerber stellen unterschiedliche Ausbildungssysteme einen Hinderungsgrund für eine europaweite Bewerbung dar.
- Mangelnde Sprachkenntnisse: Etwa 19 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund von Sprachproblemen vor einer Auslandsbewerbung zurückzuschrecken.
Mobilitätsanforderungen werden steigen
Fest steht, dass ungeachtet der bislang schleppenden Entwicklung eines einheitlichen europäischen Arbeitsmarktes nahezu 70 Prozent der befragten Unternehmen davon überzeugt sind, dass Mobilitätsanforderungen an ihre Beschäftigten in den kommenden Jahren steigen werden.
Diese Einstellung gelte es aufzugreifen und voran zu bringen, so das Fazit der Autoren der Studie. Nicht zuletzt durch äußere Zwänge könnten Unternehmen und Regierungen noch bestehende Hürden auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen Arbeitsmarkt beseitigen und ihre Arbeitnehmer zu mehr Mobilität ermutigen.
Acht verschiedene Typen mobiler Arbeitnehmer werden unterschieden:
Der „traditionelle“ Expatriate
Ein Arbeitgeber veranlasst seinen Arbeitnehmer, in einem andern Land zu wohnen und zu arbeiten. Dies geschieht entweder längerfristig in einem Zeitraum zwischen zwei und fünf Jahren oder kurzfristig für etwa einen bis zwölf Monate. Auf lange Sicht wird der Arbeitnehmer jedoch wieder in sein Heimatland zurückkehren.
Der permanent Versetzte
Ein Arbeitnehmer wird von seinem Arbeitgeber in ein anderes EU-Land versetzt und erhält einen Arbeitsvertrag nach den dort geltenden lokalen Bedingungen. Ob der Arbeitnehmer wieder in sein Heimatland zurückkehren wird, wird hier außer Acht gelassen.
Der international Angestellte
Der Arbeitnehmer wird speziell für ein EU-Land rekrutiert, um nach den dort geltenden lokalen Bedingungen zu arbeiten. Den ständigen Wohnsitz behält der Arbeitnehmer jedoch in seinem ursprünglichen Heimatland.
Der lokal Angestellte
Ein in einem anderen Land geborener Arbeitnehmer wird für ein bestimmtes EU-Land rekrutiert, um an einem anderen Ort als seinem Geburtsort oder seinem ständigen Wohnort für seinen Arbeitgeber zu arbeiten.
Der grenzüberschreitende Pendler
Der Arbeitnehmer pendelt aufgrund seiner Arbeitstätigkeit von seinem Heimatland zu seinem Arbeitsplatz in ein anderes EU-Land, gewöhnlich auf wöchentlicher oder zweiwöchentlicher Basis. Seinen ständigen Wohnsitz behält der Arbeitnehmer jedoch unverändert in seinem Heimatland.
Der rotierende Angestellte
Der Arbeitnehmer pendelt jeweils für wenige Monate von seinem Heimatland in ein anderes EU-Land zur Arbeit, ohne aber seinen ständigen Wohnort zu wechseln. Üblicherweise arbeitet er an abgeschiedenen Standorten und ist härteren Bedingungen ausgesetzt als andere Angestellte, die für eine gewisse Zeit an einem städtischen Standort arbeiten.
Der virtuelle Angestellte
Der Angestellte übernimmt die Verantwortung für mehrere Länder gleichzeitig und arbeitet als Teil eines Teams, dessen Mitglieder in verschiedenen Ländern ansässig sind. Umfangreiche Geschäftsreisen gehören ebenso zum Alltag eines virtuellen Angestellten wie ein entsprechend hoch entwickeltes Informations- und Kommunikationssystem. (Siehe dazu auch: Arbeiten in virtuellen Teams )
Der Heimarbeiter
Der Angestellte arbeitet, ausgestattet mit der entsprechenden Kommunikations- und Informationstechnologie, von zu Hause aus für seinen Arbeitgeber.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.781,00 | −0,76% |
| Nasdaq 100 | 2.556,01 | −0,75% |
| S&P500 | 1.343,23 | −0,54% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3039 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 119,04 $ | +1,28% |
| Gold | 1.733,00 $ | +0,64% |
| Bund Future | 139,05 € | +0,38% |