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Karrieresprung MBA oder Promotion?

07.12.2007 ·  Weiterbildung und Qualifizierung sind wichtig. Doch welcher Weg dafür der richtige ist, ist umstritten. Promotion und MBA haben Vor- und Nachteile. Zwei Berater des Duisburger IT-Dienstleisters Cundus berichten über die unterschiedlichen Wege, die sie gegangen sind.

Von Ines Brunner
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Für Isabel Schaub ist bei ihrem MBA-Studium (Master of Business Administration) im Dezember 2007 Halbzeit. Nach weiteren zwölf Monaten will sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Damit hofft die Mitarbeiterin der Cundus AG, einem IT-Dienstleister aus Duisburg, im Berufsleben weiterzukommen - auch international. „Im Bachelor-Studium fehlte mir einfach die Praxis“, sagt die Projektmitarbeiterin. Mit einem breiteren Wissen in der Betriebswirtschaftslehre erhofft sie sich größere Karrierechancen für leitende Positionen.

Mit ihrem Aufbaustudium schlägt Isabel Schaub zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie arbeitet bei Cundus und erhält weiteres BWL-Know-how in einem Teilzeitstudium. Die Früchte ihrer Mühen kann die Beraterin schon jetzt ernten: Aus der ehemaligen Projektassistentin wurde eine Beraterin mit Projektverantwortung. „Ohne die Unterstützung durch Cundus wäre dies nicht möglich gewesen“, sagt die 24-Jährige. Die Duisburger Spezialisten für Business Intelligence fördern ihr MBA-Studium nicht nur finanziell, sondern stimmen die Projekteinsätze auch flexibel auf ihre Seminare ab.

Wert des Titels steigt und fällt mit dem Ruf der Einrichtung

Insbesondere Personalentscheider in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien bevorzugen heute MBA-Absolventen bei der Besetzung von leitenden Positionen - kein Wunder, denn dies sind die Mutterländer des MBAs. Doch Anwärter stehen vor der Qual der Wahl: Um einen der begehrten Abschlüsse zu erhalten, heißt es vorab zwischen tausenden weltweiten Anbietern für abertausende MBA-Programme zu wählen. Schon im Jahr 2001 waren es laut einer Analyse der Internationalen Agentur zur Qualitätssicherung und Akkreditierung von Studiengängen und Institutionen (FIBAA) 3.500 Programme - Tendenz steigend. Hans-Carsten Hansen, Personalchef bei BASF, empfiehlt international renommierte Schulen, denn der Wert des MBA-Titels steigt und fällt mit dem Ruf der Einrichtung. Die FIBAA bietet etwas Orientierung auf dem Markt der MBA-Anbieter.

Isabel Schaub entschied sich für einen General MBA of Growth Management an der Steinbeis-Hochschule Berlin. „Die FIBAA-Akkreditierung und Empfehlungen von ehemaligen MBA-Studenten waren entscheidend“, erklärt die Beraterin. „Mein Arbeitgeber unterstützt mich nicht nur bei der Finanzierung, sondern stellt mich auch für die MBA-Kurse frei. Im Gegenzug habe ich mich verpflichtet, mindestens zwei Jahre nach dem Abschluss im Unternehmen zu arbeiten - schließlich handelt es sich um hohe Investitionen.“ Britta Nienhaus, Personalverantwortliche bei Cundus, unterstreicht: „Bei der Auswahl der Bildungseinrichtung stehen die fachlichen Inhalte und die Vereinbarung von Beruf und Studium im Vordergrund. Das Anbieter-Ranking ist sekundär, aber nicht unwichtig. Der Kostenfaktor spielt natürlich auch bei der Auswahl eine gewisse Rolle. Bisher haben wir da aber keine Grenzen für die finanzielle Unterstützung festgelegt. Für uns ist es wichtig, den Mitarbeiter bestmöglich und individuell zu fördern.“

Zwei Seiten

Alles hat zwei Seiten, auch der von Isabel Schaub so genannte „MBA-Hype“. „Bei der Schwemme von MBA-Absolventen fällt es immer schwerer, sich von der Masse abzuheben“, sagt Isabel Schaub und ergänzt: „Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich meinen Abschluss in den USA oder in Großbritannien machen - in Deutschland steckt der MBA noch in den Kinderschuhen.“ Auch Britta Nienhaus würde bei gleicher Eignung einem Absolventen, der seinen Abschluss im Ausland gemacht hat, den Vorzug geben. „Mit den Fremdsprachenkenntnissen und der Auslandserfahrung sind diese Bewerber meistens im Vorteil.“

Anders als im angelsächsischen Raum ist laut Dr. Patrik Fischer von der Deutschen Bank bei deutschen Personalentscheidern nicht der MBA, sondern die Promotion ein Muss für alle, die verantwortungsvolle Stellen in der Wirtschaft oder in forschungsnahen Bereichen anstreben. Promovierte punkten hierzulande mit einer tief greifenden und spezialisierten Ausbildung.

„Es geht auch um Reputation“

Frank Navrade, Business Intelligence-Berater bei Cundus, hat den Eindruck, „dass es dabei nicht nur um Qualifikation, sondern auch um Reputation geht. Man will in der Chefetage einfach auf gleicher Augenhöhe kommunizieren.“ Der Karriereweg des Beraters war eher untypisch. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann studierte er Betriebswirtschaftslehre. „Ich war schon immer IT-affin“, erklärt Frank Navrade. „Leider wurde Wirtschaftsinformatik an der Uni Düsseldorf nicht als Schwerpunkt angeboten. Als Berater bei Cundus konnte ich jedoch meine Interessen mit meinen Fähigkeiten verbinden.“ Hier traf er auch seinen späteren Doktorvater, Prof. Dr. Peter Chamoni. Der Aufsichtsratsvorsitzende sowie der Vorstand der Cundus AG regten ihn zu einer Promotion am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen an. Nach fünfzehnmonatiger Tätigkeit für den IT-Dienstleister wechselte Frank Navrade den Schreibtisch. „Ich erhielt für vier Jahre eine Vollzeitstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wurde von Cundus in dieser Zeit freigestellt. Gerade die enge Beziehung meines Arbeitgebers zu meinem Doktorvater Professor Chamoni haben für eine intensive Betreuung gesorgt.“

Im Juli 2007 ist Frank Navrade Vollzeit zu Cundus zurückgekehrt und hat die Promotion so gut wie abgeschlossen: „Die Firma hat sich gefreut, dass ich nun meine Beraterrolle voll ausfülle.“ Im Dezember steht die Disputation an, danach muss er seine Dissertation noch publizieren. Erst nach Veröffentlichung seiner Arbeit darf er den Doktortitel auf seine Visitenkarte schreiben. „Das Gehalt hat sich allerdings bereits jetzt verändert“, meint er. Ebenso sein Aufgabengebiet: „Bei Kundengesprächen habe ich häufiger Kontakt mit Entscheidern und Führungskräften.“ Mit seinem Doktortitel will er sich „Türen auf dem Berufsweg offen halten“.

So zeitig wie möglich planen

Wer promovieren will sollte wissen, welche Türen er damit öffnet oder schließt. Bei Cundus sieht man die Promotion neben dem Job gerne. Promovierte verfügen über außergewöhnlich starke konzeptionelle Fähigkeiten und methodisches Vorgehen. Britta Nienhaus räumt deshalb auch Geisteswissenschaftlern mit Doktortitel eine gute Chance in der Wirtschaft ein: „Sie können komplexe Probleme durch abstraktes Denken und Transferfähigkeiten lösen.“ Gepaart mit Berufserfahrung und Branchenaffinität sind dies ideale Voraussetzungen. Deswegen sollte das Karriereziel so zeitig wie möglich geplant werden.

„Die Stellen für leitende Positionen werden bei uns nicht von vornherein abschlussspezifisch ausgeschrieben“, sagt Britta Nienhaus. „Der Doktortitel vermittelt einfach Kompetenz und Kunden arbeiten gern mit Promovierten zusammen. Letztlich muss aber unabhängig von Abschluss und Titel die Gesamtqualifikation des Bewerbers für die Position stimmen.“ Gerade im Business Intelligence-Umfeld, in dem Cundus zu Hause ist, macht erst die Mischung aus Generalisten und Spezialisten den Erfolg des Unternehmens aus.

Quelle: Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag der Agentur „Storymaker“.
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