26.10.2007 · SAP-Berater und -Entwickler stehen wieder oben auf der Liste der gesuchten IT-Jobs. Aber der Technikfreak, der nur im stillen Kämmerchen sitzt, ist kaum gefragt. Kommunikations-fähigkeit und Verkaufstalent werden wichtiger.
Von Gabi VisintinSAP-Berater und -Entwickler stehen heute wieder ganz oben auf der Liste der gesuchten IT-Jobs. Bei der Auswahl legen Personalberater, SAP-Dienstleister und -Anwender zunehmend Wert auf persönliche Merkmale. Technische Fähigkeiten und Feinheiten können gelernt werden.
„Wir finden nach wie vor gute IT-Berater und Software-Entwickler“, betont Bülent Uzuner, Vorstand der BTC Business Technology Consultant AG aus Oldenburg, „der Markt ist allerdings enger geworden und es bedarf größerer Anstrengungen, sie zu gewinnen“. Der SAP-Dienstleister BTC mit rund 1000 Mitarbeitern sucht derzeit 130 IT-Fachkräfte, davon allein 22 Entwickler - möglichst mit Branchenwissen, etwa für den Automotive-, Kommunal- oder Energieversorgungsbereich.
Anforderungsprofil hat sich „dramatisch geändert“
Die verstärkte Suche nach IT-Fachkräften ist auch ein Hinweis auf den hohen SAP-Durchdringungsgrad in den Unternehmen. Dabei spielt die branchen- und kundenspezifische Anpassung der Software an die jeweilige Unternehmens- und Logistikprozesse eine wachsende Rolle. Das ist für Jürgen Rohrmeier, Senior Partner und Mitglied des Vorstands bei der Personalberatung Pape Consulting Group aus München, auch ein Grund, warum sich das Anforderungsprofil an technische Berufe wie Programmierer, Entwickler, Software-Architekten oder SAP-Spezialisten „dramatisch geändert hat.“ Rohrmeier erläutert: „Heute nimmt der Kunde auf die IT-Lösungen einen viel stärkeren Einfluss als in der Vergangenheit, das heißt, auch ein Entwickler muss in der Lage sein, mit dem Kunden zu sprechen.“
Geschäftsführer Wilfried Hübl vom IT- und SAP-Dienstleister, Bebit Informationstechnik GmbH aus Mannheim, bestätigt diesen Trend: „Unser Geschäft wird vom Kunden getrieben und erfordert Mitarbeiter, die die Sprache des Kunden sprechen und Vertrauen schaffen“ Natürlich ist auch technische Expertise gefragt, aber da sind sich die Fachleute einig: Auf einer soliden IT-Grundausbildung lässt sich Technik-Know-how während des Jobs aufbauen und weiterentwickeln. Doch das reicht heute in der Regel nicht mehr aus. Wilfried Hübl betont: „Als mittelständischer IT-Dienstleister suchen wir den Beratertypus des 'pragmatischen Allrounders', der Prozess-, Customizing- und SAP-Entwicklungskompetenz in einer Person vereint“. In Stellenanzeigen findet man deshalb auch immer öfters den Begriff des „Development Consultant“.
Entwickler fürs stille Kämmerchen sind nicht mehr gefragt
Für den Personalberater Rohrmeier manifestiert sich in dieser neu kreierten Funktion der fundamentale Wandel, den die IT-Dienstleister und damit auch die Anforderungsprofile an Bewerber in der vergangenen Dekade erlebt haben: „Vor rund zehn Jahren waren die Funktionen in den IT-Dienstleistungsunternehmen noch sehr stark unterteilt, z.B. in die reine Berater- oder Entwicklerfunktion.“ Inzwischen wird jedoch kein Entwickler mehr fürs stille Kämmerchen gesucht, der irgendwann sein Stück Software auf den Tisch legt und mit einem neuen Auftrag wieder in der „Dunkelkammer“ verschwindet.
Das hat zur Folge, dass die technischen Fähigkeiten, die ein Bewerber mitbringt, zwar nicht unerheblich sind, aber die „Softskills“ eine viel wichtigere Rolle spielen als früher. Kompetenzen wie Kommunikations-, Team- oder Präsentationsfähigkeiten lassen sich allerdings nicht aus den Abiturs- oder Hochschulnoten ablesen - ein Kriterium das für viele Entscheider heute aber immer noch zu den Wichtigsten zählt. Bülent Uzuner von BTC kann das nicht nachvollziehen: „Das wird in Deutschland gerne falsch gemacht; es wird zu sehr auf den IQ geachtet.“ Der Vorstandsvorsitzende aus Oldenburg, der innerhalb des unternehmensinternen New Talent Programms Kandidaten direkt anleitet, plädiert für eine „Balance aus IQ und EQ“. Die „Emotionale Intelligenz“ macht für ihn erst die Persönlichkeit aus, die heute auch im stark technisch ausgerichteten Berufsbild der IT-Fachkraft gefordert wird.
„Soziale Fähigkeiten kann man erlernen“
Für manches technische Ass ist das ein Problem: „Je technisch bewanderter ein Kandidat ist, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er bei den Softskills Nachholbedarf hat“, lautet eine Erfahrung des Personalberaters Rohrmeier. Doch das Problem ist lösbar. Die Lösung rückt allerdings wieder Fragen ins Blickfeld, mit denen der Personalberater seit seinem Psychologie-Studium immer wieder konfrontiert war. Sind es die Gene, die gute Kinderstube oder das Gelernte, die aus einem Bewerber den richtigen Kandidaten für einen IT-Dienstleister macht? Rohrmeier bestreitet den positiven Anteil einer „guten Kinderstube“ am Profil eines Bewerbers nicht, ist aber überzeugt, dass es auch jemand schafft, der diesen Vorteil nicht in seinem Lebenslauf vermerken kann. „Denn die gute Nachricht heißt, man kann die sozialen Fähigkeiten auch erlernen“, sagt Rohrmeier.
Das beste Indiz für die Lernfähigkeit ist für ihn der gegenwärtige Boom der Trainer, die derzeit besonders intensiv in der Schulung der sozialen Persönlichkeitsmerkmale unterwegs sind. Auch die eine oder andere Hochschule füllt den „Nürnberger Trichter“ zusätzlich zu den Wissens- auch mit EQ-Einheiten. Laut Personalleitern und -beratern besteht an den Hochschulen aber grundsätzlich noch ein großer Nachholbedarf in der EQ-Ausbildung. Ein Stückchen weiter seien dagegen Bewerber aus Fachhochschulen oder Berufsakademien (BA).
So bekommen die betriebsspezifischen Trainingsprogramme eine besondere Bedeutung, die neben der fachlichen Weiterbildung auch die Persönlichkeitsentwicklung ins Visier nehmen müssen. „Weiterbildung ist fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, betont Wilfried Hübl. Für Bülent Uzuner gehört die interne Ausbildung so und so zu den ureigensten Aufgaben eines Unternehmens - nicht nur in Auftrags-Hochzeiten: „Die Personalentwicklung ist keine Eintagsfliege, sondern eine Daueraufgabe.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.756,30 | −1,04% |
| Nasdaq 100 | 2.543,87 | −0,78% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3173 | −0,83% |
| Rohöl Brent Crude | 117,50 $ | −1,00% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,71 € | +1,08% |