19.03.2004 · Freiwilliges Engagement macht einen Bewerber interessant. Viele Unternehmen schließen daraus auf Offenheit, Einsatzwillen und hohe Sozialkompetenz.
Von Birgit ObermeierInteressante Bewerbungen trudeln bei der Lufthansa zuhauf ein. Gute Noten und fachliche Qualifikationen, Auslandsaufenthalte, Fremdsprachenkenntnisse - alles vorhanden. Ob der Kandidat zum Gespräch eingeladen wird, hängt nicht selten davon ab, ob er sich engagiert. Freiwillig, in seiner Freizeit. „Bei bestimmten Zielgruppen, unserem Führungskräftenachwuchs etwa, schauen wir explizit auf außerberufliches Engagement“, sagt Doris Krüger, Leiterin Konzern-Personalmarketing bei der Lufthansa in Frankfurt. Die Fluggesellschaft erwartet von ihren Mitarbeitern Offenheit und Einsatzwillen. Das sei zu erwarten von Menschen, „die über den Tellerrand blicken und nicht nur ihr BWL-Studium im Kopf haben“, begründet Krüger.
Eine ähnliche Philosophie herrscht bei McKinsey. Nicht von ungefähr heißt das Motto der aktuellen Rekrutierungskampagne „Passion wanted“. Wer sich für etwas begeistert, ohne dafür unmittelbar belohnt zu werden, beweist ein hohes Maß an Motivation, begründet eine Sprecherin. „Soziales Engagement ist dabei ein Aspekt, der uns besonders positiv auffällt.“ Der Konsumgüterriese Procter & Gamble hingegen pflegt eine recht pragmatische Sicht auf den freiwilligen Einsatz: „Wir wollen einen Beleg dafür haben, daß der Bewerber bestimmte Fähigkeiten wie Teamgeist oder Führungsqualitäten mitbringt“, sagt Personal-Sprecherin Gabi Hofmann.
Jeder Dritte engagiert sich
Ob Trainer der Volleyball-Jugend, Sprecher einer Studentenvereinigung oder Mitarbeiter bei der Telefonseelsorge - Engagement ist in deutschen Firmen zunehmend gefragt, bestätigt Jürgen Hesse, Karriereberater und Gründer des Büro für Berufsstrategie in Berlin. „Das schwappt allmählich aus den USA herüber, wo eine freiwillige Tätigkeit in vielen Firmen als Voraussetzung für den beruflichen Aufstieg gilt.“
Einer repräsentativen Befragung des Bundesfamilienministeriums zufolge ist jeder dritte Deutsche ab 14 Jahren ehrenamtlich tätig. Mit Abstand am häufigsten im Sport, gefolgt von den Bereichen Schule und Kindergarten, Kirche und Freizeit. Interessant: Während sich Frauen eher familienbezogen und sozial engagieren, bevorzugen Männer Bereiche mit einer stärkeren Berufsrelevanz und höherem Prestige. Durchschnittlich 15 Stunden investieren die Freiwilligen pro Monat in organisatorische und praktische Tätigkeiten oder Hilfeleistungen.
Fallstricke bei der Bewerbung
Im Lebenslauf ist das einen gesonderten, abschließenden Absatz wert, meint Karriereberater Uwe Schnierda. Dort sollte man das Engagement möglichst mit einer Funktionsbezeichnung und knappen Auflistung der Aufgaben skizzieren, ähnlich einer beruflichen Station. Die Betonung liegt auf knapp: „Wer seine ehrenamtliche Tätigkeit im Anschreiben ausführlicher darstellt als seine berufliche, läßt vermuten, daß er sich dort wohler fühlt als in seinem Job.“ Vorsicht ist bei politischem Engagement geboten: „Besser keine Partei beim Namen nennen, sondern von parteilicher Mitarbeit sprechen.“ Generell empfehle es sich, die ausgeschriebene Position fest im Blick zu behalten. Einer im Hospiz engagierten Frau etwa, die sich auf einen Führungsposten bewirbt, könne schnell ein „Mutter-Teresa-Touch“ anhaften, warnt Schnierda.
Keinesfalls sollte man ein Pro-Forma-Engagement als Türöffner mißbrauchen, warnt Karriereberater Hesse: „Im Bewerbungsgespräch wird auf jeden Fall nachgefragt - und da muß ich gut begründen können, warum ich mich für eine bestimmte Sache stark mache.“ Karrieristen mit strategischen Engagements seien schnell zu durchschauen. Dem ernsthaft Engagierten bietet sich im Gespräch hingegen die Möglichkeit, seine Schlüsselqualifikationen nicht nur zu beteuern, sondern anhand von praktischen Beispielen aus der Freiwilligenarbeit zu illustrieren. Weit zurückliegende Tätigkeiten - etwas die des Schülersprechers - solle man dazu allerdings nicht bemühen, rät Hesse.