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Karrieresprung „Es geht um die Attraktivität der Hochschulen“

04.04.2003 ·  Die Entwicklung multimedialer Lehrmodule läuft an deutschen Unis auf Hochtouren. Noch, denn Ende des Jahres versiegen die Fördergelder des Bundes. Ob die Einzelprojekte fortgeführt werden, hängt von vielen Faktoren ab.

Von Birgit Obermeier
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Der Professor doziert, die Studenten kritzeln eifrig mit. Verstehen werden sie den Stoff hoffentlich zuhause, über den Lehrbüchern. Frontalunterricht pur. Im interaktiven Zeitalter ist das nicht mehr zeitgemäß, erkannte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vor ein paar Jahren und öffnete den großen Geldtopf. Mit insgesamt 185 Millionen Euro fördert es im Rahmen der Offensive „Neue Medien in der Bildung“ mehr als 100 Hochschul-Verbundprojekte zur Entwicklung multimedialer Lehr- und Lernangebote.

Vergangenes Jahr kamen nochmals 25 Millionen Euro für das Vorhaben „Notebook University“ dazu. Die beteiligten 26 Hochschulen installierten auf dem Campus Funknetze, über die sich die Studenten per Laptop drahtlos ins Internet einwählen können. Nicht nur um damit Emails abzurufen oder online in der Bibliothek zu recherchieren. Auch der Unterricht soll mit interaktiven Elementen angereichert werden.

An der Uni Münster entsteht derzeit eine Lernumgebung für botanische Bestimmungsübungen. Die FH Potsdam entwickelt eine Plattform, auf der angehende Bauingenieure ihre statischen Berechnungen per 3D-Animation auf ihre Tragfähigkeit überprüfen können. Gleich eine ganze Reihe von Universitäten arbeitet daran, die theorielastige Mediziner-Ausbildung um multimedial aufbereitete Krankengeschichten und Diagnose-Übungen aufzupeppen.

Ende der Förderung

Allein: Im nächsten Jahr läuft die Förderung durch das BMBF aus. Wie die Projekte dauerhaft in den regulären Hochschul-Betrieb integriert werden können, ist zumeist völlig unklar. Fest steht nur: Die Entwicklung, tutorielle Betreuung und Aktualisierung multimedialer Lehrinhalte ist teuer. Bislang sei zudem häufig der Zusatznutzen der Neuen Medien noch nicht optimal ausgeschöpft worden. Zudem mangele es noch an Aufgeschlossenheit seitens der Hochschulleitung, kritisiert die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) kürzlich in einem Beschluss.

Das Gremium, in dem nahezu alle deutschen Hochschulen vertreten sind, hat deshalb eine Reihe von Handlungsempfehlungen verabschiedet. Die zentrale Aufgabe jeder einzelnen Hochschule lautet demnach: Sie muss in enger Zusammenarbeit mit den einzelnen Fachbereichen eine Strategie erarbeiten, wie und wo computergestützte Anwendungen in die Lehre eingebunden werden. Das sei kein fakultativer Luxus, sagt Adelheid Ehmke, Präsidenten der FH Trier und Vizepräsidenten der HRK: „Es geht um die künftige Attraktivität der deutschen Hochschulen.“

Medien-Kompetenz als Berufungskriterium

Dank moderner Autorenwerkzeuge sei es für einen Dozenten heute kein Zauberwerk mehr, Fachinhalte multimedial aufzubereiten, meint Ehmke: „Um einen attraktiven und didaktischen Mehrwert zu erzielen, sollte er aber auch Pädagogen, Kommunikationsdesigner oder versierte Studenten einbeziehen.“ Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist freilich nicht gerade Standard an deutschen Unis. „Es braucht Anreize“ weiß auch Ehmke. Geht es nach der HRK, gilt Erfahrung im Umgang mit Neuen Medien künftig als Kriterium bei Berufungen. Die Erstellung von Lehrmodulen sollte auf das Lehrdeputat angerechnet werden und dem Autoren sowohl einen finanziellen Bonus als auch Renommee bringen - ähnlich wie ein Lehrbuch.

Neben der interdisziplinären Zusammenarbeit fordert die HRK auch eine hochschulübergreifende. Gegen die x-te Entwicklung einer computergestützten Einführung in die Betriebswirtschaft sprechen allein die Kosten. Generell müsste bei multimedialen Produktionen auf ihre längerfristige Nutzbarkeit geachtet werden. Sprich: Die Inhalte müssen mit geringem Aufwand zu aktualisieren sein. Ehmke schwebt eine Art virtuelle Bibliothek vor, auf der die Lehrmodule zentral verwaltet und für die Dozenten verfügbar gemacht werden. Zunächst auf Länderebene, später auch bundesweit oder gar international.

Viele ungeklärte Fragen

Bis dahin ist bei den Hochschullehrern allerdings noch jede Menge Skepsis abzubauen. Die Angst vor der eigenen Austauschbarkeit sei völlig unbegründet, meint Ehmke: „Ich bekomme ja auch keinen Schreck, wenn ein neues Lehrbuch auf den Markt kommt.“ Individuelle Schwerpunkte kann der Dozent in seinem Kurs weiterhin selbst setzen. „Mit dem Vorteil, dass er mehr Zeit dafür sowie für die Betreuung der Studenten hat.“

Bleiben noch ein paar weitere Hürden auf dem Weg zum zeitgemäßen Unterricht: Der Austausch von multimedialen Lehrmodulen setzt gemeinsame technische Standards voraus. Derzeit nutzen die Unis aber eine Vielzahl nicht kompatibler Lernplattformen. Auch die Sache mit den Autorenrechten ist noch nicht geklärt. Und dann ist da noch die ewig gleiche Frage: Wer soll das in Zeiten knapper Kassen bezahlen?

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