Home
http://www.faz.net/-gqe-t2a6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Karrieresprung „Blended E-Learning“ für Karrierehungrige

25.08.2006 ·  In der Praxis erweisen sich Lern- und Fortbildungsprogramme auf CD als langweilig, häufig auch als ineffizient. Der Nutzer sitzt allein im stillen Kämmerlein und bekommt als Reaktion bestenfalls einen Quietscher des Systems. Das „Blended E-Learning“-Konzept verspricht Abhilfe.

Von Ute Dorau
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Nichts ist öder als eine Englisch-Lektion am Computer. Egal wie „interaktiv“ und originell die Lernprogramme auf CD/DVD auch sein mögen, ohne Motivation, Verbesserung und Unterstützung durch einen Lehrer oder Kontakt zu Mitstudierenden verliert selbst der Ehrgeizigste ganz fix die Lust aufs Lernen am PC. Das „Blended E-Learning“-Konzept verspricht Abhilfe.

Wer eifrig an seiner Karriere bastelt, hat in der Regel ein Zeitproblem. Einerseits ist es wichtig, Praxiserfahrung zu sammeln und möglichst schon frühzeitig Geld zu verdienen. Andererseits kann man nie genug wissen und lernen, um erfolgreich zu sein. Doch wann soll man da noch die Schulbank drücken? Unregelmäßige Arbeitszeiten, Überstunden und Termine machen es oft unmöglich, noch langwierige Abendkurse zu belegen. Zudem sind viele Unternehmen recht geizig im Hinblick auf bezahlte Weiterbildungskurse. Da bietet sich das individuelle Lernen am Computer doch eigentlich an. Es gibt hervorragende Lern-CDs oder DVDs, die besonders Inhalte aus den Bereichen Sprachen, BWL, Software, Sicherheitstechnik oder Softskills bieten.

Die Mischung macht's

Doch in der Praxis erweisen sich die Pauker auf CD als ungeheuer langweilig. Und in vielen Fällen auch als ineffizient: Das Gelernte wird nicht in sinnvoller Form abgefragt, der Nutzer sitzt allein im stillen Kämmerlein und bekommt als Feedback bestenfalls einen Quietscher des Systems für eine falsche Antwort und eine Fanfare für eine richtige. Ein Zeugnis, ein Zertifikat oder einen Abschluß, den er einer Bewerbung beilegen kann, erhält er auch nicht. Das kann es ja nun wirklich nicht sein.

Abhilfe versprechen sogenannte „Blended E-Learning“-Konzepte. Bei ihnen kommt es - wie beim Blended Tea - auf die richtige Mischung an: Traditionelle Lehrmittel wie Bücher und didaktisch gut aufbereitete Manuskripte werden mit internet- und computergestützter Wissensvermittlung verbunden. Oft - aber nicht immer - müssen auch einige Präsenzseminare absolviert werden, die aber in der Regel in arbeitnehmerfreundliche Blöcke aufgeteilt sind.

Die Kosten: nicht gering, aber überschaubar

Der Vorteil: Der Lernende teilt sich zwar - wie beim klassischen E-Learning - seine Zeit selber ein, er steht aber über das Internet in ständigem Kontakt zu seinen Lehrern beziehungsweise Tutoren und kann in Chatrooms und Foren mit Mitstudenten seine Erfahrungen austauschen - oder einfach mal plaudern und Frust ablassen.

Die Kosten für solche Angeboten sind mittlerweile überschaubar: Ein Programm zur Vermittlung von Gesprächstechniken mit einem ein- bis dreitägigen Präsenzseminar ist bereits für weniger als 190 Euro zu haben, dreimonatige und vom Tutor begleitete Zeit- und Selbstmanagementprogramme kosten sogar noch weniger. Natürlich sollte jemand, der eine ganz neue Berufsausbildung per Blended E-Learning anstrebt, damit rechnen, daß er tiefer in die Tasche greifen muß: Die ein- bis zweijährige Ausbildung zum PR-Assistenten beispielsweise (mit einer Präsenzprüfung) schlägt mit gut 1000 Euro zu Buche.

Preissturz durch den Mittelstand

Noch vor kurzem sah die Preissituation anders aus: Zahlreiche Konzerne von Rang - wie beispielsweise Konica, Bayer, TUI, VW oder Eon - hatten in den vergangenen Jahren immense Summen in Schulungszentren oder E-Learning-Akademien für ihre eigenen Mitarbeiter investiert. Sie waren - und sind - oft eine geschlossene Gesellschaft, Externe nehmen die Firmen gar nicht oder nur zu horrenden Summen in ihre heiligen Hallen auf. Mit Forderungen von mindestens 3.000 bis 4.000 Euro und mehr für recht kurze Schulungen sind sie für Privatzahler bis heute fast unerschwinglich.

Doch wie so oft erwies sich auch in diesem Fall der Mittelstand als Kompensator. Seit auch kleinere Unternehmen ihre Mitarbeiter per Computer, Internet und Tutorunterstützung schulen lassen wollen, finden sich immer mehr Anbieter mit preisgünstigeren und praxistauglicheren Angeboten. „Die Institute passen jetzt ihre Produkte und Dienstleistungen an die Bedürfnisse kleinerer Unternehmen an“, bestätigt auch Axel Knaack. Der Leiter des Kompetenzzentrums E-Learning Niedersachsen: „Zudem sind E-Learning-Maßnahmen als Werbungskosten oder Sonderausgaben steuerlich absetzbar - je nachdem ob sie der beruflichen Fortbildung oder der Ausbildung dienen. So wird auch ein breiteres Publikum angesprochen.“

Kurse auch für Autodidakten

Dazu zählen vermehrt auch Einzelunternehmer aus den „Ich-AGs“ oder Unternehmensneugründer. Diese Autodidakten stehen fast noch mehr unter Zeitdruck als die karrierehungrigen Kollegen mit Festanstellung. Sie suchen vor allem nach Existenzgründungsseminaren, rechtlichen Lerninhalten, Buchhaltung, BWL und Zeitmanagementkursen. Und finden durchaus seriöse und preisgünstige Anbieter. So ist beispielsweise ein rund 70stündiges Existenzgründungsprogramm mit Begleitung durch den Tutor - das zudem keine Präsenztage fordert - bereits ab knapp 650 Euro zu belegen.

Doch Vorsicht: Wie im gesamten E-Learning-Bereich finden sich unter den Anbietern viele Blender und Mogelpackungen. So gibt es immer wieder Erfahrungsberichte darüber, daß Tutoren vor allem durch Abwesenheit und Internet-Phobie glänzen, kurz: nie erreichbar sind. Oder darüber, daß die versprochenen Zertifikate beileibe nicht überall anerkannt werden. Daher empfiehlt es sich, im Vorfeld einige Punkte über das Institut bzw. das Angebot in Erfahrung zu bringen:

- Sind die AGBs gesetzeskonform?

- Welche technischen Voraussetzungen sind erforderlich - und kann der eigene Computer sie auch erfüllen?

- Wird der Lernerfolg kontrolliert? Ist der regelmäßige Kontakt mit dem Tutor/Lehrer gewährleistet?

- Ist der Großteil der Lernmaterialien interaktiv?

- Gibt es eine Teilnahmebescheinigung beziehungsweise ein Zertifikat oder ein anerkanntes Zeugnis?

- Verfügt das Programm und/oder der Anbieter über ein anerkanntes Gütesiegel?

- Gibt es einen Schnupperkurs?

- Kann ich im Vorfeld Kontakt zu (ehemaligen) Schülern aufnehmen, um sie nach ihren Erfahrungen zu fragen?

- Welche Zahlungsmodalitäten hat das Unternehmen?

- Gibt es noch Sonderkosten, wie beispielsweise Internet-Gebühren, kostenpflichtige Software-Module, Anreise- und Übernachtungskosten bei Präsenztagen?

Wichtige Links:

www.elearning-zentrum.de
www.eLearningexpo.de
www.ihk-online-akademie.de
www.iltec.de
www.vcb.de

Ute Dorau ist freie Wirtschaftsjournalistin und in der Redaktionsleitung der Wirtschaftsnachrichten West in Salzburg.

Quelle: FAZ.NET
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 40 149

29.05.2012 15:18 Uhr
  Vortag
Dax 6.403,63 +1,27%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,53 +1,29%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2539 −0,02%
Rohöl Brent Crude 107,61 $ +0,33%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.