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Karrieresprung Auszeit vom eigenen Unternehmen

15.10.2004 ·  Von wegen Weltreise. Meist wird ein Sabbatical genutzt, um eine Notsituation zu überbrücken oder Weichen neu zu stellen. Letzteres tat ein Münchner Unternehmer - und überließ seinen Betrieb für ein Jahr einem Stellvertreter.

Von Birgit Obermeier
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Beruflich ging es für Manfred Häupl stets fast wie von selbst bergauf: Als 20jähriger begann er beim Münchner Reiseveranstalter Hauser Exkursionen zu jobben. Nach seinem Studium stieg er dort als Assistent der Geschäftsleitung ein und als die Gründerwitwe das Unternehmen 1991 verkaufen wollte, bot sie es Häupl an. Der war damals gerade mal 32.

Gut zehn Jahre später merkte der Familienvater, daß ihn sein rasanter Aufstieg und die Herausforderung, einen kleinen Trekking-Spezialisten stets konkurrenzfähig zu halten, viel Kraft gekostet hatte: „Mein eigenes Leben trat immer mehr in den Hintergrund.“ Häupl liebte seinen Job, wollte sich aber nicht fremdsteuern lassen. Nach längerer Überlegung beschloß er, sich für ein Jahr aus seinem Unternehmen zurückzuziehen, um die Weichen neu zu stellen. „Viele Führungskräfte können nicht mehr loslassen und bremsen dadurch neue Ideen aus. In diese Falle wollte ich nicht tappen“, erklärt der sympathische Mittvierziger.

Notausstieg statt Traumurlaub

Abstand gewinnen, Lebensentscheidungen treffen - mit dieser Motivation gilt Häupl als typischer Berufsaussteiger auf Zeit. Bei vielen anderen ist das Sabbatical noch nicht einmal frei gewählt, sondern eine Antwort auf eine Notsituation: Gesundheitsgefährdender Streß, eine notwendige Weiterbildung, fehlende Kinderbetreuung oder pflegebedürftige Familienmitglieder. Und somit eine Reaktion auf die Belastungen der modernen Arbeitswelt oder institutionelle Defizite, so die Bremer Sozialwissenschaftlerin Barbara Siemers: „Ein Sabbatical ist, anders als in den Medien meist dargestellt, selten ein Traumausstieg.“ Siemers befragte für ihre Dissertation Mitarbeiter zu den Motiven und Erfahrungen mit ihrer beruflichen Auszeit.

Wer sie wagt, tut das selten ohne innere Konflikte und Widerstände von neidvollen Kollegen oder unverständigen Vorgesetzten. „Es erfordert eine Portion Mut, gerade in der heutigen Wirtschaftslage“, meint Siemers. Bei vielen Vorgesetzten suggeriere die Bitte um eine Sabbatical, daß sich der Mitarbeiter vom Unternehmen entfernen will. Dabei sei der Effekt oft ein gegenteiliger, meint Siemers: „Es stärkt das Loyalitätsgefühl der Mitarbeiter, wenn sie merken, daß der Arbeitgeber ihre Bedürfnisse ernst nimmt.“ Mit Leistungsverweigerung habe der Wunsch nach einer Auszeit nichts zu tun: Wer ein Sabbatical nimmt, identifiziert sich häufig besonders stark mit seinem Beruf und braucht deshalb eine Pause, so Siemers.

Hauptsache gut geplant

Einige Unternehmen sehen das ähnlich. Die Mitarbeiter der Unternehmensberatung Bain & Company etwa können nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit für bis zu sechs Monate aussteigen. Jeder zwölfte Berater tut das - zunehmend um die erste Zeit seiner Vaterschaft zu genießen, so Pressesprecher Frank Hafner. Im projektbezogenen Beratungsgeschäft läßt sich das freilich leicht und ohne Vertretung organisieren. Generell aber will der Ausstieg auf Zeit gut geplant sein, raten Experten.

Das gilt um so mehr, wenn der Chef pausiert. Häupl bestimmte bereits zwei Jahre vor seiner Auszeit einen Stellvertreter, ein Jahr vorher informierte er die Mitarbeiter. Auch darüber, daß der Interimschef einiges anders machen werde. Ob er ihn nach dem Sabbatjahr wieder als Geschäftsführer ablösen werde, ließ Häupl offen: „So viel Unsicherheit mußten alle Beteiligten aushalten- inklusive mir selbst.“ Schließlich wollte er erst einmal loslassen. Nur in Notfällen, so die Vereinbarung, war er erreichbar. „Leicht ist mir die Distanz nicht immer gefallen“, erzählt Häupl. Schließlich war 2003 ein schlimmes Jahr für die Touristikbranche.

Zeit für wesentliche Erkenntnisse

In den ersten Wochen als Privatmensch suchte er noch ständig nach einer Beschäftigung. „Ich habe mich kaum getraut, bei schönem Wetter wochentags in die Berge zu gehen“, erzählt er schmunzelnd. Erst in Südafrika, wo er drei Monate lebte und sich damit einen Traum erfüllte, gewann er richtig Abstand. Und die ein oder andere nicht immer ganz bequeme Erkenntnis. Daß er sich beispielsweise stets mehr als Angestellter denn als Unternehmer gesehen hatte. Auf weiteren Reisen, bei denen er auch Geschäftspartner besuchte, wurde ihm klar, wie sehr seine Firma das so wichtige Beziehungsgeschäft bislang vernachlässigt hatte. „Da habe ich eine Zukunftsaufgabe für mich gesehen“, erzählt Häupl.

Seit einem Jahr ist der Hauser-Chef wieder zurück im Unternehmen. Das operative Geschäft hat er seinem Stellvertreter überlassen, der sich in seiner Abwesenheit bewährt hatte. „Ich hätte das als persönliches Versagen empfinden können, habe es aber eher als Befreiung gesehen“, meint Häupl. Seine Auszeit empfindet er als wichtigen Lebensprozeß, der im Alltag immer noch nachwirkt: „Ich arbeite heute nicht weniger, aber anders“, sagt Häupl. Beinahe überflüssig zu sagen, daß er seinen Mitarbeitern die Möglichkeit einer mehrmonatigen Auszeit gewährt.

Tips zur Organisation einer beruflichen Auszeit:

Elke Pohl: Auszeit ohne Risiko, Linde Verlag 2004, 14,90 Euro, ISBN 3-7093-0052-5

Quelle: @rwi
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