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Karrieresprung Assistent auf höchstem Niveau

21.11.2008 ·  Viel Arbeit, wenig Ehr': Als rechte Hand des Chefs wirken Vorstandsassistenten stets im Hintergrund. Dafür erhalten sie aus der Vogelperspektive einen guten Einblick in betriebliche Strukturen und Entscheidungsprozesse. Und hilfreiche Kontakte obendrein.

Von Birgit Obermeier
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„Mach einen guten Job, der Rest ergibt sich von alleine.“ Edzard Bennmann nahm sich die Worte seines Chefs zu Herzen und gab zwei Jahre lang den perfekten Dienstleister. Der Fachjurist bereitete Sitzungen vor, schrieb hinterher das Protokoll, entwickelte Ideen und Konzepte, für die nicht er mit Namen stand, sondern ein Vorstandsmitglied eines großen deutschen Versicherers. Als dessen Referent blieb Bennmann stets im Hintergrund, weit mehr als 40 Stunden pro Woche und allzeit abrufbereit. „Der Freizeitfaktor war damals nicht sehr hoch“, erinnert er sich.

Die Vorhersage des Vorstands aber bewahrheitete sich: Als in dessen Bereich eine neue Abteilung geschaffen wurde, erhielt Bennmann die Leitung. Gleiches Spiel, als einige Zeit später die Unternehmenskommunikation neu strukturiert wurde. „Das Netzwerk, das ich bis dato geknüpft hatte, erweist sich heute als sehr nützlich“, sagt Bennmann.

Das Ego zurückfahren

Der Posten des Vorstandassistenten ist unter Absolventen begehrt, gilt er doch - ähnlich wie die Strategieberatung - als aussichtsreiches Karrieresprungbrett. Die Lernfelder sind freilich sehr unterschiedlicher Natur: Während sich Berater durch breites Branchenwissen und selbstbewusstes Auftreten profilieren, erhält der Assistent tiefen Einblick in unternehmensinterne Strukturen, Entscheidungsprozesse - und mitunter auch menschliche Abgründe. Persönlich lernt er dabei vor allem eines: sich in vornehmer Zurückhaltung zu üben.

Denn auch wenn der Assistent in der Chefetage täglich mit hochrangigen Managern zu tun hat: Das Interesse gilt nicht ihm, sondern seiner Funktion als rechte Hand des Vorstands. Sein Einfluss ist nur geliehen. Assistenten können und sollen eigene Ideen einbringen, manche davon werden auch tatsächlich umgesetzt, zeigt eine Umfrage der Stuttgarter C2 Organisationsberatung unter Vorstandsassistenten. Von wem die Idee stammte, erfährt jedoch niemand. Der ausdrückliche Dank des Chefs bleibt meist aus. „Man muss sein Ego schon zurückfahren und wissen, wann man den Mund hält“, sagt Jens Hohensee, Personalberater bei Kienbaum Executive Consultants. Diese „Parkettfähigkeit“ sei mit das Wichtigste, was er als langjähriger Persönlicher Referent von Berthold Beitz, dem Vorsitzenden der einflußreichen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, gelernt habe.

Kofferträger oder rechte Hand

Gewöhnungsbedürftig ist diese dienende Haltung insbesondere für jene, die vordem bereits fachliche oder personelle Verantwortung getragen haben. „Anfangs war es eine Umstellung, mehr im Hintergrund zu agieren“, meint Raquel Goldmann, die bereits seit neun Jahren bei Microsoft arbeitet. Angenommen hat sie den Job als rechte Hand des Geschäftsführers - intern „Business Manager“ genannt - weil ihr dieser viel Gestaltungsspielraum zugesichert hat. Neben klassischen Aufgaben wir der Organisation von hochkarätig besetzten internationalen Meetings kann Goldmann bei internen Führungstreffen auch selbst Themen auf die Agenda setzen: „Ich habe ein tiefes Businessverständnis und bin ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Bereichen und dem Top-Management“, sagt die 41-Jährige

Die Ausgestaltung der Assistenz ist meist Sache des jeweiligen Chefs. Exakte Stellenbeschreibungen sind selten, begleitende Personalentwicklungsmaßnahmen ebenso. Personalberater Hohensee empfiehlt daher, im Bewerbungsgespräch abzuklopfen, „ob man nur den Koffer trägt oder auch Einblicke und Aufgaben erhält.“

Gefragt: sozial kompetente Überflieger

Besetzt wird der Posten des Assistenten in der Regel mit Absolventen oder Berufsanfängern, meist zeitlich begrenzt auf zwei bis drei Jahre. Manche Unternehmen suchen in den eigenen Reihen, andere per Annonce - oder beides. Insbesondere bei Konzernen ist die Wunschliste an die Kandidaten lang. Die Allianz AG etwa erwartet einen exzellenten Abschluss, im Idealfall mit Promotion oder MBA, analytische Fähigkeiten, hohe soziale Kompetenz, einen Auslandsaufenthalt sowie die Bereitschaft zu Mobilität. Knapp 500 Initiativbewerbungen, zumeist von Männern, gehen pro Jahr für die Jobs der Vorstandsassistenten ein. „Auf eine Anzeige melden sich noch mal rund 250 Kandidaten“, sagt Allianz-Personalleiter Ralph Hammer. Er trifft eine Vorauswahl, die Entscheidung selbst liegt beim jeweiligen Vorstand.

Die Chemie muss schließlich stimmen, wenn zwei so eng zusammenarbeiten. In kleineren Firmen kommt es schon mal vor, dass sich der Vorstand einen Wunschkandidaten unter den Mitarbeitern herauspickt.

Einsam in der Chefetage

Die Vogelperspektive, die sich Vorstandsassistenten eröffnet, bringt zweifellos privilegierte Einsichten. „Manchmal fühlt man sich da oben aber auch allein, so ganz ohne Team“, erinnert sich Bennmann. Am Bürotratsch kann sich der Assistent nicht beteiligen, schließlich ist er zu Verschwiegenheit verpflichtet und Loyalität seine oberste Pflicht. Den Kontakt zu ehemaligen Kollegen müsse er nicht abbrechen, sagt Bennmann, aber: „Eine klares Bekenntnis zur neuen Rolle ist nötig.“ Austausch auf Augenhöhe pflegen Assistenten allenfalls mit anderen Assistenten im Unternehmen. Zur weiteren Vernetzung veranstaltet die C2 Organisationsberatung jährlich im November ein Assistenten-Forum in Stuttgart.

Vielseitig, fordernd, teilweise belastend, hoch interessant, fremdbestimmt und manchmal auch frustrierend - der Job des Vorstandsassistenten hat viele Facetten. Letztlich sei er eine „Visitenkarte par excellence“, meint Hohensee. Aber auch nicht mehr. Ob man nun intern auf eine gehobene Position wechsle oder seine Karriere selbst in die Hand nehme, so Hohensee: „Im neuen Job fängt man bei Null an.“

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