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Karrieresprung Albtraum Aufzug

31.03.2006 ·  Während eine Parkplatz- oder Foyerplauderei mit dem Vorgesetzten relativ leicht zu meistern ist, gehört die gefürchtete gemeinsame Aufzugfahrt schon eher zur Hohen Schule des Small-Talk mit Karrierechancen.

Von Ute Dorau
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Während eine Parkplatz- oder Foyerplauderei mit dem Vorgesetzten relativ leicht zu meistern ist, gehört die gefürchtete gemeinsame Aufzugfahrt schon eher zur Hohen Schule des Small-Talk mit Karrierechancen.

Die Situation ist ja auch beklemmend: Entweder man ist zu zweit in einem winzigen Raum, der keinerlei Fluchtmöglichkeit und wenig Abwechslung bietet. Oder der Aufzug ist so voll, daß sich Körperkontakt beim besten Willen nicht vermeiden läßt - was vielen ebenfalls sehr unangenehm ist. Und dann auch noch vor dem Chef für seine Karriere punkten, indem man etwas ungemein Kluges tut? Nein, das wäre tatsächlich zuviel verlangt. Hier ist es eher entscheidend, was Sie nicht tun.

Die häufigsten Fehler:

1. Blind stellen: Der Aufzug ist voll, Ihr Chef steht direkt hinter Ihnen. Sie schweigen und starren, wie alle anderen auch, die Wand oder die Decke an. Dabei beten Sie, daß es bald vorbei sei. Beim Aussteigen grüßen Sie den Chef dann und sagen: „Uups, ich habe Sie gar nicht gesehen.“ Es ist schlicht unhöflich, ihn komplett zu ignorieren, um dann Überraschung zu heucheln.

2. Witze reißen: Sie versuchen, durch eine witzige Bemerkung das Eis zu brechen („Wenn wir jetzt stecken bleiben…“ oder „Hat jemand gestern den Film 'Aufzug des Todes' gesehen?“).

Versuchen Sie sich nicht als Pausenclown. Selbst wenn Sie ein wirklich witziger Zeitgenosse sind, wirkt das an dieser Stelle unsouverän und hinterläßt keinen guten Eindruck.

3. Internes ausplaudern: Sie fragen den Chef trotz der beengten Situation, wie weit er mit den Verhandlungen bei Kunde XY ist und wie man da vorgehen soll.

Ein Aufzug ist ein schwieriger Gesprächsort. Wenn er zudem noch überfüllt ist, dann bietet er sich selbst bei einer längeren Fahrt im Wolkenkratzer einfach nicht für Plaudereien und schon gar nicht für Gespräche über den Beruf an. Auf gar keinen Fall sollten Sie Ihren Vorgesetzten im Aufzug vor Zeugen auf abteilungsinterne Angelegenheiten oder sein Privatleben ansprechen.

Am besten ist es, Sie grüßen und weiter nichts. Beim Aussteigen können Sie das Gespräch ja eröffnen mit: „So, noch einmal hallo (beziehungsweise guten Morgen, guten Tag), Herr Baumeister. Da drin war es leider einfach zu eng für eine richtige Begrüßung.“

Allein mit dem Chef: Vier Minuten Hölle

Noch ungemütlicher empfinden viele die Exklusiv-Fahrt im Aufzug mit dem Chef. Stellen Sie sich vor: Der Aufzug ist relativ klein, sehr langsam - und Sie stehen allein mit Ihrem Vorgesetzten darin. Die Fahrt geht vom Erdgeschoß bis in den neunten Stock. Vier Minuten Hölle?

Was Sie in diesem Beispiel möglichst nicht tun sollten, ist schweigen. Einzige Ausnahme wäre, daß Ihr Chef gerade Aufzeichnungen/Notizen/Unterlagen/die Zeitung durchgeht und dabei sichtlich nicht gestört werden will. Dann ist zumindest eine Begrüßung angesagt. Ungeschickt ist es auch, einfach nur auffordernd „Hallo?“ zu fragen oder ein keckes „Na, alles klar?“ in den Raum zu stellen. Denn wahrscheinlich ist er auch nicht der geschickteste Plauderer, und was soll er da antworten?

Also bauen Sie eine Brücke. Wie schon auf dem Parkplatz (Karriereschlachtfeld Parkplatz) sollten Sie jetzt keine weltbewegenden Themen aufrollen - also keine geschäftlichen Fragen, keine Politik, keine Religion und auf gar keinen Fall Fragen nach dem Privatleben („Sie sehen aber müde aus - ist es gestern spät geworden?“). Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen, passiert aber viel öfter, als man annehmen sollte. Also bitte nicht aus lauter Verlegenheit zu persönlich werden.

Gehen wir einmal davon aus, daß Sie - als Vertriebssachbearbeiter noch ein eher kleines Licht im Unternehmen - immer mal wieder den Vertriebsvorstand, den Ihre Abteilung sonst kaum zu Gesicht bekommt, im Aufzug treffen. Also lächeln Sie - begrüßen ihn mit seinem Namen. Anders als im Foyer oder im Gang, wo man zumeist nur grüßend aneinander vorbei zieht, kann sich während des Aufzugsintermezzos eine kleine Unterhaltung entwickeln.

Achten Sie darauf, daß Sie dabei nicht nur „nett“ - im Sinne von unsichtbar - sind, sondern lassen Sie Ihren Charme spielen. Ob Sie dabei durch Ihre Freundlichkeit oder Ihre Erzählkunst im Gedächtnis bleiben, ist egal. Wenn er Sie während der dritten exklusiven Aufzugsfahrt nicht nach dem Namen fragt, stellen Sie sich ihm kurz vor. Nun kennt er Sie.

So banal das auf den ersten Blick wirken mag: Sie haben damit mehr erreicht, als manche Kollegen durch jahrelange harte Arbeit. Wie wichtig es ist, daß man Sie an richtiger Stelle im Unternehmen (wieder-)erkennt, beweist eine IBM-Studie: Sie ergab, daß Fleiß und Leistung eines Mitarbeiters nur zu zehn Prozent über die Karriere entscheiden - die restlichen 90 Prozent verteilen sich auf „gutes Image“ und „Bekanntheitsgrad im Unternehmen“. Und das muß man doch ausnutzen…

Kleiner Aufzug-Knigge

Das Grüßen nicht vergessen: Egal, wie voll der Aufzug ist, und gleichgültig, wie angestrengt die Passagiere Löcher in die Luft oder Wand starren: Grüßen Sie vernehmlich, wenn Sie den Aufzug betreten. Entsprechend beim Aussteigen: Verabschieden Sie sich höflich, auch wenn die anderen nur vor sich hingrummeln. Mit der Zeit werden die Kollegen vielleicht mutiger. Der Wille dazu sollte da sein: Das Handelsblatt hat im Frühjahr 2004 ermittelt, dass sich rund 85 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bessere Umfangsformen in den Unternehmen wünschen. Dazu zählte ebenfalls eine Vielzahl von hochrangigen Managern.

Hierarchie vor Knigge: Sie begrüßen immer den Chef zuerst, auch wenn Sie eine Frau sind. In der Regel reicht dabei auch bei Ihrem Vorgesetzten ein freundlicher Gruß. Handschlag ist normalerweise weder auf dem Parkplatz und ganz sicher nicht im Aufzug angebracht.

Höflich ja, Liftboy nein: Ist der Aufzug ziemlich voll und Sie stehen ungünstig, können Sie denjenigen, der der Türe am nächsten steht, guten Gewissens bitten, den Knopf für Ihr Stockwerk zu drücken. Sollten Sie diese Person sein, fragen Sie ruhig in die Runde, ob Sie für jemanden den Knopf betätigen sollen. Das gilt allerdings nicht in fast leeren Aufzügen: Lassen Sie sich nicht zum Liftboy degradieren. Sagt beispielsweise eine unfreundliche Stimme im fast menschenleeren Lift hinter ihnen „dritter Stock“, lächeln Sie, treten einen Schritt zurück und weisen freundlich auf die Knopfleiste.

Ladies first: Lassen Sie Frauen den Vortritt beim Ein- und Aussteigen in den Aufzug. Ausgenommen sind Situationen, in denen der Aufzug ist voll. Dann entscheidet der Pragmatismus. Es steigt derjenige zuerst aus, der der Tür am nächsten steht, egal ob Mann oder Frau.

Mitleid mit der Nase: Wenn Sie starkes Parfüm benutzen oder wissen, dass das Essen am Vorabend sehr lecker, aber auch sehr knoblauchhaltig war, benutzen Sie lieber die Treppe. Sonst ist unter Kollegen und Vorgesetzten Ihr Geruch ganz schnell ein heimliches Thema.

Schönheitskorrekturen nur alleine: In vielen Aufzügen hängen Spiegel. Wenn Sie alleine im Aufzug sind, können Sie noch einmal kontrollieren: Sitzt die Frisur, die Krawatte, die Wimperntusche, etc.? Aber sobald eine weitere Person dabei ist, sollten Sie tunlichst davon Abstand nehmen.

Ute Dorau ist freie Wirtschaftsjournalistin in Salzburg und hat ein Buch zum Thema rund ums berufliche Vorankommen verfaßt: Ute Dorau: Karrieretipps - Karrieretricks

Quelle: FAZ.NET/rwi
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