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Karriere „Man kann sich nicht hochschlafen“

Mittelgroß, nicht wirklich schlank, dunkles Haar: Mit diesem Äußeren hat eine Autorin, die anonym bleiben will, Karriere in einem großen deutschen Industriekonzern gemacht. Im Interview spricht sie über ihr Buch und die Einsamkeit im Topmanagement.

© Bildstelle / Bearbeitung F.A.S. Topmanagerin, eine Ebene unter dem Vorstand: So könnte die Autorin „Anonyma“ aussehen.

Frau Anonyma, warum wagt eine Power-Frau wie Sie nicht, ein Buch unter ihrem Namen zu veröffentlichen?

Öffentlichkeitsarbeit dieser Art wird nirgends geschätzt und täte meinem Unternehmen nicht gut. Ich fürchte negative Konsequenzen.

Schönheit bremst die Karriere, Männer lieben Saufgelage, und Schwangere werden abgeschrieben, schreiben Sie. Sind das nicht Klischees?

Ob meine Schilderungen zu 99 Prozent die Realität in der deutschen Wirtschaft wiedergeben, weiß ich nicht. Aber ich beobachte genau, und alle Anekdoten basieren auf echten Erlebnissen.

Anmache an der Bar - Stichwort Brüderle - ist Ihnen auch schon passiert?

In geselliger Runde habe ich schon solche Sprüche gehört, aber habe sie nie als bedrängend oder unangenehm empfunden. Das ist für mich kein Sexismus. Meist konnte ich das Thema mit einem flapsigen Spruch auf eine spaßige Ebene bringen.

Setzen Sie weibliche Reize zu Ihrem Vorteil ein?

Mir würde man Anzüglichkeiten nie abnehmen, das ist nicht meine Art. Nicht mal die verbreitete Methode, den Kopf kokett schief zu legen. Ich setze lieber auf spielerische Ironie.

Frauen können sich hochschlafen, stimmt das?

Nein. Man kann sich nicht nach oben schlafen. Allenfalls eine Rangstufe höher, aber auch das ist extrem riskant.

Stattdessen raten Sie den Frauen, das Spiel mit Statussymbolen wie dicken Dienstwagen mitzuspielen.

Ich sage: Seid nicht bescheiden, nehmt das große Eckbüro. Auch Untergebene mögen es nicht, wenn Vorgesetzte sich klein machen.

Buchcover / Ganz oben © Verlag Vergrößern Ganz oben, das Buch einer Topmanagerin, ist dieser Tage erschienen im Verlag C.H. Beck. 14,95 €.

Sie schildern das Leben der Karrierefrau als harten, einsamen Kampf. Klingt traurig.

Ich will zeigen, wie hoch der Preis ist, den Frauen für eine Karriere in der Industrie zahlen. Jeder kennt die Vorteile des Aufstiegs: Man verdient gut, kann sich schöne Dinge leisten, ist stolz auf sich. Weniger bekannt sind die Schattenseiten: Erfolgreiche Frauen werden selten fündig auf dem Männermarkt. Auf Geschäftsreisen steigen sie in tollen Fünf-Sterne-Hotels ab, aber dann sitzen sie dort allein.

Würden Sie Ihren Weg noch mal gehen?

Gute Frage. Jetzt kenne ich die Annehmlichkeiten eines gutbezahlten Manager-Lebens und möchte sie ungern aufgeben. Aber wenn ich noch mal am Anfang stünde und wüsste, was auf mich zukommt, würde ich wohl einen anderen Weg einschlagen.

Hilft die Quote?

Ja, allein weil zu oft nach männlichen Kriterien befördert wird. Es heißt: Ist die Person selbstbewusst, entschlussfreudig, durchsetzungsstark? Nie habe ich in Auswahlprozessen gehört: Welcher Kandidat geht gut mit Mitarbeitern um? Wer ist kooperativ oder sprachlich begabt?

Frauen können auch zu Frauen ganz schön fies sein.

Klar, es gibt die einsame Aufsteigerin, die Nachfolgerinnen wegbeißt und gegen Quoten ist. Wir Frauen könnten noch mehr Solidarität lernen. Aber mir hat nie eine Frau das Leben schwergemacht. Es gab ja ab einer bestimmten Ebene gar keine mehr.

Verachten Sie Männer?

Ich mag Männer.

Mehr zum Thema

Melanie Amann und Rainer Hank haben mit Anonyma ein Telefongespräch geführt.

Quelle: F.A.S.

 
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