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Kapitalmarktanalyst Robert Halver Der Kopf zum Crash

14.08.2011 ·  Ein Rheinländer erklärt die Börse. Tag und Nacht. Vor zwei Wochen war der Kapitalmarktanalyst Robert Halver nur dem Fachpublikum bekannt. Nun ist er das Gesicht zum Sommer-Crash. Wenn die Aktienkurse verrückt spielen, sind Männer mit markigen Worten gefragt.

Von Bettina Weiguny
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"Plötzlich Star" lautet der Titel einer Hollywood-Komödie, die gerade im Kino läuft. So in etwa muss sich Robert Halver von der Baader Bank derzeit fühlen. Der Kapitalmarktanalyst aus Frankfurt, vor zwei Wochen nur dem Fachpublikum bekannt, ist das Gesicht zum Sommer-Crash. Egal, wann und wo über die Turbulenzen an den Börsen berichtet wird, Halver ist zur Stelle. Der Mann mit den großen braunen Augen und dem gegelten Haar spricht auf allen Kanälen, zu jeder Uhrzeit. Zig Interviews absolviert er am Tag, einige Wünsche muss er trotzdem ablehnen. "Mehr schaffe ich nicht", sagt er. "Ich fange morgens um halb sieben an, und abends um acht rede ich immer noch." Deutsche Sender fragen ihn an, amerikanische, englische und auch Araber.

Da drängt sich die Frage auf: Wo sind all die anderen Experten hin? Sind die üblichen Verdächtigen im Urlaub? Ist Halver der Einzige, der den Durchblick behält? "Das nicht", wehrt er ab, "aber unruhige Zeiten verlangen nach klaren Worten." Und die liefert der Rheinländer. Halver vermeidet komplizierte Exkurse über Fundamentaldaten, macht klare Ansagen: Bei ihm gibt es Schuldige, die sitzen in Berlin, Brüssel und Amerika, und es gibt Lösungen: "Griechenland und Portugal müssen raus aus der Euro-Zone, in unserem und ihrem eigenen Interesse." Bis dahin ist die Zentralbank gefragt ("Trichet muss ran, ob er will oder nicht"). Ob die Krise vorbei ist, die Börsen sich wieder beruhigen? Wer weiß das schon. Hauptsache, Halver bringt das sperrige Thema markig rüber. Er erzählt von Hühnern und abgeleinten Drachen, zieht historische Vergleiche zu Bismarck, dem Marshall-Plan und dem Berliner Mauerbau, um die Zuschauer dann zu beruhigen: "Die Märkte muss man sich jetzt einfach mal austoben lassen."

Solche Männer sind gefragt, wenn die Kurse verrückt spielen. ARD-Onkel Frank Lehmann kam so zu seinem Ruhm, nach Lehman avancierte Dirk Müller zum "Mr. Dax". Nun schlägt die Stunde des Robert Halver, wobei er den Titel "neuer Mr. Dax" zurückweist: "Niemand braucht Angst zu haben, dass ich jetzt jeden Abend in den Nachrichten bin. Ich schalte wieder runter."

Aber Spaß macht ihm der Rummel schon. Eigentlich hatte er noch frei, als es losging. Das war vor zehn Tagen. Er war gerade aus dem Amerika-Urlaub zurück und hörte im Radio EU-Kommissionspräsident Barrosos Warnung, dass die Rettungsschirme wohl nicht ausreichen würden. "Da wusste ich: Jetzt wird es spannend. Da muss ich hin." Also ließ er die Koffer stehen und fuhr zur Börse - wo die TV-Teams auf Erklärungswillige warteten. Halver war der Richtige.

Medien und Politik, das hat ihn schon als BWL-Student interessiert. 1990 hat er dann bei einer großen Sparkasse als Wertpapieranalyst angefangen, ist über die Privatbanken Delbrück und Vontobel Anfang 2008 als Leiter der Kapitalmarktanalyse zur Baader Bank gestoßen. Sein Arbeitgeber, nach eigenen Angaben die größte Börsenmaklergesellschaft in Deutschland, profitiert von Halvers Auftritten.

Kritik an seinem Einsatz höre er nicht, sagt er. "Medienpräsenz gehört schließlich zu meinem Job." Genauso wie Vorträge, seine Kolumnen und "Halvers Kapitalmarkt-Monitor" für Investoren: "Aber jetzt lege ich erst mal eine Interviewpause ein." Mal sehen, wie lange die anhält.

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Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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