01.05.2005 · Die Beteiligungsgesellschaften, die in der „Heuschrecken-Liste“ der SPD auftauchen sind entsetzt. „Wenn das nach dem Wahlkampf so weitergeht, wird das neue Investoren abschrecken“, heißt es aus der Branche.
Die Manager außerbörslicher Beteiligungsfonds (“Private Equity“) haben mit Entsetzen auf die Liste der SPD-Bundestagsfraktion reagiert, in der sie als Beispiele für die von SPD-Chef Franz Müntefering erwähnten „Heuschrecken“ angeprangert werden.
„Hier wird ein vollkommen undifferenziertes Bild der Finanzinvestoren gezeichnet. Das ist für den Standort Deutschland überaus schädlich“, sagte Ralf Huep, Geschäftsführer des Frankfurter Ablegers der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Advent International, dieser Zeitung. Advent wird zusammen mit acht weiteren Finanzinvestoren auf der Liste erwähnt (F.A.Z. vom 30. April).
„Das kann ganz schnell zu einem persönlichen Thema werden“
Müntefering komme doch aus Nordrhein-Westfalen und müsse wissen, daß ohne Private Equity die Arbeitslosenquote dort noch höher wäre, sagte Huep. Der PVC-Hersteller Vinnolit etwa habe unter der Ägide von Advent mehr als 200 Millionen Euro in eine neue Chemiefabrik am Standort Knapsack investiert und zahlreiche Arbeitsplätze gesichert.
Die meisten Beteiligungsmanager wollten sich öffentlich nicht äußern. Doch hinter vorgehaltener Hand wird mancher Manager deutlich: „Das kann ganz schnell zu einem persönlichen Thema werden. Wir können auch woanders als in Deutschland investieren“, sagte ein Partner einer großen Beteiligungsfirma. „Wenn das nach dem Wahlkampf so weitergeht, wird das neue Investoren abschrecken“, sagte Huep.
Entsetzen über das Unwissen
Vor allem sind die Manager verblüfft, daß sie auf einmal mit vermeintlich längst aus der Welt geschafften Vorurteilen konfrontiert werden. Entsetzen herrscht vor allem über das Unwissen, mit dem die SPD zu Werke gehe. So steht auf der Liste zuoberst der von Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Goldman Sachs vor einigen Jahren erworbene Hersteller von Geldausgabeautomaten, Wincor Nixdorf.
Erst vor zwei Wochen hatte der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) gesagt, das Unternehmen habe sich „sensationell“ entwickelt. Die ehemalige Siemens-Sparte habe seit dem Einstieg von KKR bis heute mehr als 3000 Arbeitsplätze geschaffen, davon gut 1110 in Deutschland, sagte ein Sprecher von Wincor Nixdorf. Darüber hinaus sei es einer der erfolgreichsten Börsengänge des vergangenen Jahres gewesen. Ein Sprecher von KKR verwies zudem auf die 2500 Arbeitsplätze, die bei der Autowerkstattkette A.T.U. allein im vergangenen Jahr geschaffen wurden.
Wirtschaftlicher Nutzen der Branche
Die Diskussion zeige, daß noch nicht genügend Aufklärung über den volkswirtschaftlichen Beitrag der Branche betrieben wurde, sagte Thomas Pütter, Vorstandschef des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). In der Tat untermauern diverse Studien den wirtschaftlichen Nutzen der Branche. Eine Untersuchung des BVK zeigt, daß Unternehmen, die durch Beteiligungskapital unterstützt werden, schneller wachsen und mehr Arbeitsplätze schaffen als ihre Konkurrenten.
Zwar gebe es auch immer wieder Fehlschläge, wie den Versuch der Finanzinvestoren, Fairchild Dornier zu sanieren, sagte Pütter. Doch das Risiko gehöre wie in jeder anderen Branche zum Geschäft. Mitunter gehen Finanzinvestoren auch mit harter Hand vor und müssen Arbeiter entlassen, so wie bei dem aus dem Wahlkreis von Müntefering stammenden Badhersteller Grohe. Doch in der Branche verweist man auf den benachbarten Konkurrenten Hoesch, der diesen Kurs nicht einschlug und nun insolvent ist.
Verwundert zeigt man sich auch über die gespaltene Zunge, mit der die SPD agiere. Obwohl Müntefering gegen die Investoren polemisiert, sind letztere gerngesehene Gäste von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Verkäufe wie den Triebwerkshersteller MTU oder das Duale System hatte Schröder persönlich befürwortet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.387,73 | +0,80% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2522 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 106,99 $ | −0,25% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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