30.09.2005 · Kanadas Marihuana-Anbauer verwandeln Häuser in den Vorstädten und verlassene Lagerhäuser in Farmen für Hanfpflanzen. Damit ist ein Haschisch-Markt mit einem Volumen von etwa zehn Milliarden kanadischer Dollar entstanden.
Kanadas Marihuana-Händler verwandeln Häuser in den Vorstädten und verlassene Lagerhäuser in Anbaufarmen für Hanfpflanzen. Damit ist ein Haschisch-Markt mit einem Volumen von etwa zehn Milliarden kanadischer Dollar (7,1 Milliarden Euro) entstanden, der dreimal so groß ist wie die Weizenernte, der größte legale Anbau im Lande.
In Städten wie Vancouver, Montreal und Toronto gibt es bis zu 20.000 Marihuana-Anpflanzungen, schätzt Rich Baylin, früher nationaler Koordinator bei der Royal Canadian Mounted Police, der berittenen Polizei Kanadas. Der Hanf-Anbau nimmt zu, weil die Strafen nur ein achtel des Strafmaßes in den Vereinigten Staaten ausmachen und Hasch „gesellschaftsfähiger“ geworden ist.
Kanadier liebäugeln mit der Legalisierung
Etwa die Hälfte aller erwachsenen Kanadier hat mindestens einmal im Leben Haschisch geraucht, ergab eine Umfrage von Health Canada im letzten Jahr. Der gleiche Anteil der Bevölkerung ist dafür, den Besitz von Marihuana nicht mehr unter Strafe zu stellen, so das Ergebnis von einer Umfrage von Ipsos- Reid im November. In den Vereinigten Staaten sprechen sich nur ein Drittel der Befragten dafür aus.
Wer in den Vereinigten Staaten 1.000 oder mehr Hanfpflanzen anbaut, dem droht eine Freiheitsstrafe von mindestens zehn Jahren. In Ontario, der bevölkerungsreichsten Provinz Kanadas, kommen Hanf-Anbauer hingegen mit etwa 18 Monaten davon.
Die jährliche Marihuana-Ernte in Kanada beläuft sich laut Schätzungen der Royal Canadian Mounted Police auf bis zu 2,5 Tonnen. Die Beschlagnahmungen sind seit 1993 um das Achtfache auf jährlich etwa 1,6 Millionen Pflanzen gestiegen. Ein Großteil des Marihuanas wird in die Vereinigten Staaten verkauft, was bereits zu Spannungen mit den amerikanischen Behörden wegen des Hanf-Anbaus im stillen Kämmerlein geführt hat. In Kanada wird die Droge pfundweise in Paketen zu 2.500 kanadischer Dollar angeboten.
Kanadische Marihuana mehr Halluzinogene als mexikanisches
Die Beschlagnahmungen an der kanadisch-amerikanischen Grenzen haben sich in den zwei Jahren bis 2003 auf 11.183 Kilogramm erhöht, geht aus den jüngsten Daten des U.S. National Drug Intelligence Center hervor. „Die USA sehen die Grenze sehr viel ernster an als in der Vergangenheit an“, erklärte Tom Riley, Sprecher für die National Drug Control Policy des Weißen Hauses. Die Zunahme der kanadischen Marihuana-Produktion drohe, die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada zu beeinträchtigen, so Riley. Zumal das kanadische Marihuna zwei bis dreimal soviel Halluzinogene enthält wie die Droge aus Mexiko, dem größten Lieferanten der Vereinigten Staaten.
Die kanadische Polizei entdeckte letztes Jahr bei einer Razzia nördlich von Toronto einen heimlichen Hanfanbau in einem dreistöckigen Gebäude, das früher von Molson Inc. als Brauerei genutzt wurde. „Das ist eine Plage für unsere Gesellschaft und eine Gefahr für unsere Kinder“, wetterte der liberale Parlamentarier Jim Karygiannis nach einer Razzia in einem Bungalow, wo 100 Meter von einer Grundschule in Toronto entfernt, die Hanfpflanzen wuchsen und gediehen.
Verdeckte Fenster, stinktierartiger Geruch
Der Anbau im trauten Heim ist inzwischen so verbreitet geworden, daß Immobilienmakler ihren Klienten Ratschläge geben, wie sie beim Kauf eines Hauses solche Stätten erkennen. Verräterische Zeichen sind etwa verdeckte Fenster, ein stinktierartiger Geruch außerhalb des Hauses und helle Beleuchtung im Haus, berichtet der Maklerverband Winnigpeg Real Estate Board.
Zu einer schnellen Legalisierung von Marihuana wird es wohl nicht kommen. Denn im nächsten Jahr stehen Parlamentswahlen an, und die Parlamentarier haben schon viel damit zu tun, alle anderen Gesetzesvorlagen noch durchzuziehen, sagte Justizminister Irwin Cotler am 27. September.
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