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Kameraindustrie Leica auf dem Weg der Besserung

26.09.2006 ·  Erst jetzt ist Leica in das Geschäft mit der Digitalfotografie eingestiegen. Damit will der Kamerahersteller sein Geschäft ausweiten. Als ersten Schritt hat Leica die Mehrheit an der Schweizer Sinar AG übernommen.

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Große Hoffnungen setzt der Kamerahersteller Leica in seine neuen, digitalen Produkte, die das Unternehmen am Dienstag während der Fachmesse Photokina in Köln vorgestellt hat. Im Mittelpunkt steht dabei die Meßsucherkamera M8, die das bisher sehr erfolgreiche M-System des Herstellers aus Solms erstmals um ein digitales Modell erweitert. Der Vorteil: Fast alle Wechselobjektive, die Leica seit dem Jahr 1954 für das M-System ausgeliefert hat, können auch mit der neuen Digitalkamera verwendet werden. Damit holt das Traditionsunternehmen nach, was lange versäumt worden war. Leica bietet jetzt eine vollständige Palette digitaler Kameras. Das Unternehmen hatte die Entwicklung hin zur digitalen Fotografie zunächst völlig ignoriert und weiter auf hochwertige und teure Analogkameras gesetzt.

Dieser Fehler wird mit der neuen Modellpalette jetzt endgültig korrigiert. Das Management zeigte sich in Köln zuversichtlich, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Da Leica Camera die digitale Technik aber nicht im Alleingang entwickeln konnte, arbeitet das Unternehmen auf diesem Gebiet schon seit längerem in einer Kooperation mit der japanischen Matsushita, die in Europa unter dem Namen Panasonic auf dem Markt ist. Diese Zusammenarbeit wurde jetzt verlängert. Leica erhält die Zusicherung von Matsushita, weiter mit Komponenten für die digitalen Kameras beliefert zu werden. Das japanische Unternehmen hingegen erhält einen Lizenzvertrag, der es ihm erlaubt, die Marke Leica für gemeinsam entwickelte Objektive zu verwenden.

2007 will Leica wieder Gewinn machen

Insgesamt ist der Kamerahersteller auf dem Weg der Gesundung schon ein gutes Stück vorangekommen. Nachdem das Unternehmen noch vor einem Jahr in seiner Existenz bedroht war, ist diese Gefahr jetzt abgewendet. Nach Angaben von Josef Spichtig, dem Leica-Vorstandsvorsitzenden, wird für das laufende Geschäftsjahr (Stichtag 31. März) mit einem kleinen operativen Gewinn gerechnet, unter dem Strich werde aber durch Belastungen im Finanz- und Steuerergebnis noch ein Verlust anfallen. Im Jahr 2007 soll Leica Camera aber wieder einen Nettogewinn ausweisen.

Schon im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen seinen Umsatz um 16 Prozent auf 106,7 Millionen Euro steigern können. Der Verlust reduzierte sich auf 9,2 Millionen Euro. Das erste Halbjahr (Stichtag 31. September) sei für Leica positiv verlaufen, fügte Spichtig in Köln hinzu. „Umsatz und Ergebnis liegen über dem Vorjahr und im Rahmen unserer Planungen“, sagte der Leica-Chef. Leica können zwar noch keine großen Sprünge machen, man komme aber aus einer Phase der dramatischen Zuspitzung zu einer geordneten und stabilen Basis.

Aktienkurs legte um mehr als 5 Prozent zu

Spichtig kündigte in Köln zudem an, Leica Camera werde den Finanzierungsbedarf weiter konsequent begrenzen. Dabei stehe vor allem der Abbau des Lagerbestandes im Vordergrund. Als Ziel habe sich das Unternehmen eine auftragsbezogene Einzelfertigung gesetzt, die mit deutlich geringerem Lagerbestand auskommen solle. Darüber hinaus wird Leica Camera nach den Worten von Spichtig die Investitionen deutlich erhöhen. So würden im laufenden Geschäftsjahr insgesamt mehr als 17 Millionen Euro unter anderem in Werkzeuge für neue Produkte, Maschinen oder den Ausbau der Reinraumtechnik gesteckt. In dem vorhergehenden Krisenjahr waren nur 6,6 Millionen Euro investiert worden.

Leica Camera gab in Köln darüber hinaus den Kauf eines Anteils von 51 Prozent an der Schweizer Sinar AG - einem Hersteller von Mittel- und Großformatkameras und entsprechendem Zubehör - bekannt. Die Anteile wurden von der Jenoptik aus Jena übernommen, ein Kaufpreis wurde aber nicht mitgeteilt. Steven Lee, der seit Anfang September als Vorstandsmitglied für die Strategie des Unternehmens zuständig ist, sagte in Köln: „Leica Camera verfolgt das Ziel einer Ausweitung des Geschäftes.“ Dabei werde geprüft, ob zusätzliche Marken, Produkte oder Dienstleistungen zu einer Vergrößerung des Kundenstammes führen können. „Der Erwerb von 51 Prozent an der Sinar AG ist ein erster Schritt in dieser neuen Strategie“, sagte Lee.

Der Kamerahersteller gehört inzwischen zu 88 Prozent der Salzburger Gruppe ACM der österreichischen Investorenfamilie Kaufmann, die vor wenigen Tagen den Leica-Anteil der französischen Hermes zusätzlich übernommen hatte. Andreas Kaufmann, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Leica Camera, sagte in Köln, ACM glaube, durch die Übernahme der Hermes-Anteile noch deutlicher zur Ausrichtung und Gesundung des Unternehmen beitragen zu können. Das Unternehmen habe schon einige seiner Hausaufgaben gemacht. Die Anleger an der Börse scheinen diese Ansicht zu teilen. Der Aktienkurs des Unternehmens legte nach der Präsentation der neuen Produkte um mehr als 5 Prozent zu.

Quelle: jcw., F.A.Z., 27.09.2006, Nr. 225 / Seite 18
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