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Kamerahersteller : Olympus und die japanische Mafia

Olympus steckt tief in der Krise Bild: dapd

Der Skandal um die Bilanzfälschungen beim japanischen Kamerahersteller Olympus weitet sich aus. Hinweise auf eine Verwicklung der japanischen Mafia verdichteten sich.

          Der japanische Optik- und Medizintechnikkonzern Olympus gerät mit seinen Bilanzfälschungen und überhöhten Beraterhonoraren immer tiefer in den Sumpf. Jetzt soll das Unternehmen gar mit der Yakuza, der japanischen Mafia, verstrickt sein. Die Lücke in den Bilanzen soll fast 5 Milliarden Dollar groß sein, haben die Ermittler nach Informationen der „New York Times“ entdeckt. Mehr als die Hälfte floss demnach in Yakuza-Kassen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Am Mittwoch wird der Mitte Oktober von seinen japanischen Vorstandskollegen aus dem Amt gedrängte frühere Olympus-Konzernchef Michael Woodford wieder nach Tokio kommen. Er brachte die Yakuza-Kontakte ins Gespräch; jetzt will er bei der Polizei aussagen. Bislang hatte er Reisen nach Japan abgelehnt - „aus Sicherheitsgründen“, wie er sagte. Die Ermittler erhoffen sich von ihm weitere Hinweise. Woodford hatte den Olympus-Vorstand als „vergiftet“ bezeichnet.

          Der frühere Olympus-Konzernchef Michael Woodford: Er brachte die Yakuza-Kontakte ins Gespräch

          Seit dem 1992 in Kraft getretenen Anti-Yakuza-Gesetz sei eine „Verbürgerlichung“ der japanischen Mafia zu beobachten, berichtet Wolfgang Herbert, Japanologe und Yakuza-Experte an der Universität Tokushima. „Der Geist des Kapitalismus hat die Yakuza gründlich und nachhaltig infiziert“, erklärt er.

          Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Prostitution gehören zwar immer noch zum Kerngeschäft der Gangster. Doch die „Keizai Yakusa“, die Wirtschaftsyakuza, wird zunehmend zum Leitbild. Unternehmen wie Olympus mit seinen Bilanzfälschungen seien leichte Opfer der Verbrecher, wird in Tokio gemunkelt.

          Etwa 80.000 Menschen in Yakuza-Gruppierungen aktiv

          Tatsächlich ist die Verbindung von Yakuza, Wirtschaft und in Japan immer wieder Thema gewesen. Kuniaki Nozoe, Vorstandschef des Elektronikriesen Fujitsu, wurde im Herbst 2009 gestürzt. Angeblich hatte er Kontakte zu „antisozialen Kräften“ - ein Euphemismus, mit dem Japans Behörden die Yakuza benennen. Erst vor wenigen Wochen musste der Chef von Daio Paper gehen. Auch dieser Fall liest sich wie ein Krimi: Geld der Firma geliehen und im Casino gezockt - der Daio-Chef bewegte sich genau in dem halbseidenen Milieu, in dem die Grenzen zwischen Unternehmenswelt und Verbrechen fließend werden. „Fraternisierte Unternehmen und Fassadenfirmen bilden die immer breiter werdende Speerspitze der Anpassungsstrategie der neuen Yakuza“, sagt Herbert.

          Mehr als 80.000 Menschen sind nach neuesten Angaben der japanischen Polizei in Yakuza-Gruppierungen aktiv. Die größte und mächtigste ist die Yamaguchi-Gumi mit 19.000 Mitstreitern. Auch sie soll zu den Empfängern von Zahlungen gehört haben. Olympus sei von den Kriminellen möglicherweise erpresst worden.

          Öffentlich bestätigt wurde bislang nicht, dass Olympus in Machenschaften der Yakuza verstrickt ist. Die von Woodford befeuerten Gerüchte scheinen einen wahren Hintergrund zu haben. Der neue Präsident von Olympus, Shuichi Takayama, hat Fragen nach Verbindungen zu „antisozialen Kräften“ noch Ende Oktober vehement zurückgewiesen. Takayamas Problem ist allerdings, dass er selbst den Rauswurf Woodfords mitgetragen hat, als der die Betrügereien untersuchen wollte. Das nährt den Verdacht, dass auch der neue Mann an der Spitze von den Bilanzfälschungen und -betrügereien wusste.

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