Home
http://www.faz.net/-gqe-7512t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Kalte Progression Brüderle: SPD und Grüne verhindern Entlastung der Bürger

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle hat sich enttäuscht über die Ergebnisse im Bundesrats-Vermittlungsausschuss gezeigt. Dort war am Mittwochabend nur in zwei Streitthemen eine Einigung erzielt worden.

© dapd Vergrößern Wenig Kompromissbereitschaft: Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle hat sich enttäuscht über die im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern erzielten Ergebnisse gezeigt. Wegen der Blockadehaltung von SPD und Grünen seien „nur kleine Mäuschen“ herausgekommen, sagte Brüderle am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er fügte hinzu: „Es wäre gut gewesen, die Konjunktur etwas zu flankieren, indem man gerade bei kleineren Einkommen eine Entlastung vornimmt“.

„Viele Arbeitnehmer werden sich die Augen reiben“, sagte der FDP-Politiker. Von den Lohnerhöhungen dieses Jahres werde nicht viel übrig bleiben. Schwarz-Gelb habe die sogenannte kalte Progression bei der Einkommensteuer mildern wollen, die Arbeitnehmern trotz eventueller Lohnerhöhungen weniger Brutto- vom Nettoeinkommen übrig lässt. Das hätten SPD und Grüne verhindert. „Es darf doch der Staat nicht derjenige sein, der in die Taschen noch mehr hineingrapscht bei den höchsten Steuereinnahmen, die es je in Deutschland gab“, bemängelte Brüderle.

Einigung nur in zwei Streitthemen

Der Vermittlungsausschuss hatte am Mittwochabend nur in zwei von insgesamt acht Streitthemen eine Einigung erzielt: So soll der steuerliche Grundfreibetrages um 126 Euro auf 8130 Euro angehoben werden. Das Gremium verständigte sich außerdem auf eine Novelle des Unternehmenssteuerrechts. Der geplante Steuerbonus für Gebäudesanierungen jedoch scheiterte. Ursprünglich war geplant, dass Maßnahmen zur Dämmung von Gebäuden oder der Einbau energiesparender Heizungsanlagen steuerlich begünstigt werden. Auch das Steuerabkommen mit der Schweiz wurde abgelehnt; SPD und Grüne verweigerte ihm die Zustimmung. Vorgesehen gewesen war eine anonyme Pauschalsteuer mit Rückwirkung für zehn Jahre.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte die Ablehnung der Koalitionspläne zur Korrektur der „kalten Progression“ scharf. Dies bedeute „für viele Arbeitnehmer in Deutschland im nächsten Jahr Steuererhöhungen durch die Hintertür“ und werde „eine Entlastung von ungewollten Steuereinnahmen vor allem für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen“ verhindern. „Dass wir wenigstens den Grundfreibetrag anpassen konnten, ist erfreulich - aber dies war sowieso verfassungsrechtlich geboten.“ Steuererhöhungen seien kein Ersatz für eine solide Haushaltspolitik, sagte Schäuble.

Oppermann: Merkel kann nicht durchregieren

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann warf seinerseits der schwarz-gelben Koalition fehlende Kompromissbereitschaft vor. „Im Vermittlungsausschuss gibt es eine andere Mehrheit, also sind wir auf Kompromisse angewiesen. Monatelang kam da kein Vorschlag von der Bundesregierung“, sagte er am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Frau Merkel glaubte immer noch, sie könne durchregieren, aber das geht nicht, wenn sie keine Mehrheit hat.“

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuerpolitik CDU-Wirtschaftsflügel will sich von Merkel abkapseln

Wirtschaftspolitiker der Kanzlerinnen-Partei sind unzufrieden mit der Steuerpolitik. Sie wollen auf dem nächsten Parteitag einen Antrag gegen die von Merkel vorgegebene Linie stellen. Mehr

22.07.2014, 12:56 Uhr | Wirtschaft
Pkw-Maut CDU-Vize nennt Konzept „äußerst schädlich“

Verkehrsminister Dobrindts Entwurf für eine Pkw-Maut gerät in der Sommerpause kräftig unter Beschuss aus den eigenen Reihen. Nun warnt ein mächtiger CDU-Landeschef vor einem „Eintrittgeld für Ausländer“. Mehr

23.07.2014, 01:01 Uhr | Wirtschaft
Sommerpressekonferenz Merkel: Die große Koalition hat noch viel zu tun

Bundeskanzlerin Angela Merkel weist Spekulationen, sie könne ihr Amt vor der nächsten Bundestagswahl niederlegen, zurück: „Alles weitere später.“ Mehr

18.07.2014, 15:52 Uhr | Politik

Fluch der bösen Tat

Von Carl Moses

Wieder droht Argentinien eine Schuldenkrise. Das ist nicht zuletzt dem rabiaten Umgang mit den Gläubigern nach der letzten Krise zuzuschreiben. Mehr 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Der Taxi-Markt konzentriert sich

Uber schreckt die Taxis auf. Die etablierten Unternehmen verteidigen ihre Pfründe – in einem Markt, der sich immer weiter konzentriert. Mehr