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Kalkulation der Gesundheitsbürokraten Was ist Gesundheit wert?

11.08.2008 ·  Die Engländer haben es klar geregelt. Ein zusätzliches Lebensjahr in guter Gesundheit darf 30.000 Pfund kosten. Ähnlich konkret haben es Australien und einige amerikanische Krankenversicherungen geregelt. In Deutschland ist man weit vorsichtiger.

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Die Engländer haben es klar geregelt. Ein zusätzliches Lebensjahr in guter Gesundheit darf 30.000 Pfund kosten (rund 38.000 Euro). Diese Summe gibt das Institut Nice vor, das empfiehlt, welche Medikamente und Behandlungen in England vom staatlichen Gesundheitswesen erstattet werden.

Die Wissenschaftler vergleichen dazu die Kosten einer Behandlung mit ihrem Nutzen. Der hat zwei Hauptdimensionen: die Länge des Lebens und den Gesundheitszustand. Zusammen ergibt das das sogenannte qualitätsadjustierte Lebensjahr (Qualy). Ein zusätzliches Jahr bei guter Gesundheit ergibt ein Qualy, ebenso wie zwei zusätzliche Jahre bei mittlerer Gesundheit. Für beide Ergebnisse lässt das Nice in der Regel nur Behandlungen zu, die günstiger sind als 30 000 Pfund.

Ähnlich konkret haben es Australien und einige amerikanische Krankenversicherungen geregelt. In Deutschland ist man weit vorsichtiger. Jahrelang waren die ethischen Bedenken so groß und die Kassen so voll, dass man sich gar nicht an die Frage wagte, wie teuer eine Behandlung sein darf. Es galt das Prinzip: Alles, was einen Nutzen für die Patienten brachte, wurde auch von der gesetzlichen Kasse erstattet.

Kosten und Nutzen neuer Behandlungsmethoden

Das hat sich geändert. Seit die Kosten für Gesundheit immer weiter steigen, sollen auch in Deutschland Kosten und Nutzen neuer Behandlungsmethoden verglichen werden können. Schon im kommenden Jahr könnte es so weit sein. Dann könnte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig), das zuständig dafür ist, erste Studien erstellen. Es hat schon ein Papier zu seinen Methoden vorgelegt.

Demnach will es anders als die britische Behörde nicht eine einheitliche Obergrenze definieren, sondern Kosten und Nutzen nur innerhalb eines Krankheitsbilds vergleichen. Der Institutsleiter Peter Sawicki erklärt das anhand eines Beispiels: "Amputationen sind wahnsinnig billig und retten Leben. Transplantationen sind sehr teuer und retten Leben. Da kann ich doch nicht sagen: Herztransplantationen bezahle ich nicht mehr."

Maßgeblich für den Nutzen sind für das Iqwig die Verlängerung des Lebens, die Reduktion der Leiden und die Verbesserung der Lebensqualität. Zusätzlich zählt, wie zufrieden der Patient ist und wie hoch sein Aufwand für die Behandlung ist. Bald wird es so weit sein, dass das Institut Fragen entscheiden muss wie: Ist es angemessen, für eine zehnprozentige Steigerung der Patientenzufriedenheit 1000 Euro auszugeben? Spätestens dann wird Institutsleiter Peter Sawicki anfangen müssen, den akzeptablen Preis für eine Gesundheitsverbesserung in Euro zu beziffern. Eine feste Obergrenze, was ein gewonnenes statistisches Leben kosten darf, soll es aber nicht geben. "Es gibt keinen wissenschaftlich bestimmbaren Wert des Lebens", sagt Sawicki.

Deutsche Gesundheitsökonomen empört

Deutsche Gesundheitsökonomen sind empört. Sie fordern, dass der Gesetzgeber einen genauen Wert in Euro vorgibt. Friedrich Breyer von der Universität Konstanz sagt: "Das Iqwig will sich drücken vor der Entscheidung: Wie viel ist uns ein Menschenleben wert?" Das sei von Nachteil für die Patienten. "Wenn wir Kosten und Nutzen nur innerhalb eines Krankheitsbilds vergleichen, holen wir nicht so viel Leben und Gesundheit heraus wie mit einem einheitlichen Kriterium." Außerdem fehle die Transparenz. "Der Staat fällt regelmäßig Entscheidungen, die die Gesundheit und das Leben von Menschen betreffen. Da ist es doch besser, er legt seine Kriterien für die Entscheidung offen."

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