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Dienstag, 18. Juni 2013
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Kältewelle Stromnetzbetreiber in Anspannung

 ·  Wegen der niedrigen Temperaturen ist die Nachfrage nach Strom derzeit sehr hoch. Nach Atomausstieg und Energiewende darf es nun nicht zu größeren Ausfällen kommen.

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© dpa Eiszeit: Weil die Sonne scheint, ist die Lage auf den Stromautobahnen derzeit nicht kritisch

Der Winter mit Temperaturen von weniger als minus 15 Grad Celsius hält Deutschland in Atem. In diesem Jahr ist das besonders spannend: Der Atomausstieg und die Energiewende haben die Ausgangslage erheblich verändert. Für die Dauerversorgung rund um den Tag, die Grundlast, stehen acht Kernkraftwerke mit gut 7000 Megawatt Erzeugungskapazität nicht mehr zur Verfügung. Und seit Februar 2011 sind rund 10.000 Megawatt Solar- und Windkapazität neu installiert worden. „Im Winter kommt die nächste Nagelprobe", hatte der Chef des Energiekonzerns Eon, Johannes Theyssen, im vergangenen September gesagt.

Während sich die Stromverkäufer die Hände reiben können, weil die Stromheizungen brummen, mögen die Betreiber der großen Stromautobahnen solche Wetterlagen nicht. Dann müssen den ganzen Tag 10.000 bis 20.000 Megawatt Stunde für Stunde durch das Netz transportiert werden, und zwar ganz überwiegend für den Haushaltsbedarf für Nachtspeicherheizungen und mobile Heizkörper. Und wenn die Kälte über mehrere Tage dauert und die letzten Wärmereserven aus den Gebäuden verschwunden sind, nimmt der Heizstromverbrauch noch zu.

„Das Wetter meint es gut mit der Energiewende“

Am Montagmittag ist ein solcher extremer Punkt erreicht worden. Gegen 14 Uhr überstieg der Stromverbrauch nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Amprion 70.000 Megawatt. Alle für Montag vorgehaltenen Kraftwerke produzierten. Hinzu kamen gut 8000 Megawatt Solarstrom. Windkraft blieb mit 500 Megawatt hinter den Prognosen der Meteorologen zurück. „Jetzt darf es keine großen Ausfälle geben", sagte ein Amprion-Sprecher zu diesem Zeitpunkt.

„Das Wetter meint es bisher gut mit der Energiewende", hieß es vom BDEW Bundesverband Deutsche Energie- und Wasserwirtschaft in Berlin. Nach dem Atom-Moratorium im vergangenen März stand im Frühsommer zunächst viel Sonnenstrom zur Verfügung; in der zweiten Jahreshälfte war die Windstromausbeute gut.

„Die gegenwärtige Lage ist angespannt, aber nicht kritisch", sagte die Sprecherin der Netzgesellschaft Tennet. Die vier Transportnetzgesellschaften in Deutschland hätten sich rechtzeitig auf schwierige Winterverhältnisse vorbereitet. Als die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima das Atom-Moratorium verfügte, haben die Betreiber der großen Stromautobahnen mit der Bundesnetzagentur einen Notfallplan erarbeitet.

Unter anderem überlegten sie, welche Kraftwerke, die wegen ihrer geringen Wirkungsgrade und hoher Emissionen nicht mehr in Betrieb waren, als Kaltreserve dienen könnten. Vier deutsche Kraftwerksblöcke mit zusammen 1000 Megawatt Kapazität wurden benannt. Ineffiziente und schmutzige alte Anlagen wurden vorbereitet.

Eine gleich große Kaltreserve steht in Österreich zur Verfügung, darunter auch ein altes Ölkraftwerk, das im Januar bei einem sehr stark schwankenden Windenergieaufkommen schon kurzfristig eingesetzt wurde.

Die Transportnetzbetreiber sprechen derzeit deshalb von einer angespannten Lage, weil mit den stillgelegten Atommeilern ein starker Grundlastsockel fehlt, der durch die am Rand der Kapazitätsgrenze laufenden Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier und in Ostdeutschland nur teilweise ausgeglichen werden kann. Aber nach Angaben von Amprion mussten am Wochenende und am Montag keine kritischen Augenblicke gemanagt werden.

Dafür gibt es mehrere Stufen. So können sehr stark beanspruchte Höchstspannungsleitungen entlastet werden, indem Teilmengen auf Umwegen an das Ziel geführt werden. Auf der nächsten Stufe würden die Netzbetreiber zusätzliche Kraftwerksreserven abrufen und auf die Kaltbereitschaft zurückgreifen. Wenn das zur Netzstabilisierung nicht reicht, müssen Großverbraucher vom Netz abgekoppelt werden. „Der Ausbau von Sonne und Wind zahlt sich aus", wurde am Montag eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums zitiert.

Damit dürfte sie aber nicht die installierten 27.500 Megawatt Windräder gemeint haben, deren Ausbeute am Montag in den verbrauchsstarken Stunden der Mittagszeit ungefähr 1 Prozent des Verbrauchs ausmachte. Die Photovoltaik war in diesen Stunden mit 8000 bis 10.000 Megawatt am Netz, also stärker als die Windräder, aber auch mit weniger als der Hälfte der installierten Kapazität.

Dennoch hat Solarstrom mittags dazu beigetragen, dass in Deutschland die Nagelprobe bestanden wurde. Wenn freilich zur Kälte noch Schneefall käme, ginge die Solarstromproduktion stark zurück. Die normal verfügbaren Kraftwerke in Deutschland reichten am Montag aus, um über Stunden Strom nach Frankreich zu liefern. Dort gibt es viel mehr Stromheizungen als hier.

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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