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Jürgen Weber „Mister Lufthansa“ in Turbulenzen

Jürgen Weber gilt als lebende Legende der deutschen Luftfahrt. Nach zehnjähriger Amtszeit als Chefaufseher der Lufthansa wollte er nun seinen Posten an einen engen Vertrauten übergeben. Doch seine Rechnung ging nicht auf.

© dpa Jürgen Weber

Er gilt als lebende Legende der deutschen Luftfahrt und als respektierter Veteran der heimischen Industrie. Seinen Ruf als Visionär der Branche und Architekt des heutigen Lufthansa-Konzerns begründete Jürgen Weber vor allem in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender, obwohl er auf insgesamt 46 Dienstjahre beim deutschen Traditionsunternehmen verweisen kann.

Ulrich Friese Folgen:

Angesichts des Vertrauensvorschusses, den Weber in- und außerhalb des Konzerns genießt, erscheint sein gescheiterter Versuch, die Führung des Aufsichtsrates der Lufthansa mit seinem Wunsch-Kandidaten Wolfgang Mayrhuber zu setzen, wie ein Schlag ins Kontor. „Mister Lufthansa“, wie ihn die 117.000 Mitarbeiter heute nennen, war nach seinem Abschied als Vorstandsvorsitzender direkt an die Spitze des Kontrollgremiums gerückt. Nach zehnjähriger Amtszeit als Chefaufseher wollte er an diesem Dienstag seinen Posten an einen engen Vertrauten übergeben: Wolfgang Mayrhuber, der bis 2010 an der Spitze des Lufthansa-Vorstands stand und danach vom heutigen Konzernlenker Christoph Franz beerbt wurde.

Lufthansa: Ausländische Aktionäre wollen Mayrhuber nicht

Doch Webers Rechnung ging nicht auf. Kurz vor der heutigen Hauptversammlung in Köln zog Mayrhuber seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zurück. Seine Entscheidung begründete die Lufthansa mit der Kritik von ausländischen Aktionären, die sich vehement gegen den Wunschkandidaten Webers stemmten.

Lufthansa steigert im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich © dapd Vergrößern Wolfgang Mayrhuber wird nicht Lufthansa-Aufsichtsratschef.

Weber, Mayrhuber und Franz lernten sich Mitte der neunziger Jahre kennen und schätzen - als die Lufthansa ihre bislang schwersten Turbulenzen überstehen musste: Jahrelange Überkapazitäten und dreistellige Millionenverluste beförderten die Traditiongesellschaft damals an den Rand des Ruins. Doch Weber wendete den drohenden Untergang erfolgreich ab. Mit ruhiger Hand und strategischem Geschick stellte er eine Sanierungsmannschaft zusammen, das alle erforderlichen Einschnitte bei Personal oder Flotte vornahm, ohne dabei die Vertreter der involvierten Gewerkschaften zu vergrätzen.

Mayrhuber und Franz avancierten seit dieser Zeit zu verlässlichen Vertrauten des heute 71 Jahre Doyen des Konzerns. Weber und der von ihm favorisierter Nachfolger aus Österreich zogen über Jahre an einem Strang, als der ehemalige Staatskonzern 1997 durch einen Börsengang privatisiert und danach schrittweise zum Branchenführer in Europa ausgebaut wurde. Weber, der als Sohn eines Sägewerksbesitzers aus der badischen Kleinstadt Lahr stammt, entwickelte als Lufthansa-Chef frühzeitig die Vision von einem Aviation-Konzern. Dieser Dienstleister sollte neben dem Passagier- und Frachtgeschäft auch eigenständige Geschäftsbereiche für die Wartung von Flugzeugen (Technik), Bordverpflegung (LSG Sky Chefs) oder IT-Technik (Systems) steuern. Eine Struktur, die von seinen beiden bisherigen Nachfolgern im wesentlichen beibehalten und an die jeweiligen Veränderungen im Luftfahrtmarkt angepasst wurde.

Darüber hinaus trieb Weber mit Verve die Expansion der Lufthansa durch Zukäufe von ausländischen Konkurrenten voran und legte den Grundstein für den Aufbau der „Star Alliance“, die bis heute das mit Abstand größte Service-Netzwerk unter den internationalen Fluggesellschaften ist.

Weber: „Wir brauchen einen Branchenkenner“

Ohne frühzeitige Einbindung oder das Plazet des mächtigen Chefkontrolleurs liefe im Tagesgeschäft der Lufthansa kaum etwas, berichten Manager in der Frankfurter Zentrale. Beispielsweise soll Weber in jüngster Vergangenheit des öfteren sein Veto eingelegt haben, als Mayrhuber die damalige Einkaufstour in Europa fortführen wollte und dabei sogar an den Kauf des maroden Konkurrenten Alitalia dachte.

Verärgert reagiert der Chefaufseher der Lufthansa auf die Kritik, er habe damals den Siegeszug von Billigfluggesellschaften wie Easyjet oder Ryanair unterschätzt. Er habe frühzeitig vor einem Vordringen der Preisbrecher gewarnt, betont er. Allerdings müsse sich die Lufthansa die verlorenen Kunden und Marktanteile wieder zurückholen.

Auch an der Eignung Mayrhubers für den Spitzenposten im Aufsichtsrat ließ Weber keinen Zweifel aufkommen: „Wir brauchen in diesem Amt einen versierten Branchenkenner - und das ist Mayrhuber“. Doch er hat das Misstrauen ausländischer Aktionäre gegenüber so einer einsamen Entscheidung klar unterschätzt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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