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Joe Kaeser : Der Siemens-Chef findet höhere Steuern gut

Chef von Siemens: Joe Kaeser im Gespräch mit der F.A.S. Bild: Reuters

Ein Steuersatz von 70 Prozent: Das kann sich Siemens-Chef Joe Kaeser vorstellen. Aber nicht für jeden. Er macht sogar den Siemens-Mitarbeitern Hoffnung, die vom Stellenabbau betroffen sind.

          Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser wendet sich in scharfen Worten gegen eine Neuauflage der großen Koalition. Er vermisse dabei „eine klare Idee, wie wir das Land in die Zukunft bringen“, sagt Kaeser in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Jamaika wäre mir eindeutig am liebsten. Das wäre eine echte Chance für unser Land.“ Eine schwarz-gelb-grüne Regierung fände er deswegen so reizvoll, sagte Kaeser, „weil scheinbar konträre Interessen von Ökologie, Marktwirtschaft und Sozialpartnerschaft zusammenfinden könnten. Sehr schade, dass dies nicht geklappt hat.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Bündnis von Union und SPD sei zwar stabil, repräsentiere aber nicht die Gesellschaft in ihrer ganzen Breite, kritisiert der Konzernchef: „Das lässt an beiden Rändern Platz für Populismus und radikalere Ideen, die uns aber nicht weiterbringen. Da wäre eine Jamaika-Koalition besser, die sowohl den wirtschaftsliberalen wie den wertkonservativen Flügel abdeckt.“ Die Grünen schrecken den Siemens-Vorstandsvorsitzenden dabei nicht, er habe sie sogar schon gewählt, verriet Joe Kaeser: „Das ist die wertkonservativste Partei überhaupt.“ Für eine künftige Bundesregierung schlägt der Siemens-Chef eine neue Art von Superminister vor: „Wirtschafts- und Außenministerium sind so eng verzahnt, dass man die Aufgaben sogar zusammenlegen könnte“, sagt Kaeser.

          Kaeser findet 70 Prozent Spitzensteuersatz gut

          Außerdem plädiert er für eine drastische Erhöhung des Spitzensteuersatzes. „Gegen 70 Prozent Steuern auf Spekulationsgeschäfte hätte ich nichts einzuwenden“, sagte Kaeser. „Spekulation, Computer- und Hochfrequenzhandel sollten Sklaven der Gesellschaft sein, und nicht umgekehrt. Wir müssen die Art von Geschäften deutlich höher besteuern.“ Kaeser bringt dafür eine grundlegende Reform des Steuersystems ins Spiel. Die Steuern auf den Gewinn sollten sich danach richten, wie viel Menschen ein Unternehmen braucht, um diesen zu erwirtschaften. „Der Steuersatz sollte den gesellschaftlichen Nutzen von Unternehmen abbilden“, begründet er seinen Vorstoß. „Bei Siemens arbeiten 372.000 Menschen, um sechs Milliarden Gewinn zu erwirtschaften. Wenn ein Spekulant mit 20 Angestellten auch sechs Milliarden Gewinn macht, dann sollte sein Gewinn höher besteuert werden.“

          Beim geplanten Abbau von 6900 Stellen in der Siemens-Energiesparte – die Hälfte davon in Deutschland – machte Kaeser Hoffnung, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. „Wir werden in zwei bis fünf Jahren bis zu 100.000 Menschen einstellen, allein in Deutschland etwa 12.000 bis 15.000.“ Die Frage sei: Wie schaffen wir es, möglichst viele der jetzt betroffenen Menschen auf diesen bis zu 15.000 Stellen unterzubringen? Der Konzern habe genügend Zeit für Qualifizierung. „Sollte das Werk in Görlitz am Ende doch geschlossen werden müssen, dann würde das 2023 geschehen.“

          Das ganze Gespräch erscheint am Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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