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Jeder dritte Arbeitsplatz fällt weg Nokia Siemens streicht 2900 Stellen in Deutschland

31.01.2012 ·  Der angekündigte Kahlschlag des Netzwerkausrüsters hat Deutschland erreicht. Am härtesten trifft er die Zentrale in München.

Von Rüdiger Köhn
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Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) hat am Dienstag mitgeteilt, bis zum Ende dieses Jahres 2900 seiner insgesamt 9100 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen zu wollen. Zusätzlich fordert das Gemeinschaftsunternehmen des finnischen Kommunikationsunternehmens Nokia und des deutschen Elektrokonzerns Siemens den Umzug von 1600 Mitarbeitern an die fünf verbleibenden Standorte in Deutschland. Davon ist in erster Linie die Zentrale in München betroffen, wo neben der Verwaltung auch ein Teil der Entwicklung mit Hunderten von Beschäftigten sitzt. Denn der Standort soll bis Ende dieses Jahres geschlossen werden.

De facto erheblich mehr als 3000 Menschen betroffen

Zugleich kündigte NSN das Streichen von 1300 Stellen in Finnland und von 260 Arbeitsplätzen in Großbritannien an. Wie erwartet, trifft die im November beschlossene, aber zunächst unpräzise formulierte Sanierung Deutschland damit überproportional stark. Wegen der dauerhaften Verlustsituation des Unternehmens sollen insgesamt 17.000 der etwas mehr als 70.000 Mitarbeiter ihre Stelle verlieren.

In den Plänen noch nicht berücksichtigt sind die geplanten Verkäufe von Randbereichen, die ebenso deutsche Arbeitsplätze treffen werden. Finanzvorstand Marco Schröter sprach in einer Telefonpressekonferenz von „einigen hundert in Deutschland und nicht mehr als 2000 weltweit“. Damit erhöht sich de facto die Zahl der betroffenen Stellen in Deutschland auf erheblich mehr als 3000. Mit dem gerade angekündigten Verkauf des Breitbandgeschäfts an die amerikanische Adtran fallen hierzulande allein rund 300 Stellen aus dem Konzernverbund heraus. Schröter betonte, das sich hinter dem Umzug von 1600 Beschäftigten nicht eine „versteckte Restrukturierung“ verberge, durch die weitere Stellen gestrichen werden – auch wenn womöglich viele Mitarbeiter das Angebot aus verschiedenen Gründen nicht annehmen und damit ihren Arbeitsvertrag verlieren werden.

Gewerkschafter kündigen Widerstand an

NSN wird in Deutschland künftig in Berlin, Bonn, Düsseldorf, Bruchsal und Ulm vertreten sein. Diese Standorte seien nahe an den Hauptkunden und repräsentierten das Kerngeschäft, sagte Schröter. Er hoffe, bis spätestens zum Spätsommer mit den Arbeitnehmervertretern einig zu werden. Gesamtbetriebsrat und IG Metall aber haben nach Bekanntwerden der Pläne, die am Mittwoch auf Betriebsversammlungen vorgestellt werden sollen, Proteste angekündigt. Sie haben schon früher scharf gravierende Managementfehler kritisiert. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzender Georg Nassauer sagte, es gelte die Schließung der Zentrale doch noch zu verhindern.

An NSN halten Nokia und Siemens jeweils 50 Prozent. Die Finnen haben die operative Verantwortung übernommen, als das Gemeinschaftsunternehmen 2007 gegründet wurde. Mit dem Sanierungsprogramm will sich NSN auf das Geschäft mit der Ausrüstung mobiler Netzwerke, insbesondere auf die neue Mobilfunkgeneration LTE, konzentrieren. Die Kosten sollen um eine Milliarde Euro gesenkt werden.

„Ich habe schon schwierigere Situationen gesehen“

„2012 ist ein Umbruchjahr, 2013 wird der Durchbruch erfolgen“, sagte Finanzvorstand Marco Schröter, ohne aber schon von einem Gewinn in jenem Jahr sprechen zu wollen. „Es ist nicht so schwierig, das Unternehmen profitabel zu bekommen, ich habe schon schwierigere Situationen gesehen“, spielte er auf seine frühere Funktion als Finanzchef des 2009 ins Schlingern gekommenen Halbleiterherstellers Infineon an. Mittelfristig sei eine operative Umsatzrendite von 5 bis 10 Prozent angestrebt. Im Jahr 2010 erreichte der operative Verlust bei 12,7 Milliarden Euro Umsatz 686 Millionen Euro. Für 2011 bezifferte Schröter den Umsatz auf 14 Milliarden Euro.

Seit seiner Gründung hat das Unternehmen, das hinter dem schwedischen Wettbewerber Ericsson die Nummer zwei im Markt für Netzwerkausrüstung beansprucht, den Eigentümern mit ständigen Verlusten und mehrmaligen Kapitalzuführungen nur Sorgen bereitet; nicht zuletzt wegen der zu langsam angegangenen Sanierung des Unternehmens unter dem Vorstandsvorsitzenden Rajeev Suri. Erst im vergangenen Jahr mussten die Anteilseigner je 500 Millionen Euro frische Geldmittel zuführen, um das Unternehmen handlungsfähig zu halten. Gerade erst hat NSN eine Kreditlinie über 1,3 Milliarden Euro mit Banken vereinbart.

Der Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat vorsorglich schon eine weitere halbe Milliarde Euro als Belastung im aktuellen Geschäftsjahr veranschlagt. Zuletzt hatte er sogar zu verstehen gegeben, dass er schon zufrieden sei, wenn es dabei bleibe. Zunehmend sind die Münchener ungeduldig mit dem jahrelangen Herumdoktern geworden, weshalb im Herbst vergangenen Jahres auf ihr Betreiben der Däne Jesper Ovesen als neuer, operativer Aufsichtsratsvorsitzender bestellt worden ist.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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