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Wie seit 30 Jahren nicht mehr : Japans Wirtschaft wächst und wächst und wächst

Japans Wirtschaft befindet sich in einer robusten Verfassung. Bild: AP

Das Wirtschaftswachstum in der drittgrößten Volkswirtschaft hat sich jüngst verlangsamt. Hält die robuste Konjunktur?

          Die japanische Wirtschaft wächst so lange wie seit rund 28 Jahren nicht mehr. Das reale Bruttoinlandsprodukt legte am Ende des vergangenen Jahres um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Damit hat das Tempo sich zuletzt zwar deutlich abgeschwächt. Mit dem achten Wachstumsquartal nacheinander aber hat das Land eine Wachstumsstrecke hingelegt, wie es sie länger zuletzt Ende der achtziger Jahre gab. Damals in der Blasenwirtschaft, wie die Japaner sagen, wuchs die Wirtschaft zwischen 1986 und 1989 zwölf Quartale nacheinander.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Regierung wertete die gute Wirtschaftsentwicklung als Signal, dass die Politik der Abenomics Japan helfe, die Deflation hinter sich zu lassen. Die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinuzo Abe stützt sich bislang vorwiegend auf eine aggressiv expansive Geldpolitik, kombiniert mit steigenden Staatsschulden, während Reformen für ein grundlegend kräftigeres Wirtschaftswachstum hinterherhinken.

          Japaner sparen wieder mehr

          Der Preisdruck in Japan bleibt trotz der drastischen monetären Expansion bislang gering und die Regierung hofft, mit kräftigen Lohnzuwächsen mehr Inflation in Gang zu setzen. Dennoch ist Abe mit der expansiven Geldpolitik zufrieden. Nach jüngsten Medienberichten neigt die Regierung dazu, dem Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda eine zweite Amtszeit zu geben. Kurodas Vertrag endet im April. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Kuroda sieht noch auf lange Sicht keine Notwendigkeit, an einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik auch nur zu denken.

          Trotz der Wachstumsverlangsamung im Jahresschlussquartal 2017 zeigten sich viele Volkswirte in Tokio nicht sonderlich beunruhigt und werteten die Wachstumsdaten im Grundsatz positiv. Mit einem Plus von 0,1 Prozent wuchs die Wirtschaft weit langsamer als noch in den Sommerquartalen, die eine Rate von 0,6 Prozent aufwiesen. Die Ökonomen von Barclays etwa sprachen von einer zeitweisen Verlangsamung. Der Grund dafür liegt in den Wachstumskräften am Jahresschluss, wie die erste Schätzung sie anzeigen. Danach legten privater Konsum und Investitionen der Unternehmen solide zu.

          Die Verlangsamung gründete dagegen in Faktoren, die in vielem temporär erscheinen. Der Staatskonsum schrumpfte, dürfte in den kommenden Wochen aber mit dem beschlossenen Staatshaushalt wieder zulegen. Zugleich bauten die Unternehmen Lagerbestände ab, was üblicherweise zum späteren Lageraufbau führt. Der Export wuchs stark, aber auch der Import. Rechnerisch im Netto von Ex- und Import kamen so vom Außenhandel keine Wachstumsimpulse. Viele Analysten werteten das Importplus dennoch positiv als Signal einer zulegenden Binnennachfrage. Die erste Schätzung des Quartalswachstums ist in Japan oft ungenau und wird später oft korrigiert.

          Als mögliches strukturelles Problem deutet sich der Markt für privaten Wohnungsbau an. Mit der Einführung des negativen Zinses im Jahr 2016 hatte die Bank von Japan einen rasanten  Aufschwung am Immobilienmarkt ausgelöst, der offenbar langsam sein Ende findet. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember schrumpfte der Wohnungsbau das zweite Quartal nacheinander und zwar um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das müsse sorgfältig beobachtet werden, kommentierte Jesper Koll von der Anlagegesellschaft Wisdom Tree Japan. Weitere Impulse für den Wohnungsbau könnten angesichts der sehr niedrigen Zinsen nicht mehr von der Geldpolitik kommen, sondern verlangten Deregulierung oder mögliche Steuererleichterungen.

          Koll wies auch darauf hin, das die Japaner mit steigendem Nominaleinkommen wieder mehr sparten. Das zeigt an, dass mit dem monetären Anschub der Konjunktur die Sorgen der Japaner vor der hohen und steigenden Staatsverschuldung und vor der Unsicherheit über die Stabilität der Sozialversicherungen in der alternden Gesellschaft nicht verschwinden. Diese strukturellen Faktoren, die das Wachstum belasten, kann die Notenbank nicht aus der Welt schaffen. Ohne glaubwürdige Reformen der Fiskal- und Soziapolitik werde die steigende Sparquote das Wachstum belasten, kommentierte Koll.

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