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Japan : Versicherer ersetzt zahlreiche Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

„Watson IoT“ heißt IBMs Bereich, in dem neue Lösungen für Unternehmen entwickelt werden, die auf künstlicher Intelligenz basieren. Bild: dpa

Die Japaner haben offenbar weniger Bedenken gegen die Automatisierung als die Deutschen: Ein Versicherer dort ersetzt kurzerhand fast ein Drittel der Belegschaft durch IBMs Watson-System. Er ist kein Einzelfall.

          Kostet die künstliche Intelligenz Arbeitsplätze? Die Sorge treibt viele Menschen im Westen um. In Japan sind Bedenken gegenüber neuer Technik generell und auch gegenüber der künstlichen Intelligenz weniger verbreitet. Das liegt nicht nur daran, dass dem Land mit seiner alternden Bevölkerung Arbeitskräfte verloren gehen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ein Anwendungsbeispiel für künstliche Intelligenz sind die Versicherer. Der Lebensversicherer Fukoku Mutual Life Insurance, einer der kleineren Versicherer in Japan, gab gerade bekannt, dass er vom Januar an künstliche Intelligenz in der Zahlungsabteilung einsetzen will, um die Produktivität zu heben. 34 Stellen oder fast 30 Prozent der Mitarbeiter in der betreffenden Abteilung sollen durch die Maschine ersetzt werden, heißt es in lokalen Medienberichten.

          Der Versicherer setzt auf das Watson-System des amerikanischen Unternehmens IBM. Das System soll unter anderem medizinische Berichte von Ärzten einlesen, verschlagworten und Informationen wie die Art der Operation oder die Länge eines Krankenhausaufenthalts sammeln, die für eine Auszahlung relevant sind. Berücksichtigt werden die persönliche Vorgeschichte des Versicherten und auch Details des Versicherungsvertrags. Über die endgültige Auszahlung sollen weiterhin Mitarbeiter entscheiden. Doch denkt das Unternehmen schon daran, mit dem System auch die Auszahlungen auf Korrektheit prüfen zu lassen.

          Befristete Verträge werden nicht verlängert

          Der Versicherer will die Personalanpassung dadurch bewältigen, dass befristete Arbeitsverträge nicht verlängert werden. Das Unternehmen verspricht sich nach einem Bericht der Zeitung Mainichi Einsparungen von 140 Millionen Yen (1,1 Millionen Euro) im Jahr. Die Installation des Systems der künstlichen Intelligenz soll etwa 200 Millionen Yen kosten mit jährlichen Wartungskosten von 15 Millionen Yen.

          Fukoku Mutual ist nicht allein im Streben nach Einsparungen und höherer Produktivität durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Einer der großen Lebensversicherer, Dai-ichi Life Insurance, nutzt das Watson-System bereits in der Erfassung und Bewertung von Zahlungen. Dabei soll es nach Informationen von Mainichi zu keinen größeren Stellenstreichungen gekommen sein. Japan Post Insurance will in Kürze analoge Versuche mit dem System von IBM machen. Der nach Anlagevermögen größte Lebensversicherer Japans, Nippon Life Insurance, seltzt seit dem vergangenen Jahr künstliche Intelligenz ein, um die besten Versicherungsverträge für einzelne Kunden herauszufinden.

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